Bezirksgericht Dietikon

Trio prellt Krankenkassen um über 20000 Franken

Versicherungskarten verschiedener Krankenkassen

Versicherungskarten verschiedener Krankenkassen

Mit gefälschten Rechnungen haben eine Wirtschaftsstudentin und zwei Limmattaler Komplizen mehrere Krankenkassen betrogen. Zudem hat die Haupttäterin eine unschuldige Therapeutin mit falschen Anschuldigungen ins Gefängnis gebracht.

Es war am 3. September 2013, als für eine Therapeutin aus dem Zürcher Unterland eine Welt zusammenbrach. «Sie hat damals das Urvertrauen in die Menschen verloren», plädierte dazu ihr Rechtsanwalt vor dem Bezirksgericht Dietikon. Fest steht, dass die Kantonspolizei Zürich überraschend am Wohnort der Mutter auftauchte und sie vor den Augen ihres vierjährigen Sohnes festnahm. Die Beamten forderten die im dritten Monat schwangere Schweizerin auf, sogleich eine Aufsicht für ihre beiden Söhne zu organisieren. Andernfalls werde man die Kinderschutzbehörden einschalten. Der Privatklägerin gelang es gerade noch, ihren Vater zu erreichen. Danach wurde sie abgeführt.

Fest steht, dass sich die Frau bei der Polizei nackt ausziehen musste und die Fahnder Fotos von ihr erstellten. Die Nacht auf den 4. September musste sie in einem provisorischen Polizeigefängnis in Zürich verbringen. Sie wurde erst am nächsten Tag nach einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft entlassen.

Nun wurde der Grund für die Festnahme bekannt. Eine betrügerische Wirtschaftsstudentin hatte die Mutter bei der Staatsanwaltschaft Limmattal/
Albis falsch beschuldigt. Demnach soll die Therapeutin mehrere Krankenkassen mittels gefälschten Rechnungen und erfundenen Behandlungen betrogen haben. Was sich als Lüge entpuppte. So hatte die Studentin nach ihrer Verhaftung versucht, ihre eigene Schuld auf eine andere Person abzuschieben. Mit schlimmen Folgen für die betroffene Mutter. Sie ist seit dem Vorfall traumatisiert und kann bis heute nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen.

Geldnot als Tatmotiv angegeben

Nun legte die heute 23-jährige Wirtschaftsstudentin aus Niederhasli am Bezirksgericht Dietikon ein tränenreiches Geständnis ab und machte Geldnot als Tatmotiv geltend. «Ich war verzweifelt und unter Druck», schluchzte sie, obwohl sie regelmässig Stipendien bis zu 2000 Franken im Monat erhielt.

Fest steht, dass die Beschuldigte zwischen September 2010 bis zu ihrer Festnahme am 26. August 2013 an drei Krankenkassen über 30 gefälschte Rechnungen mit einem Gesamtbetrag von rund 45 000 Franken zugestellt hatte. Wobei sie mit ihrem Verlobten aus Dietikon und einem Limmattaler Komplizen zusammenarbeitete. Die beiden Männer stellten sich unter anderem als angebliche Patienten und auch noch ihre Bankkonten zur Verfügung. Fest steht, dass die geprellten Krankenkassen dem betrügerischen Trio über 20 300 Franken überwiesen. Vor Gericht legte auch der Ex-Verlobte ein Geständnis ab.

Der zuständige Staatsanwalt lastete der Studentin als Drahtzieherin eine beachtliche kriminelle Energie an und verlangte für sie wegen gewerbsmässigen Betrugs, falscher Anschuldigung sowie Freiheitsberaubung eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten. Acht Monate davon sollte sie verbüssen. Zehn Monate bedingt sowie 2000 Franken Busse, lautete der Antrag gegen den Mittäter. Der Rechtsvertreter der Geschädigten verlangte neben Schadenersatz eine Genugtuung von 10 000 Franken.

Studentin muss ins Gefängnis

Der Verteidiger der Studentin sprach von einem überrissenen Strafantrag und setzte sich für eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 40 Franken oder im schlimmsten Fall, für eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten ein. Der Rechtsanwalt verlangte Teilfreisprüche. So vom Vorwurf der Freiheitsberaubung, da die Staatsanwaltschaft die Geschädigte unnötigerweise festgenommen habe. Der Rechtsanwalt des Ex-Verlobten verlangte für seinen Mandanten eine noch mildere Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Franken und zog den Vergleich zu grossen Millionenbetrügern, die teilweise sehr glimpflich davongekommen seien.

Das Bezirksgericht Dietikon folgte zum Schluss mehrheitlich dem Staatsanwalt. So sprach es die Studentin nicht nur wegen Betrugs und falscher Anschuldigung, sondern auch wegen Freiheitsberaubung schuldig und verurteilte sie zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten. Sechs Monate davon soll sie im Gefängnis verbüssen. Zudem wurde sie verpflichtet, der geschädigten Therapeutin ein Schmerzensgeld von 5000 Franken zu bezahlen. Die restlichen finanziellen Forderungen wurden vom Gericht auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen. Nicht zuletzt liess das Gericht 10 000 Franken der Beschuldigten zur Deckung der Verfahrenskosten einziehen. Erheblich milder kam der Mittäter davon. Er erhielt wegen Betrugs neben einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 50 Franken eine Busse von 1000 Franken. Der dritte Limmattaler Täter wird in einem separaten Verfahren beurteilt.

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