Weiningen
«Trainierte Taube würde zurückkehren»

Die 84 Brieftauben, die Unbekannte am Wochendende in Weinigen gestohlen haben, bleiben verschwunden. Auch die Gründe für den dreisten Diebstahl sind weiter unklar. Die Polizei sucht Zeugen.

Katja Landolt
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Blick in den Schlieremer Taubenschlag, der 2008 von Dieben heimgesucht wurde.

Blick in den Schlieremer Taubenschlag, der 2008 von Dieben heimgesucht wurde.

az-Archiv/Suleika Baumgartner

Am Wochenende haben Diebe aus einem Weininger Schrebergarten 84 Brieftauben im Wert von 12000 Franken gestohlen (az Limmattaler Zeitung von gestern). Noch immer fehlt von den Tieren jede Spur, wie Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, gestern auf Anfrage mitteilte.

Doch wer hat Interesse an 84 Brieftauben? Und: Kehren die Brieftauben nicht automatisch zum heimischen Taubenschlag zurück? Doch, sagt Ernst Bühler, Sekretär des Schweizerischen Brieftaubensport-Verbandes: «Eine gut trainierte Brieftaube würde auf jeden Fall zurückkehren.» Tauben hingegen, die nie für Wettflüge trainiert wurden, würden den Heimweg nur schwer oder gar nicht finden.

Laut Bühler sind Brieftauben-Diebstähle in der Schweiz sehr selten - in Deutschland, Holland und Belgien hingegen recht häufig. «Die hochklassigen Tiere werden dann exportiert oder in der Zucht verwendet», sagt Bühler.

Die Leistung zählt

Brieftauben sind eine «Liebhabersache», wie Bühler sagt. Trotzdem kann ein einzelnes Tier rasch einen Wert von mehreren Hundert Franken haben. Bereits eine Jungtaube kostet laut Bühler in der Schweiz je nach Abstammung zwischen 50 und 500 Franken, maximal sogar 1000 Franken. Die herausragenden Leistungen an den Wettflügen können den Wert des Tieres dann auf das Mehrfache steigern. «Wenn ein Züchter so teure Tauben kauft, bleiben diese aber in der Voliere», sagt Bühler. Der Wert von Tauben, die nur um den Schlag herumfliegen, tendiere hingegen gegen Null. «Wobei hier natürlich von einem technischen Wert die Rede ist; für einen Züchter hat jedes einzelne Tier einen ganz anderen Wert», betont Bühler.

Trotzdem sind die Verhältnisse in der Schweiz noch recht bescheiden; hierzulande sind die erzielten Preise an Wettflügen oder Ausstellungen eher gering, gewinnen können die Züchter kleinere Geldbeträge, Pokale, Medaillen und Urkunden. Was zählt, ist die Ehre. In Ländern wie Belgien, Portugal, Südafrika, Thailand oder Argentinien aber geht es bei den Wettflügen um hohe Geld- und Sachpreise, beispielsweise Reisegutscheine oder Autos.

Dass Brieftauben gestohlen werden, sei selten, wie Kapo-Mediensprecher Besson sagt. Der letzte Vorfall im Limmattal - 2008 wurden in Schlieren 92 Tauben im Gesamtwert von 15000 Franken gestohlen - ist noch nicht aufgeklärt.

Zeugenaufruf: Die Kantonspolizei Zürich sucht weiterhin Zeugen, die Angaben zum Einbruch oder dem Verbleib der Tauben machen können: 044 247 22 11