Musikschule Dietikon

Trotz Fernunterricht: Viele Kinder musizieren motivierter als im Alltag

Einzelunterricht wird derzeit per Videotelefonie durchgeführt.

Einzelunterricht wird derzeit per Videotelefonie durchgeführt.

Der Fernunterricht an der Musikschule Dietikon fordert die Lehrpersonen stark. Aber bringt sie auch dazu, digitale Lernformen umzusetzen, von denen die Schule auch später noch profitieren könnte.

Am Anfang sei es komisch gewesen, sich beim Querflötespielen zu filmen und die Aufnahmen der Lehrerin zu schicken, erzählt Andrina Federer aus Dietikon. Aber mittlerweile hat die 16-Jährige Gefallen gefunden am Musikunterricht von zu Hause aus. Weil sie ihre meisten anderen Hobbies derzeit nicht ausüben kann, sei die Musik ein toller Zeitvertreib.

Andrina und ihre Geschwister Fiona und Jonas besuchen die Musikschule Dietikon. Seit Mitte März findet der Unterricht wegen des Ausnahmezustands nur noch aus der Ferne statt. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Umstellung meine Kinder animieren würde, mehr zu spielen. Aber tatsächlich sind sie alle sehr motiviert», sagt Mutter Daniela Federer. Das habe auch damit zu tun, dass die Lehrpersonen den digitalen Unterricht von Anfang an sehr gut umgesetzt hätten.

«Der Bundesratsentscheid war zunächst ein Riesenschock, weil wir uns kurzfristig komplett umorientieren und alle Anlässe absagen mussten», sagt Daniela Jordi-Körte, Leiterin des musikalisch-pädagogischen Bereichs der Musikschule Dietikon. Aber gleichentags habe sie Nachrichten von Lehrpersonen erhalten und für alle sei klar gewesen, dass es unbedingt weitergehen muss. «Wir haben schnell wieder nach vorne geschaut und viel in Gang gesetzt», sagt sie.

Mit einem organisatorischen Kraftakt wurde auf Fernunterricht umgestellt. «Wir müssen auch viel ausprobieren, weil wir noch nicht viele Erfahrungswerte haben», sagt Jordi-Körte. Einige Lehrpersonen würden den Eins-zu-eins-Unterricht per Videotelefonie fortführen mit dem gleichen Stundenplan wie zuvor. Sie unterrichtet Klarinette nach der multidimensionalen Unterrichtsform. Zwei Mal wöchentlich bietet längere «Sprech­stunden» an, in denen sie unmittelbar alle Fragen ihrer Schüler thematisiert. Ausserhalb dieser Zeit beantwortet sie Fragen etwas zeitversetzt. Zudem hat Sie eine Whats­app-Gruppe ins Leben gerufen, in der sie zwei Mal wöchentlich musikalische Rätsel stellt.

Musiklehrerin Edith Schelling zeigt das Akkordeon.

Musiklehrerin Edith Schelling zeigt das Akkordeon.

Alle Lehrpersonen an der Musikschule Dietikon haben ein solches Video mit ihrem Instrumente aufgenommen.

Freude am Musizieren soll im Zentrum stehen

Der neue Alltag sei abwechslungsreich und intensiv und alle Lehrpersonen leisten einen grossen Einsatz, sagt Jordi-Körte. Der regelmässige Kontakt mit Schülern sei noch wichtiger geworden, seit man sich nicht mehr persönlich sehe. «Die meisten Kinder sind sehr fleissig und üben viel.». Auch von den Eltern spüre sie eine grosse Dankbarkeit, weil das Instrumentenspiel in dieser schwierigen Zeit vielen zeitlich und emotional Halt gebe. Vieles funktioniere auch aus der Distanz gut, so Jordi-Körte, aber nicht alles. So sei das Zusammenspiel nur schwer möglich und fehle schmerzlich. «Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler viel spielen und die Freude am Musizieren im Vordergrund steht», sagt sie.

Daniela Jordi-Körte zeigt die Klarinette.

Daniela Jordi-Körte zeigt die Klarinette.

Nicht nur der Fernunterricht stellt die Musikschule Dietikon vor neue Herausforderungen. Im Frühling starte normalerweise eine grosse Werbephase mit Schulbesuchen und weiteren Anlässen, die dieses Jahr unmöglich ist. Deshalb geht die Musikschule auch bei der Werbung neue, digitale Wege. «Alle Lehrpersonen haben für unsere Website kurze Videos gemacht, in denen sie sich und ihre Instrumente vorstellen», sagt Jordi-Körte. Um die Kinder zum Anschauen zu animieren, werden die Videos mit einem Wettbewerb verknüpft.

Das zeigt, dass die schwierige Phase auch neue Chancen bietet. Sie könne sich gut vorstellen, dass die vielen digitalen Möglichkeiten auch später stärker und offener genutzt werden, sagt Jordi-Körte. Davon ist auch Daniela Federer überzeugt, wenn sie den Unterricht ihrer Kinder zu Hause mitverfolgt: «Die Umstellung hat digitalen Lernformen einen grossen Schub gegeben. Da besteht viel Potenzial für die Zukunft.»

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