Dietikon
Till Eulenspiegel zur Weihnachtszeit in der Theateria

Ein singender Theaterpädagoge und ein musizierender Primarlehrer spielten in Dietikon ihre ganz eigene Weihnachtsgeschichte. Das Publikum war begeistert.

Daniel Andrés Egli
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Das junge Publikum macht grosse Augen ob des Singspiels von Stephan Baier und Felix Weidmann. Daniel Andrés Egli

Das junge Publikum macht grosse Augen ob des Singspiels von Stephan Baier und Felix Weidmann. Daniel Andrés Egli

Durch das Schaufenster des Ladenlokals der Theateria Dietikon scheint ein warmes, einladendes Licht auf die Holzmattstrasse heraus. Durch die vorweihnachtliche Nacht strömen aus allen Himmelsrichtungen Kinder mit ihren Eltern heran. Die Schaufenstergeschichten sind ein fester und äusserst beliebter Bestandteil von Heidi und Stephan Baiers Aktivitäten in der Theateria, getragen durch den Gönnerverein des kleinen Theaters.

Kurz vor Vorstellungsbeginn ist im kleinen Ladenlokal, das zum Theater umfunktioniert wurde, die Vorfreude auf Stephan Baiers Erzählkunst und Felix Weidmanns Gitarrenspiel gross. Und das, obwohl die Hälfte des Publikums bei der ersten Ausgabe der Schaufenstergeschichten vor zehn Jahren noch gar nicht auf der Welt war.

Den ausgebildeten Theaterpädagogen Stephan Baier könnte man als das schauspielerische und kreative Aushängeschild der Theateria bezeichnen. Mit der Frisur, die aussieht, als habe er in eine Steckdose gefasst, einer verrissenen, alten Jeans und einem spitzbübischen Lächeln passt Baier wunderbar in diese Rolle. Zum ersten Mal stand Baier dieses Jahr zusammen mit Felix Weidmann auf der kleinen Bühne an der Holzmattstrasse. Der Dietiker Primarschullehrer und der Theaterpädagoge spielten, sangen und erzählten eine Stunde lang selbst geschriebene Geschichten und Lieder. Und im kleinen und durch das zahlreich erschienene Publikum beinahe etwas überfüllten Ladenlokal der Theateria leuchteten neben den Scheinwerfern auch eine ganze Menge Kinderaugen.

Inspiration aus der Waschküche

Die Beiden Pädagogen erzählten aber nicht die Weihnachtsgeschichte, wie zu dieser Jahreszeit vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Vielmehr war es die Geschichte vom Narr Till Eulenspiegel und seinen Abenteuern, die das Publikum im Schaufenster zu hören bekam. «Am meisten Inspiration bekomme ich in der Waschküche», verrät Familienvater Baier nach seinem Auftritt. Er sei gerade einige Zeit lang Hausmann gewesen und habe in dieser Zeit sehr viel schreiben können. Zum Beispiel die Lieder zur Geschichte von Till Eulenspiegel, dem Narr und Clown, der in die Welt hinauszog, Abenteuer erlebte und die Menschen um ihn herum zum Narren hielt.

Die Zusammenarbeit mit Felix Weidmann sei spontan auf dem Kinderspielplatz entstanden, erzählt Baier. «Wir haben uns dort getroffen und ich habe auf seiner Gitarre eines meiner Lieder gespielt», erinnert sich Baier. So sei dann spontan die Idee entstanden, Weidmann könnte Baier in seinen Erzählungen musikalisch begleiten.

Zufriedene Zuschauer

«Mir hat es mega gut gefallen», meint die sechsjährige Mirjam nach der Aufführung. Vor allem die Szene zu Beginn des Stückes, als Stephan Baier seinen Kumpanen Felix mit einem Tritt in den Allerwertesten aus dem Lokal spedierte hatte. «Diese Szene war einfach grossartig», pflichtet der zehnjährige Elia sofort bei. Man mag es verzeihen, denn die Vorstellung, den eigenen Lehrer mit einem Tritt ins Hinterteil durch die Luft fliegen zu sehen, hat tatsächlich einen gewissen Reiz. Natürlich nur in den unschuldigen Augen eines Kindes.

Mit dem Abend zufrieden war auch Christoph Zimmermann. Der Präsident des Vereins Theateria, welcher diese Abende überhaupt erst möglich macht, war begeistert von der kleinen Aufführung. «Stephan ist ein hochbegabter Künstler und es ist eine Freude, ihn in seinem Element zu beobachten», erzählt Zimmermann noch ganz eingenommen von den Eindrücken des Abends.