Auf dem steinigen Grund, wo noch vor wenigen Wochen die Unterengstringer Gemeindescheune stand, wird derzeit eine Reise in die Vergangenheit unternommen. Zwei Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Zürich sowie Archäologin Anna Kienholz untersuchen jeden Quadratmeter. Erste Funde brachten Tonscherben aus der Bronzezeit – rund 1000 Jahre vor Christus – zutage, wie Kienholz erklärt. Auf allen vieren und einer Kelle in der Hand sticht sie in die steinige Erde, um noch mehr «Archäologie», wie sie es nennt, zu finden. Wann immer sie auf etwas stösst, wird ein kleiner Pin – weiss oder rot – in die Erde gestochen. Seit Anfang letzter Woche wurden bereits rund 14 Quadratmeter genauer unter die Lupe genommen, dieser Abschnitt ist übersät mit roten und weissen Punkten. «Wir sind erstaunt, dass wir bereits derart viele Stücke gefunden haben.»

Nur gerade einen halben Meter mussten die Mitarbeiter der Kantonsarchäologie in die Tiefe Graben, um die ersten Funde zu bergen. «Auf einer Steinschicht fanden wir bereits nach wenigen Stunden die ersten Keramik-Stücke», sagt Kienholz. Zirka einen Monat haben sie und ihr Team Zeit, die Stelle an der Dorfstrasse zu untersuchen. Danach sollen die Bauarbeiten für das neue Gemeindehaus nach Plänen der Fifa-Hauptsitz Architektin Thila Theus beginnen. Dabei sei es zentral, mit System vorzugehen. Dieses ist unübersehbar: Das ganze Gelände ist durch Schnüre, die der Vermessung dienen, in Quadrate unterteilt, einzelne Stellen sind mit durchsichtigen Plastikblachen abgedeckt. Dort sind die Archäologen bereits auf Funde gestossen, konnten sich jedoch noch nicht der Bergung annehmen.

Menschliche Knochenfunde

Das rund 200 Quadratmeter umfassende Land an der Dorfstrasse gehört in die vom Kanton festgesetzte archäologische Schutzzone. Die Gemeindescheune, wurde Ende des 19. Jahrhunderts erstellt, davor kann sich hier allerhand zugetragen haben. «Es ist überliefert, dass sich im Mittelalter in der Nähe eine Kapelle befand und auch menschliche Knochenfunde aus derselben Epoche wurden überliefert», so Kienholz. Bei einem Sondierschnitt, also Schnitt in den Boden, bei dem festgestellt wird, ob es denn «Archäologie» habe oder eben nicht, wurden im vergangenen Jahr zudem die besagten Tonscherben gefunden.

Kienholz drescht mit dem Pickel erneut in den Boden, die braune, trockene Erde stäubt. Als sie ihre Gerätschaft aus dem Boden zieht, erblickt sie einen bronzeroten Streifen im Braun der Erde: «Hier haben wir nun ein Stück gefunden», sagt sie. Vorsichtig mit einer Kelle legt sie das noch im Boden verankerte Stück frei. «Kein sonderlich grosses oder gut erhaltenes Stück Keramik», sagt sie. Die Form könne jedoch darauf hinweisen, dass es sich um ein Randstück eines Topfes handele, ergänzt sie. Vorsichtig legt sie es – ein Laie würde es womöglich mit einem Stein verwechseln – in einen grauen Plastikbehälter.

Sind die Ausgrabungen vorbei, werden die Funde gereinigt und Kienholz’ Büroarbeit beginnt. Sie wird einen Bericht verfassen, der die Funde beschreibt, einschätzt und ihre Bedeutung gewichtet.

Was erhofft sie sich von den Grabungen? «Neben den bereits bekannten Keramik-Funden gab es während der Bronzezeit bezeichnenderweise auch Bronze. Der Fund eines solchen Objektes oder einer Feuerstelle wäre grossartig», sagt Kienholz, da diese eher selten sind.

Noch mehr in tieferer Schicht

Ist dieser Abschnitt, das erste Niveau nennt es Kienholz, fertig gesichtet wird die gesamte Stelle mitsamt den eingesteckten Pins fotografiert, beschrieben und im Massstab 1 zu 20 gezeichnet. «Dann geht es weiter und wir graben tiefer. Vielleicht finden wir in der Steinschicht noch mehr Archäologie oder aber in der darunterliegenden Schicht», sagt sie.

Was mit den Fundstücken geschieht, sei noch nicht ganz klar. Erst im Verlauf des kommenden Jahres werde ihr Bericht erscheinen. Dann zeige sich, wie die Funde zu bewerten seien. «Hier in Unterengstringen hat es ein Ortsmuseum. Vielleicht findet das eine oder das andere Stück den Weg dorthin.»