Zu Schweizer Hits wie «S’Ramseiers wei go grase» und «S’Vogellisi chunt vo Adelbode her» führen die Mitglieder des Frauenvereins Urdorf ihre Turnübungen im Wasser aus. Die Musik gefällt den vorwiegend über sechzigjährigen Frauen. «Manchmal singen sie sogar mit», sagt Gaby Huber, Aqua-Fit-Instruktorin und Leiterin des Kurses.

Überhaupt sei die Stimmung währen den Unterrichtsstunden am Donnerstagnachmittag oft ausgelassen. Anlass zum Lachen gäben zum Teil auch die Übungen selbst, sagt sie. Denn es ist nicht immer leicht, unter Wasser das Gleichgewicht zu halten. Schaumstoffgurte und sogenannte «Pool-Nudeln» unterstützen die Turnerinnen beim Balanceakt.

Die Übungen fördern die Beweglichkeit und lassen sich auch gut in den Alltag integrieren, sagt Huber. «Ab einem bestimmten Alter ist es wichtig, stets in Bewegung zu bleiben.»

Die Schwerkraft ausnützen

Im Wasser wiegt der Mensch nur 10 Prozent seines tatsächlichen Körpergewichts, was vor allem älteren Personen zugutekommt. Diese Tatsache erlaube es ihnen, auf und ab zu hüpfen, ohne ihre Gelenke zu belasten, sagt Huber.

Sie macht sich die Schwerkraft beim Planen der Turnübungen zunutze. Im Gegensatz dazu ist die Fortbewegung im Wasser aufgrund des Wasserwiderstands weitaus anstrengender als an Land. Ruhig auf einem Bein zu stehen könne für einige Teilnehmer bereits zum Kraftakt werden, sagt sie.

Die Temperatur des Wassers im Schwimmbad in Urdorf beträgt donnerstags jeweils 32 Grad. «Das ist die ideale Temperatur für die Übungen, die wir in den Stunden machen», sagt Huber. Das Becken werde bereits am Mittag für das Babyschwimmen aufgewärmt, so können zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.

Vorzeigen an Land

Huber führt die Übungen auf dem Trockenen vor. So behält sie den Überblick und wird von allen gesehen. «Unter Wasser sähen die Teilnehmer nicht, was ich mit den Beinen mache», sagt sie. Im Wasser nicht gesehen zu werden, schätzen viele Besucherinnen besonders. So werde der eigene Körper durch das Wasser verdeckt und kleine Fehler blieben unbemerkt.

Das sei besonders für ältere und füllige Frauen ein grosser Vorteil. Ihre Positionierung am Beckenrand hat laut Huber einen weiteren strategischen Vorteil: «Wenn ich auch im Wasser bin, beginnen die Turnerinnen vermehrt zu schwatzen.» Draussen werde sie eher wahrgenommen.

Falls es trotzdem einmal unruhig werde während dem Training, hat Huber einen sinnvollen Trick auf Lager: Sie lenkt die Frauen mit neuen Übungen ab. Ausserdem helfen schnelle Wechsel zwischen den einzelnen Übungs-Sequenzen, dann müssen sich die Besucherinnen stärker konzentrieren und können nicht mehr plaudern.

Auch Männer sind willkommen

Zweimal im Jahr organisiert Huber ein Essen für die Kursteilnehmerinnen in einem Urdorfer Restaurant. Damit trifft sie, laut eigener Aussage, den Nerv der Frauen, die während den Trainingsstunden unter einander Freundschaften geschlossen haben.

Einige kennen sich bereits von anderen Gruppen, in denen sie aktiv sind. Alle sind Mitglieder im Frauenverein Urdorf, obwohl auch Nicht-Mitglieder an dem kostenpflichtigen Kurs teilnehmen dürften, wie Huber erklärt. Mit 14 Teilnehmerinnen ist die Obergrenze des Aqua-Fit Angebots noch nicht erreicht. Für Huber «dürften sich gerne noch zusätzliche Frauen anmelden – aber auch Männer sind willkommen.»