Die Frau starb an einer zentralen Atemlähmung, so das Fazit des Instituts für Rechtsmedizin. Der Tod kam aus verschiedenen Medikamentenpackungen. Und er war, so die Forensiker weiter, nicht gewollt. Die fünf Medikamente, eines davon Methadon, dürften ihre Wirkung gegenseitig verstärkt haben, heisst es im Gutachten. Es sei von einem ungewollten Über- oder Mischkonsum auszugehen.

Nachdem die Frau verstorben war, eröffnete die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis ein Verfahren wegen des aussergewöhnlichen Todesfalls, um dessen Umstände zu klären. Namentlich standen die behandelnden Ärzte im Fokus: Sie sollen fahrlässig gehandelt haben.

Als aber das Gutachten der Rechtsmediziner und weitere Akten eingegangen waren, liess die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Mediziner fallen und stellte das Verfahren ein. Hinweise auf ein fahrlässiges Handeln der involvierten Ärzte fänden sich nicht.

So verfügte die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis die Einstellung des Verfahrens. Gegen diese Verfügung wehrte sich der Ehemann der verstorbenen Frau. Das Zürcher Obergericht beschloss aber vor etwas über einem Jahr, nicht auf seine Beschwerde einzutreten. Deshalb gelangte der Mann an die strafrechtliche Abteilung des Bundesgerichts in Lausanne. Dieses kam nun in seinem Anfang Monat gefällten und letzte Woche publizierten Entscheid zum Schluss, dass die Beschwerde gutzuheissen sei.

Somit wird der Beschluss des Zürcher Obergerichts aufgehoben und der Fall zur Neubeurteilung ans Obergericht zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft sei anzuweisen, weitere Abklärungen vorzunehmen. Dem Witwer als Beschwerdeführer sei umfassend Akteneinsicht zu gewähren und er müsse seine Zivilansprüche geltend machen können.

Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann nicht darauf aufmerksam gemacht, dass er Zivilansprüche geltend machen kann. Nun erhält er die Gelegenheit dazu. Der Witwer hat den Standpunkt eingenommen, dass er und seine Kinder durch den Tod der Frau einen sogenannten Versorgerschaden erlitten und dass die Ärzte eine Genugtuung zu zahlen hätten, falls sie der fahrlässigen Tötung schuldig sind.

Ob dies der Fall ist, soll die Staatsanwaltschaft zu wenig abgeklärt haben. So heisst es im Urteil des Bundesgerichts, dass in den Akten der medizinischen Institution, bei der die Frau zuletzt in Behandlung war, nirgends deutlich vermerkt ist, dass sie über die Gefahr von Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme von Methadon und anderen Medikament aufgeklärt worden wäre. «Von einer klar genügenden, die ärztliche Verantwortlichkeit höchstwahrscheinlich ausschliessenden Aufklärung kann offensichtlich keine Rede sein», heisst es im Urteil der höchsten Richter des Landes weiter. Entgegen der Auffassung des Obergerichts entlaste es die Ärzte nicht ohne Weiteres, dass sie sie über die Wirkung und Aufdosierung von Methadon informiert hätten und dass keine Hinweise auf eine falsche Dosierung bestanden.

Das Obergericht hatte zudem ins Feld geführt, dass die Verstorbene schon über viel Erfahrung mit sehr starken Schmerzmedikamenten verfügte und zudem beruflich selber im Gesundheitsbereich tätig war. Dies schliesse eine Strafbarkeit der Ärzte nicht aus, hält nun das Bundesgericht fest. Es wäre zu erwarten gewesen, dass die Ärzte ihr dringend angeraten hätten, auf weitere ähnliche Medikamente zu verzichten. Die Frau hatte vor ihrem Tod zusätzlich zu den verschriebenen Medikamenten noch weitere eingenommen, die ihr früher verschrieben worden waren und deren Verschreibung in der Zwischenzeit abgelaufen war. Davor hätte sie explizit gewarnt werden müssen, finden die Bundesrichter. «Es geht nicht an, ihr gleichsam die Alleinverantwortung für die mit der Behandlung einhergehenden Gefahren zuzuschreiben», halten nun die Bundesrichter fest. Die frühere Einnahme der einst verschriebenen Medikamente sei in den Krankenakten ersichtlich gewesen.

Darum muss nun das Verfahren neu aufgerollt werden. «Dass ein nach weiteren Abklärungen mit der Angelegenheit befasstes Gericht allenfalls gemäss dem dannzumal anzuwendenden Grundsatz in dubio pro reo zu einem Freispruch gelangt, ändert nichts.»

Der Kanton Zürich muss dem Anwalt des Witwers 3000 Franken Parteienentschädigung zahlen.