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«Triumphale Tage in Dietikon»: Neue Stadt-Satire hält Dietikon den Spiegel vor

Die Geschichte spielt nicht nur in Dietikon, sondern zum Beispiel auch in Lugano und Istanbul.

Die Geschichte spielt nicht nur in Dietikon, sondern zum Beispiel auch in Lugano und Istanbul.

Neun Autorinnen und Autoren stellen heute ihren neuen Roman vor, der mit viel Lokalkolorit überzeugt. Der Roman «Triumphale Tage in Dietikon» wird im Rahmen einer Vernissage im «Gleis 21» beim Bahnhof vorgestellt und zum ersten Mal verkauft.

Die Idee schwirrte schon seit Jahren im Kopf des Dietikers Thomas Pfann: Mehrere Dietikerinnen und Dietiker sollen zusammen ein Buch schreiben. Alle steuern eines oder mehrere Kapitel bei. Die einzige Vorgabe: Das nächste Kapitel muss die bisherige Geschichte irgendwie fortsetzen. Nun trägt die Idee Früchte. Heute Abend wird der Roman «Triumphale Tage in Dietikon» im Rahmen einer Vernissage im «Gleis 21» beim Bahnhof vorgestellt und zum ersten Mal verkauft.

Der rund 200-seitige Stadt-Roman bietet viele Überraschungen, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Die Geschichte spielt nicht nur in Dietikon, sondern zum Beispiel auch in Lugano und Istanbul. Mal kracht ein Pfeiler der Markthalle um, es gibt Liebesgeschichten, die ihren Anfang schon im Zentralschulhaus nahmen, und ein pointiertes Schreiben von einem Politiker, der auf dem Mutschellen wohnt, sorgt für viel Unruhe. Aber was auch immer passiert: Vieles spricht sich schnell rum und wird danach im «Zeus» bis zu später Stunde mit lockerer Zunge ausdiskutiert. Und Sitzungen, bei denen niemand mithören sollte, finden im Stadthaus oder oben im Weinberg statt. Dietikerinnen und Dietiker können sich hinter dem von Marco Wirth gestalteten Cover so richtig zu Hause fühlen. Bergdietikerinnen und Bergdietiker übrigens ebenso: Mit alt Gemeindeschreiber Urs Spörri hat auch ein Bergdietiker einen wichtigen Teil der Geschichte beigesteuert. Zudem wird im Buch eine Fusion von Berg und Tal zum Thema.

Die Namen der Protagonisten sind an die echten Namen angelehnt

Der Lokalkolorit beschränkt sich nicht auf die Orte des Geschehens. Der Roman spielt ganz bewusst auf bestimmte Personen an. So gibt es im Taschenbuch zum Beispiel eine Kulturbeauftragte Iris Biaci. Da muss die Leserschaft unweigerlich an die Dietiker Kulturbeauftragte Irene Brioschi denken. Solche Parallelen zwischen Fiktion und Realität gibt es viele, oft sind sie aber etwas subtiler. «Für Auswärtige ist das Buch sicherlich weniger interessant. Es kann ihnen aber aufzeigen, wie eine Kleinstadt funktioniert. Der Roman zeigt den Charakter von Dietikon auf», sagt Thomas Pfann. Ein Charakter, mit dem er – wie wohl alle Einwohner – mal hadert, und um den er ein anderes Mal froh ist.

«Es läuft nichts in Dietikon», wird immer wieder mal kritisiert. Auch diesem Thema nimmt sich das Buch an. So gibt es im Roman zahlreiche Ideen für grosse Feste und Bauwerke, die am Schluss zu gross werden für die Kleinstadt. Gleichzeitig ist der Roman selber ein gelungenes Gegenbeispiel: Eine Idee schwirrte herum, Pfann nahm sich dieser an, fand schnell willige Mitstreiter und stiess auch im Stadthaus auf offene Ohren.

Schon das von Marco Wirth gestaltete Buchcover ist ein Feuerwerk.

Schon das von Marco Wirth gestaltete Buchcover ist ein Feuerwerk.

Auch die Bibliotheksleiterin hat den Roman spannend gemacht

Die städtische Unterstützung ist darauf ausgelegt, dass sich das Buch hundertfach verkauft: Die 1. Auflage umfasst rund 300 Exemplare, der Verkaufserlös geht an die Stadt. Sie hat für den Roman, an dem nun zwei Jahre lang gearbeitet wurde, eine Defizitgarantie von rund 8000 Franken gesprochen, damit zum Beispiel die nötigen Honorare und Druckkosten gezahlt werden konnten. Verkauft wird das Buch nicht nur heute Abend. Es ist auch in der Stadtbibliothek sowie im Buchhandel erhältlich, gedruckt und als E-Book. Produziert wird es vom deutschen Books-on-Demand-Verlag. Wer das Buch in der Stadtbibliothek kauft, hat die Chance, gleich eine Autorin zu treffen. Bibliotheksleiterin Agnes Matt gehört nämlich auch zum neunköpfigen Kollektiv. Neben den bereits erwähnten sind zahlreiche weitere bekannte Dietiker Namen wie Franziska Schädel, Arthur Portmann, Helmut Ziegler, Björge Hehner, Thomas Wirth und Peter Voser Teil des Autorenkollektivs.

Wie sagte Thomas Pfann im September 2017, als die «Limmattaler Zeitung» das experimentierfreudige Buchprojekt vorstellte: «Am Ende muss es einfach einen Sinn ergeben.» Diesem Anspruch ist das Autorenkollektiv mehr als gerecht geworden. Die Geschichte liest sich gut in einem Stück und hält viele Dietiker Eigenheiten und Gefühle fest. Die halb-fiktive Stadt-Satire ist das richtige Mittel, um Dietikon einen Spiegel vorzuhalten, der manches überzeichnet, um so noch deutlicher zu sein. Pfann fasst den städtischen Charakter so zusammen: «Wir träumen von grossen Projekten, aber am Schluss müssen wir sogar um unseren Minigolfplatz kämpfen.» Eine triumphale Stadt-Satire bietet da willkommene Abwechslung. Ihr spannendes, romantisches Ende legt einer allfälligen Fortsetzung keine Steine in den Weg. Pfann schliesst ein zweites Projekt denn auch nicht aus.

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