Birmensdorf
Timon Abegglen: «Die Wunden können kaum verheilen»

Er ist soeben 101 Kilometer durch die Schweizer Alpen gerannt. Sein Ziel, unter 15 Stunden zu bleiben, verfehlte der 31-Jährige jedoch um 3½ Stunden. Weshalb er dennoch zufrieden ist, erklärt er nachstehend.

Julia Fischhaber
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Alpen

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Thomas Senf/visualimpact.ch

Sie haben am Samstag 101 Kilometer über Stock und Stein zurückgelegt. Wie viel Schmerzmittel mussten Sie schon nehmen?

Timon Abegglen: Gar keine (lacht). Schrammen an beiden Füssen haben mir zwar Probleme bereitet und der Verband, den ich vor dem Rennen gebastelt habe, ist schon nach zwei Kilometern abgefallen. Ich bin also die ganze Strecke mit Schmerzen gelaufen. Trotzdem habe ich es ins Ziel geschafft.

Allerdings etwas später als erwartet. Sie sind nach 171⁄2 Stunden durch das Ziel gerannt, gut 31⁄2 Stunden später als erhofft.

Normalerweise will ich schon mindestens in die besten zehn Prozent laufen, das war gestern nicht der Fall. Die Wunden an meinen Füssen wurden etwa fünfmal so gross, zudem mussten wir wegen eines Unwetters eine Stunde Zwangspause einlegen. Unter dem Strich bin ich aber nicht unzufrieden mit meiner Leistung, da ich meine Muskulatur für die nächsten Läufe gut schonen konnte.

Der Eiger Ultra Trail wurde dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt. Was war Ihr schwierigster Moment?

Die Strecke ist extrem schwer zu laufen, die Organisatoren haben sich echt alle Mühe gegeben, die strengsten Passagen zu finden. Die richtig schwierigen Momente waren für mich ganz klar der Aufstieg ins Faulhorn und derjenige in den Männlichen. Zum Glück fiel es mir bei diesem überwältigenden Panorama nicht schwer, mich immer wieder neu zu motivieren.

Wie haben Sie das gemacht?

Indem ich einfach den Kopf ausgeschaltet und mich auf jeden einzelnen Schritt konzentriert habe. Oft ist es jedoch so: Je schwieriger der Lauf, desto intensiver nimmt man die schönen Momente wahr. Ein lustiger Moment war, als wir vom Männlicher zum Lauberhorn liefen - du gehst also plötzlich zu Fuss die Lauberhornabfahrt runter. Vor allem, dass jeder Sprung mit einem Schild markiert ist, führte zu einigen dummen Sprüchen.

Ein Ultramarathon bedeutet eine körperliche Höchstbelastung. Wie erholen Sie sich nach dem Eiger Ultra Trail?

Ich versuche vor allem, gut zu essen und Stress zu vermeiden. Hätte ich jetzt Schmerzen in den Beinen, würde ich versuchen, mich mehr zu schonen. Da ich aber muskulär nichts spüre, geht das Training heute gleich weiter. Körperlich wird jetzt das Spinning-Bike wichtiger, denn zwischen den einzelnen Wettkämpfen mache ich natürlich keine grossen Lauftrainings.

In den kommenden zwei Wochen nehmen Sie an zwei weiteren Ultramarathons teil. 80 und 200 Kilometer stehen Ihnen bevor. Mögen Sie überhaupt noch?

Rein muskulär wäre alles super und ich könnte schon heute wieder einen Marathon laufen. Zurzeit bereiten mir die Wunden an den Fersen wirklich die meisten Sorgen. Sie sind ständig in Kontakt mit dem Schuh, weshalb sie kaum verheilen können. Ich hoffe, das kriege ich bis nächste Woche in den Griff. Man soll nie die Hoffnung verlieren, das kommt schon gut!