Bezirksgericht Dietikon
Töffraser (28) fuhr innerorts fast 100 km/h zu schnell: «Ich habe selber gestaunt»

Ein heute 28-jähriger Töfffahrer fuhr innerorts mit 142 Kilometern pro Stunde und überschritt die Geschwindigkeit insgesamt 16 Mal massiv. Nun wurde er vom Bezirksgericht Dietikon verurteilt.

Rosmarie Mehlin
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Der 26-jährige Töfffahrer überschritt 16 Mal die erlaubte Geschwindigkeit massiv. (Symbolbild)

Der 26-jährige Töfffahrer überschritt 16 Mal die erlaubte Geschwindigkeit massiv. (Symbolbild)

Keystone

An einem Sonntagmorgen im Juli 2016 hatte sich der Schweizer auf seinen Töff geschwungen und war zu einer Rundfahrt im Limmattal aufgebrochen. Sechs Wochen später hatte er auf der 600er-Maschine Kurs auf Winterthur genommen. Es war wieder Sonntagvormittag und die Freundin erwartete ihn zum Brunch. Sie wartete lange, denn seine Fahrt endete auf einem Polizeiposten.

Dreimal war er massiv zu nahe auf ein vorausfahrendes Fahrzeug aufgefahren, einmal mit 162 Kilometern pro Stunde. Auf dem Posten stellte sich überdies heraus, dass an der Maschine ein Teil des Schalldämpfers entfernt worden war. Zudem wurde ihm dank Spuren im Blut Marihuana-Konsum nachgewiesen. Gestern musste sich der Raser vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten.

Maximaltempo 182 km/h

Mit dem Töff beschlagnahmte die Polizei auch eine Action-Kamera, mit welcher der damals 26-Jährige die Rundfahrt auf seiner Kawasaki Ninja aufgezeichnet hatte. «Ninja» – wie die Schattenkrieger – heisst auch der Typ der 600er-Maschinen, für die der Hersteller mit Slogans wirbt wie zum Beispiel «Beschleunigen Sie Ihren Herzschlag» oder «Es ist an der Zeit, nicht nur Ihr Herz rasen zu lassen».

Beides hatte der damals 26-Jährige nicht nur beherzigt, sondern an jenem sommerlichen Sonntagmorgen zwischen neun und zehn Uhr voll und ganz in die Tat umgesetzt. Auf seiner Fahrt von Schlieren über Uitikon und Birmensdorf zurück nach Schlieren hat er nicht weniger als 16 Mal die erlaubte Geschwindigkeit massiv überschritten.

Ausserorts hatte er das Limit von 80 km/h insgesamt achtmal überschritten – sein Maximaltempo betrug 182 km/h. In Birmensdorf hatte er den Gasgriff im 60-km/h-Bereich einmal auf 121,6 km/h und einmal auf 136,8 km/h aufgedreht. Noch weniger Respekt hatte er mit seiner «Ninja» vor dem 50-km/h-Schild bewiesen: In Schlieren filmte ihn die Action-Kamera einmal mit 138,8 km/h und einmal mit 124 km/h; in Uitikon einmal mit 136,3 km/h und einmal mit 137,8 km/h und auf der Waldegg mit 142,8 km/h. Damit hat der heute 28-Jährige den Raser-Tatbestand voll und ganz erfüllt. Er war denn auch vollumfänglich geständig.

Künftig nur auf Rennstrecken

Seit 18 Monaten ist er nun den Führerschein los. Als Folge davon hat der Sanitär-Monteur den Job verloren. Seit einem Monat hat er eine Temporär-Stelle. Über die Sanktion haben er, sein Verteidiger und die Staatsanwaltschaft sich geeinigt, sodass gestern nur noch das Gericht darüber befinden musste.

Vor der Verhandlung berichtete der Beschuldigte, dass er aus einer Töff-Familie stamme, künftig aber nur noch auf Rennstrecken fahren werde: «Ich habe selber gestaunt, als ich in dem Film sah, wie schnell ich gefahren bin.» Er habe damals persönlich eine schlechte Phase gehabt. Die Anklage hätte ihn da rausgeholt und ihm die Augen geöffnet: «So ist das Ganze doch für etwas gut gewesen.»

Das Bezirksgericht Dietikon unter Vorsitz von Präsident Stephan Aeschbacher verurteilte ihn wie von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen. «Für das erhebliche Verschulden mit wahren Tempo-Exzessen sind 18 Monate Freiheitsstrafe angemessen. Da der Beschuldigte nur zwei kleine, nicht einschlägige Vorstrafen hat, kann die Strafe bedingt ausgesprochen werden», sagte der Richter. Neben einer Busse von 300 Franken muss der Verurteilte sämtliche Kosten in Höhe von rund 14 000 Franken tragen.