Dietikon
«Töggeli»-Schweizermeisterin: «Männer können nicht gegen Frauen verlieren»

Cindy Moser ärgert Männer. Männer, die sich beim Barbesuch siegessicher auf eine Partie Tischfussball mit der hübschen Frau einlassen – und gnadenlos untergehen. Die 26-jährige Dietikerin ist kein tollpatschiges Opfer, sie ist aktuell Schweizer Meisterin im Töggelen

Katja Landolt
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Cindy Moser aus Dietikon ist Schweizer Meisterin und Vize-Weltmeisterin im Töggelen.Katja Landolt

Cindy Moser aus Dietikon ist Schweizer Meisterin und Vize-Weltmeisterin im Töggelen.Katja Landolt

Vor zwei Wochen ist die talentierte 26-Jährige, Cindy Moser, in Salzburg sogar Vize-Weltmeisterin im Einzel geworden. «Männer können nicht gegen Frauen verlieren», sagt sie und lacht.

Angefangen hat Moser vor rund sechs Jahren. Damals lernte sie einen professionellen Töggeler kennen. «Er war technisch super. Ich wollte das unbedingt auch können», sagt Moser. Seit rund vier Jahren ist Töggele ihre Hauptbeschäftigung, wie viele Einfränkler in der Zeit draufgegangen sind, weiss sie nicht mehr. «Unzählige.» Auch woher ihre Leidenschaft kommt, kann die gelernte Coiffeuse nicht sagen. «Als meine Mutter mit mir schwanger war, hat sie viel getöggelet. Vielleicht hat mich das geprägt», sagt Moser und lacht.

Zwei Stunden lang pfeffern

Wer denkt, Töggele sei eine simple Sache, täuscht sich. Schon alleine bei den Tischen gibt es grosse Unterschiede. Fünf Tische sind international anerkannt. Sie unterscheiden sich beispielsweise in der Grösse des Spielfeldes, des Tors und der Puppen, der kleinen Plastikspieler. Auch die Beschaffenheit der Bälle variiert. Für jeden dieser Tische müssen sich die Spieler taktisch anders einstellen. Und für jeden dieser Tische gibt es eine Weltmeisterschaft.

Cindy Moser im Einzelwettkampf während der WM in Salzburg. Ruth Divyam Taeschler

Cindy Moser im Einzelwettkampf während der WM in Salzburg. Ruth Divyam Taeschler

Moser trainiert hauptsächlich auf dem Garlando-Tisch; dem Modell, das man aus Schweizer Bars kennt. Da übt sie zwei bis drei Mal pro Woche rund zwei Stunden lang, pfeffert einen Ball nach dem anderen ins Tor. Einen eigentlichen Trainer hat sie nicht, mit Rat und Tat zur Seite steht ihr aber ihr Freund Filip Kubiatowicz, der ebenfalls professionell Tischfussball spielt.

Der Kopf machts

Mosers Oberarme sind trotz regelmässigem Training so dünn wie andere Frauenarme auch. Krafttraining stehe nicht auf ihrem Trainingsprogramm, sagt Moser, das sei zweitrangig. «Auch wenn ich nach drei Tagen Dauerspielen an der WM so erschöpft war, dass ich zwei Tage lang nur herumgelegen bin.» In erster Linie sei Töggelen aber Schwerstarbeit für den Kopf. «Man muss schlau und geschickt sein, nicht bloss schnell», sagt Moser.

Die mentale Stärke sei extrem wichtig. «Alle Technik nützt nichts, wenn man den falschen Zeitpunkt wählt. Ein guter Spieler muss wissen, wann er was zu tun hat.» Es gehe schliesslich einzig und allein ums Toreschiessen. «Was zählt, ist, ob der Ball drin ist, nicht das Wie.»

Pro Jahr nimmt Moser an rund 30 Turnieren teil. Das nächste grosse steht Ende September auf dem Programm, die Leonhart-Weltmeisterschaft – eine der fünf Tischsorten – im deutschen Medebach. Ganz speziell freut sich Moser auf das Endturnier im französischen Nantes Anfang 2013, die vom «International Table Soccer Federation»-Verband durchgeführte «Multi-Table»-Weltmeisterschaft. Für die Teilnahme in Nantes muss man sich im Gegensatz zu den anderen Turnieren qualifizieren. Moser hat die Qualifikation geschafft und trainiert jetzt wie wild. Sie hat Blut geleckt, ihr Ziel steht fest: «Ich will das Damen-Einzel gewinnen.»