Dietikon
Trotz Ausraster: Gewaltbereiter Stalker bekommt milderes Urteil

Ein Lagerist aus Dietikon hat seine Ex-Freundin gestalkt, bedroht und am Hals gewürgt. Zudem ist er bei der Dietiker Polizei ausgerastet. Dank Rückzügen des Opfers und eines neuen Lebenshaltung kam der Täter vor Obergericht mit einer milderen Strafe

Attila Szenogrady
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Der Dietiker Lagerist hat seine Ex-Freundin gestalkt, bedroht und gewürgt. (Symbolbild)

Der Dietiker Lagerist hat seine Ex-Freundin gestalkt, bedroht und gewürgt. (Symbolbild)

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Es war im letzten Februar, als das Bezirksgericht Dietikon den heute 34-jährigen Mazedonier wegen Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, Beschimpfungen, Drohungen sowie Fahrens ohne Berechtigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten, zu einer Geldstrafe von 28 Tagessätzen zu 30 Franken bedingt sowie zu einer Busse von 1000 Franken verurteilte.

Zudem wurde der Lagerist verpflichtet, seiner Ex-Freundin ein Schmerzensgeld von 3000 Franken zu bezahlen. Damit waren die Dietiker Richter in weiten Teilen den Darstellungen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Obwohl diese vergebens eine wesentliche härtere Strafe von 18 Monaten unbedingt gefordert hatte.

Ex-Freundin gestalkt, bedroht und gewürgt

Die Anklageschrift ging auf den Frühling 2013 zurück. Damals hatte sich der Beschuldigte mit seiner Schweizer Freundin so fest zerstritten, dass sie die Beziehung abbrechen wollte. Der damalige Drogenkonsument reagierte aggressiv und begann seine Ex-Partnerin über mehrere Wochen hinweg zu stalken.

In der Anklage ist von rund 80 Telefonanrufen pro Tag und zahlreichen wüsten Beschimpfungen die Rede. In einem Fall fing er sie in einer Garage ab und würgte sie so stark, dass sie keine Luft mehr bekam.

Selbst nachdem sich die Privatklägerin an die Staatsanwaltschaft gewandt hatte, droht er ihr mit einem Klappmesser und stellte ihr in Aussicht, sie umzubringen.

Auf Polizeiposten ausgerastet

Als der Beschuldigte am 16. April 2013 zu einer Einvernahme auf dem Polizeiposten in Dietikon erschien, rastete er völlig aus. Er tobte herum und kickte dabei die Computeranlage des polizeilichen Sachbearbeiters auf den Boden.

Er richtete damit einen Sachschaden von rund 2000 Franken an. Mehrere Beamte konnten den Beschuldigten überwältigen, worauf er über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft verbringen musste.

Milderes Urteil gefordert

Am Dienstag musste sich der Limmattaler vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Allerdings glänzte er aus Angst vor den Medien durch unentschuldigte Abwesenheit. Stattdessen war sein Verteidiger am Berufungsprozess erschienen.

Dieser verlangte die Einstellungen gewichtiger Anklagepunkte und eine deutliche Strafsenkung auf eine bedingte Geldstrafe von 200 Tagessätzen.

Er führte dabei rechtliche Gründe ins Feld, da die Privatklägerin bei der Staatsanwaltschaft im April 2013 grundsätzlich ihr Desinteresse an einer Strafverfolgung ihres Ex-Freundes beantragt hatte. Allerdings unter Vorbehalten, worauf noch das Dietiker Gericht nicht von einem Rückzug der Strafanträge ausgegangen war.

Zum Unwillen des Verteidigers, der die Einstellung sämtlicher Delikte vor der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft verlangte. Damit sei sein Klient nur noch für die Drohung mit dem Messer sowie Sachbeschädigung und Fahrens ohne Berechtigung zu belangen, plädierte er.

Geld- statt Freiheitsstrafe

Die Oberrichter folgten dem Verteidiger und traten auf die Vorfälle vor dem April 2013 nicht mehr ein. Das Obergericht stufte das Desinteresse der Geschädigten tatsächlich als Rückzüge ein. So habe sich die Frau klar und unmissverständlich geäussert. Sie hätte sich damals mit einem Rayon-Verbot zufrieden gegeben

Damit blieben nur noch eine nachträgliche Drohung sowie die Nebendelikte übrig. Diese führten noch zu einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 50 Franken. Das Obergericht hielt dem Beschuldigten zudem seine neue Lebenshaltung zugute.

So ist er heute mit einer anderen Frau verheiratet, inzwischen Vater geworden und geht einer regelmässigen Arbeit nach, was die Oberrichter als stabile Verhältnisse einstuften und deshalb eine Freiheitsstrafe verneinten.

Aufgrund des Wegfalls mehrerer Delikte reduzierten sie auch das Schmerzensgeld für die Geschädigte von 3000 Franken auf neu 1000 Franken.