Limmattal

Trotz Ausstieg – Tierärzte glauben weiterhin an Notfalldienst

Notfalldienste lohnen sich für Tierärzte nicht. Dennoch wollen sie sie beibehalten.

Notfalldienste lohnen sich für Tierärzte nicht. Dennoch wollen sie sie beibehalten.

Die Auslagerung von Notfällen an Kliniken ist für den Dietiker Veterinärmediziner Josef Zihlmann keine Option. Sie würde Kunden nur Nachteile bringen, sagt er.

Veterinärmediziner Jean-Luc Forster hat genug: Vor Kurzem teilte er seinen Kollegen im Tierarzt-Notfalldienstkreis Limmattal und Zürich-West mit, dass er keine weiteren Wochenenddienste mehr übernehmen wird. Der Grund: Die Zahl der in seiner Praxis eingelieferten Notfälle habe in den letzten Jahren stark abgenommen. «Im Moment sind wir bei durchschnittlich zirka drei bis fünf Notfällen pro ganzes Wochenende. Für die Praxis renitiert sich der Dienst unter diesen Umständen nicht», schrieb er in einer E-Mail. Für eine Stellungnahme war Forster gestern nicht zu erreichen.

Für die Tierbesitzer hat Forsters Austritt keine Konsequenzen: Auch weiterhin ist eine von derzeit 14 am Notfallkreis beteiligten Veterinär-Praxen in der Region am Wochenende einsatzbereit. Dort können kranke oder verletzte Tiere eingeliefert werden. Am Montag danach übergibt der notfalldiensthabende Arzt wie bisher den Fall wieder an den Hausveterinär.

Der Dietiker Tierarzt und Mitbegründer des vor 34 Jahren ins Leben gerufenen Notfalldienstkreises, Josef Zihlmann, bedauert Forsters Austritt dennoch, wie er sagt: «Herr Forster war ein zuverlässiger und angenehmer Kollege.»

Entlastung erfolgte ab 1980

Den Praxen-Verbund riefen Zihlmann und zwei weitere Kollegen 1980 ins Leben, um sich von Wochenenddiensten gegenseitig zu entlasten. Seither wechselte sich eine wachsende Anzahl von Veterinärmedizinern als Notfall-Anlaufstelle ab. «Als wir anfingen, mussten wir jeweils rund zwei Wochenenden pro Monat einsatzbereit sein. Heute ist es noch etwa eines alle zwei Monate», so Zihlmann.

Dass Forster sich aus finanziellen Gründen zum Austritt aus dem Notfalldienstkreis entschieden hat, findet der Gründervater des Zusammenschlusses schade, wie er sagt: «Beim Notfalldienstkreis handelt es sich in erster Linie um eine Dienstleistung gegenüber den Kunden und Kollegen.»

Die Rentabilität der Notfalldienste für die Praxen zu erhöhen, ist kaum möglich, wie Zihlmann erklärt: «Mit den Notfalltaxen bezahlen die Kunden heute schon das Doppelte des normalen Konsultationspreises. Hier ist die Schmerzgrenze erreicht.» Er räumt ein, dass die Lohnkosten für das Notfall-Team sich mit den Erträgen eines Wochenendes selten die Waage halten. «Aber es kann ja nicht sein, dass ein Dienst an Kunden und Kollegen rentabel sein muss», sagt Zihlmann.

Klinik-Ärzte sind weniger erfahren

Doch was spricht dagegen, den Notfalldienst der Tierklinik in Regensdorf, jener der Universität Zürich oder in Aarau-West zu überlassen? «Für unsere Kunden brächte dies den Nachteil mit sich, dass sie immer mit neuen Ärzten zu tun hätten, die meist über weniger Erfahrung verfügen, als die privaten Tierärzte», so Zihlmann. Weiter seien diese Notfälldienste fast immer stark ausgelastet. «Es wäre deshalb auch aus kollegialer Sicht nicht richtig, ihnen noch mehr Arbeit aufzubürden», sagt er.

Angst, dass Forster weitere Kollegen folgen könnten und im Notfalldienstkreis Limmattal und Zürich-West ein Mitglieder-Exodus einsetzt, hat Zihlmann nicht: «Fast zeitgleich mit Herrn Forsters Austritt ist bereits wieder ein neues Mitglied eingetreten. Meine Dienstkreis-Kollegen glauben an das Konzept unseres Zusammenschlusses.»

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