Schafraub
Toter «Kurti» ist nicht das einzige Ärgernis: Urdorf sieht Probleme mit Asylbewerbern

Nach der Schlachtung eines Schafbocks ist Urdorf in Aufruhr. Die Gemeinde verlangt vom Kanton mehr Sicherheit im Zusammenhang mit der Asylunterkunft. Die Betreiberin der Unterkunft wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bewohner würden schlecht versorgt.

Florian Niedermann
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Der Diebstahl und die Tötung eines Schafbocks durch zwei Asylsuchende in Urdorf von vergangener Freitagnacht lassen auch den Gemeinderat nicht kalt. Man stehe - unabhängig dieses Vorfalles - im Kontakt mit dem Sozialamt des Kantons, sagt Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP). Im Dorf sei es zu Ladendiebstählen und sexuellen Belästigungen durch Asylbewerber gekommen. «Wir haben deshalb schriftlich beim Kanton interveniert und eine Stellungnahme verlangt, welche Massnahmen er zur Sicherstellung der Sicherheit von Bevölkerung und lokalem Gewerbe treffen will.» Das aktuelle Vergehen bezeichnet Rottensteiner als «äusserst bedenklich». Es werde im Austausch mit den Verantwortlichen des Kantons ebenfalls thematisiert.

Nur materieller Verlust ersetzbar

«Für uns ist diese Tat absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar», erklärt der Mediensprecher des für die Asylunterkunft in Urdorf zuständigen Betreuungsdienstleisters ORS Services AG, Roman Della Rossa. Man verurteile die Tat der beiden Asylbewerber «aufs Schärfste».

In Absprache mit dem Kanton Zürich würden die Kosten für das Tier übernommen, sagt Della Rossa: «Selbstverständlich kann so nur der materielle Verlust teilweise wiedergutgemacht werden. Uns ist klar, dass wir den emotionalen Wert nie ersetzen können.» Die ORS wird ausserdem das Gespräch mit den Bewohnern der kantonalen Notunterkunft in Urdorf suchen und den Vorfall ansprechen, wie der Mediensprecher erklärt.

Anblick nicht verkraftet

Landwirt Thomas Grob verspürt noch heute eine grosse Wut, wenn er an die Tat der beiden Asylsuchenden denkt. «Die Brutalität, mit der die Täter vorgegangen sind, ist das, was mich in Rage bringt», sagt er. Die beiden Tunesier, die bereits am Tag nach der Tat verhaftet worden sind, hatten dem knapp einjährigen Schafbock mit stumpfen Messern den Hals aufgeschnitten, und ihn im Unterstand auf der Weide ausbluten lassen. Anschliessend schleppten sie ihn in ein nahe gelegenes Waldstück, wo sie den Kadaver aufhängten und zerlegten.

Als ihn eine Bekannte darauf aufmerksam machte, dass sie unweit vom Hof die Überreste eines Tiers gefunden habe, wollte Grob nicht selbst zur Fundstelle zu gehen. «Ein Kollege ist zunächst hin gegangen, um zu überprüfen, ob es sich um ‹Kurti› handeln könnte», erklärt er. «Ich wollte das nicht mit ansehen.»

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Asylbewerber aus der Notunterkunft an seinem Hab und Gut vergreifen. «Es geschah auch schon, dass auf unserem Acker Kartoffeln ausgegraben wurden. Damit konnten wir leben, aber hier handelt es sich um ein Lebewesen», sagt Grob. Er bleibt trotz des Vorfalls zuversichtlich: «Bis jetzt ist noch nie etwas vergleichbar Schlimmes passiert. Ich hoffe, dass es bei diesem Einzelfall bleibt.»

Asylbewerber versorgen sich selbst

Wieso die beiden Tunesier zur Tat schritten, kann man sich bei der ORS Services AG nicht erklären. Den Vorwurf, die schlechte Verpflegung in der Unterkunft habe sie dazu getrieben, will man nicht gelten lassen: «Die Asylsuchenden in Urdorf kochen selbst, es gilt das Prinzip der Selbstversorgung. Dafür erhalten sie wie in den allermeisten Asylunterkünften in der Schweiz Geld, damit sie sich Lebensmittel kaufen können», erklärt Roman Della Rossa. Bei den Bewohnern der Urdorfer Zivilschutzanlage handelt es sich um Personen mit einem Nichteintretens-Entscheid. Sie fallen deshalb unter das Nothilfe-Regime. Personen, die Nothilfe beziehen, erhalten im Kanton Zürich täglich 8.50 Franken Verpflegungsgeld.