Birmensdorf
Traditionsgenossenschaft baut in Birmensdorf rund 90 neue Wohnungen

Am kommenden Dienstag entscheidet die Birmensdorfer Gemeindeversammlung über die Veräusserung eines Strassenabschnitts. Käuferin ist eine in der Gemeinde stark verwurzelte Genossenschaft.

Alex Rudolf
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So könnte die neue Siedlung der Milchbuck-Genossenschaft dereinst aussehen.

So könnte die neue Siedlung der Milchbuck-Genossenschaft dereinst aussehen.

Limmattaler Zeitung

Ob der Birmensdorfer Gemeinderat ein Stück Land in der Grösse von rund zwei Tennisfeldern verkaufen darf, entscheidet sich an der Gemeindeversammlung vom kommenden Dienstag. Dabei handelt es sich nicht etwa um wertvolles Bauland, sondern um einen kleinen Abschnitt der Lettenmattstrasse. Er soll die Hand für zwischen 770000 und 840 000 Franken wechseln. Sagen die Stimmberechtigten ja, würde das Land in den Besitz der Baugenossenschaft Milchbuck übergehen.

Mitte der 1960er-Jahre baute sie die angrenzende Siedlung Lettenmatt mit total 80 Wohnungen. Aufgrund ihres Alters und ihres Zustands soll diese in den nächsten Jahren abgerissen und durch 90 neue Wohnungen ersetzt werden. Die vermietbare Fläche wird von 5000 auf 8500 Quadratmeter ansteigen. «Beim Planungsprozess kam uns die Idee, das Strassenstück einzubeziehen, da dies das ganze Quartier aufwerten würde», sagt Thomas Moor. Der Geschäftsführer der Genossenschaft erklärt, dass das Strassenstück zum öffentlichen Gehweg werden soll. Dieser würde die Lettenmattstrasse für Fussgänger weiter mit der Gartenstrasse verbinden. Motorfahrzeuge müssten fortan über die Poststrasse an die Lettenmattstrasse verkehren.

Leitungen sollen unter dem Boden fortbestehen

Das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs, es trägt den Titel «Lasso», sieht zwischen den total acht Baukörpern vier Innenhöfe vor. Einer davon würde von der Lettenmattstrasse durchkreuzt. «Unser Bauprojekt können wir so oder so realisieren, da wir das Land dazu schon besitzen. Erhalten wir den Strassenabschnitt, können wir jedoch die Aussenbereiche zusammenhängend als Ganzes gestalten», so Moor weiter. Noch ist nicht klar, wie gross das zu verkaufende Stück Land sein soll. «Verschiebungen können sich bei der Gestaltung des sogenannten Wendehammers für Autos noch ergeben», so Moor weiter. Die unterirdischen Leitungen sollen auch unter dem Gehweg fortbestehen.

Der Gemeinderat und die Rechnungsprüfer sprechen sich für den Verkauf aus. Denn die Überbauung überzeuge in städtebaulicher wie auch raumplanerischer Hinsicht, heisst es im beleuchtenden Bericht. Die Genossenschaft mit fünf Standort-Gemeinden im Kanton Zürich ist in Birmensdorf verwurzelt. Hier besitzt sie total rund 200 Wohnungen. Erst im vergangenen Mai wurden zwei Mehrfamilienhäuser mit 22 Wohnungen auf der Südseite des Bahnhofs Birmensdorf bezogen. Insgesamt befinden sich rund 1100 Wohnungen im Portfolio. «Wir bauen mindestens für die kommenden 80 Jahre. Genau darum haben wir uns auch entschieden, den Landkauf zu beantragen. Unsere Siedlung soll langfristig eine gute Lösung sein», sagt Moor. Die Investitionssumme sei noch nicht genau bekannt, werde aber voraussichtlich rund 50 Millionen Franken betragen. Moor rechnet mit breiter Zustimmung an der Versammlung, da man die Nachbarschaft bereits an einer Informationsveranstaltung über die Pläne unterrichtet habe. «Diese wurden gut aufgenommen. Verständlicherweise war die Begeisterung ob der anstehenden Bauarbeiten nicht gross.»

Zu Wohnungskündigungen im Vorfeld komme es nicht. So seien zahlreiche Mietverträge seit Jahren nur noch befristet ausgestellt worden. «Wir bauen in zwei Etappen, sodass rund die Hälfte der Bewohner der Altbauten zuerst in der zweiten Etappe bleiben kann, um danach gleich in die neuen Wohnungen zu ziehen.»

Drei Budgets und zwei Sachgeschäfte

An der Gemeindeversammlung vom kommenden Dienstag entscheiden die Birmensdorfer Stimmberechtigten auch über das Budget der politischen Gemeinde. Dieses schliesst bei einem Aufwand von 28,4 Millionen mit einem Minus von rund 940000 Franken. Der Steuerfuss soll bei 44 Prozent bleiben. Das Budget der Primarschule schliesst mit 230000 Franken im Minus. Dies bei einem Aufwand von 12,6 Millionen Franken und einem Steuerfuss von 45 Prozent. Das Budget der Sekundarschulgemeinde Birmensdorf-Aesch kommt bei einem 21-prozentigen Steuerfuss und einem Aufwand von 6,4 Millionen Franken auf ein Plus von 275000 Franken. Ebenfalls wird über einen Kredit von 400000 Franken für die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs entschieden.