Limmattal
Trockenheit im Limmattal: Zwei Gemeinden stellen ihre Brunnen ab

Urdorf und Bergdietikon fordern ausserdem ihre Bürger auf, weniger Wasser zu verbrauchen.

Leo Eiholzer
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Zwei Gemeinden müssen Wasser sparen

Zwei Gemeinden müssen Wasser sparen

Limmattaler Zeitung
Beim Ortsmuseum: Die Gemeinde Urdorf hat den Brunnen das Wasser abgedreht.

Beim Ortsmuseum: Die Gemeinde Urdorf hat den Brunnen das Wasser abgedreht.

Limmattaler Zeitung

Man soll im Moment weder sein Auto waschen noch seine Pflanzen wässern oder seinen Swimming Pool füllen, wenn man denn einen hat. Darum bitten die Gemeinden Urdorf und Bergdietikon ihre Bevölkerung, weil es seit längerer Zeit sehr trocken ist. Die Urdorfer Mitteilung kam schon am Freitag, Bergdietikon zog gestern wortgleich nach. Die Massnahmen seien auf vorerst freiwilliger Basis. Ausserdem stellten beide Gemeinden ihre Laufbrunnen bis auf weiteres ab: Sie sind also trockengelegt.

Das sind ungewohnte Massnahmen. Doch auch die momentane Situation ist aussergewöhnlich: Die kantonale Baudirektion sagt auf Anfrage, dass der grosse Teil der Fliessgewässer so wenig Wasser führt wie im historischen Hitzesommer 2003. An rund zwei Dritteln der Messstellen im Kanton fliesst vergleichbar so wenig Wasser wie damals.

Jetzt werden zwar die Wasser-Sparmassnahmen eingeführt, doch in Urdorf sei das Trinkwasser noch nicht knapp, sagt Gemeindeschreiber Urs Keller. «Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass Trinkwasser ein wertvolles Gut ist.» Der Grundwasserspiegel sei zwar wie überall auch in Urdorf gesunken, aber noch nicht auf einem alarmierenden Niveau. Keller sagt aber trotzdem: «Wenn es in den nächsten 14 Tagen weiterhin wenig regnen sollte, kann sich eine Wasserknappheit abzeichnen.» Falls das passiert, könnte Urdorf «die Massnahmen verpflichtend machen» sagt Keller. Heisst: Die Gemeinde könnte das Auto-Waschen und das Pool-Auffüllen verbieten. Das sei aber noch nicht vonnöten. Auch betont Keller, dass die Löschwasserreserve selbstverständlich vorhanden sei. «Trotzdem soll die Gemeinde während dieser Trockenphase mit gutem Beispiel vorangehen, um die Bürger zu sensibilisieren.»

Das Brunnen-Abschalten schenkt in Urdorf stark ein. Normalerweise fliessen rund 12'100 Kubikmeter von März bis Oktober durch die zwanzig Brunnen der Gemeinde. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus werden laut Gemeindeschreiber Keller pro Jahr 175 Kubikmeter Wasser verbraucht.

Bergdietikon ist abhängig

Auch in Bergdietikon will die Gemeinde mit den trockenen Brunnen die Bürger sensibilisieren. Aber Gemeindeschreiber Patrick Geissmann sagt, es gebe weitere Gründe: «Wir sehen deutlich, dass unsere Quellen und unser Grundwasserpumpwerk nicht mehr so viel Wasser liefern, wie wir bräuchten.» Die Situation ist aber ohnehin anders als in Urdorf. Bergdietikon kauft immer viel Wasser aus anderen Gemeinden zu, vor allem aus Dietikon. «Wenn nun die Gemeinden, von denen wir das Wasser kaufen, in Bedrängnis geraten, sind wir stark betroffen», so Geissmann. Bergdietikon hinge also buchstäblich am Tropf der Nachbarn. In den letzten 30 Tagen hat Bergdietikon rund 55 Prozent des Wassers zugekauft.

Bergdietikon und Urdorf sind die einzigen Limmattaler Gemeinden, die spezielle Massnahmen gegen den drohenden Wassermangel ergriffen haben. Bei den anderen ist der Tenor der gleiche: Sie sehen noch keinen Bedarf. Das zeigen die Antworten auf eine Umfrage, die diese Zeitung unter allen Gemeinden des Bezirks gemacht hat.

Der stellvertretende Schlieremer Abteilungsleiter Werke, Versorgung und Anlagen, André Thoma, sagt: «Wir haben uns die Auswirkungen der Trockenheit angeschaut. Die Absenkung des Grundwasserspiegels ist noch weit von einem alarmierenden Niveau entfernt.» Der Limmat-Grundwasser-Strom sei eben sehr mächtig. Aber klar ist: «Grundsätzlich sind wir alle froh, wenn es wieder regnet.»

Muulaffeplatz-Brunnen läuft noch

Das hehre Wasserspar-Ziel der Urdorfer wurde zwar fast, aber noch nicht ganz erreicht. Gestern lief der Brunnen am Muulaffeplatz auf Hochtouren. Ein Irrtum, sagt Gemeindeschreiber Keller. Dieser Brunnen werde auch abgestellt, sobald dies mit der Eigentümerschaft, der Genossenschaft Florahof, abgesprochen worden ist.

Milchkuh-Schlachtungen drohen

Die Trockenheit macht bei den Limmattaler Bauern einschneidende Massnahmen nötig. Weil kein Gras als Futter mehr wächst, muss der Uitiker Jakob Bosshard wohl Milchkühe schlachten. «Bis jetzt musste ich das noch nie tun. Dieses Jahr wird es aber wohl nicht ohne gehen.» Schon jetzt verfüttert er den Tieren die Reserve, die eigentlich für den Winter gedacht wäre. Gestern musste er sie von der Weide in den Stall nehmen, weil die Kühe kein Gras mehr zu fressen hatten. Die Alternative zum Schlachten wäre, sehr teures Futter zuzukaufen «und ein Jahr quasi gratis Melken», wie Bosshard sagt.

Die Situation sei extrem frustrierend. «Für mich sind die Tiere keine Ware. Ich hänge an ihnen und möchte sie nicht schlachten, wenn ich nicht muss.» Bosshard muss ausserdem nun seine Obstbäume bewässern. «Ich gebe jedem meiner Bäume 50 Liter Wasser am Tag. Ich habe 1000 Bäume. Da kann jeder selbst rechnen.»

Den Hof des Birmensdorfer alt Gemeindepräsidenten Jakob Gut auf dem
Hafnerberg führt zwar sein Sohn, der Gemeinderat Stefan Gut (SVP), weiter. Jakob Gut ist aber nach wie vor eingebunden. Er sagt, für das Getreide sei die momentane Trockenperiode sogar «ideal gewesen». «Das ist aber auch schon alles, was positiv ist», sagt Gut. Bezüglich Obstbau bestätigt er die Aussagen von Bosshard. Die Futterbau-Saat, die benötigt wird, um Gras für die Kühe zu ernten, sterbe ab. Auch die Guts müssen ihre Obstbäume bewässern. Doch Jakob Guts Augenmerk liegt auch woanders: «Die Brandgefahr ist sehr hoch. Und bald ist 1. August. Dass Feuerwerk Brände verursachen könnten, macht mir Angst.»