«Also gut, machen wir noch eine Narbe», sagt Nadja Roccia und taucht den Pinsel in die schwarze Farbe. Vor ihr sitzt der kleine Vincenzo, und obwohl das Fasnachtsschminken bald zu Ende ist, ist er erst der zweite Pirat des Tages. Dafür wuselt ein ganzes Rudel Tiger durch das Schlieremer Familienzentrum.

Die Mädchen sind wählerischer

Die Raubkatze hat es vor allem den Buben angetan. Tiger oder Pirat, etwas anderes wird nicht gewünscht. «Tiger sind schnell und stark», sagt Alessandro und schaut zu, wie Alessio nebenan die Streifen aufgemalt bekommt.

Die Mädchen sind da differenzierter. An der Hand hält Alessio seine kleine Schwester und die hat einen ausgefallenen Schminkwunsch: «Ich will ein Rössli sein.» Ihre Mutter lacht. «Das gibt es hier nicht», erklärt sie ihrer Tochter und tröstet sie: «Dafür gibt es Schmetterlinge und Prinzessinnen.» Sie entscheidet sich für den Schmetterling. Und damit steht sie nicht alleine da. Was der Tiger für die Knaben, sind die bunten Falter für die Mädchen.

Deborah sitzt auf dem Fenstersims und hält ganz still. Immer wieder streckt sie, ohne den Kopf zu bewegen, den Arm aus und verlangt den Spiegel. Jetzt ist es wieder Zeit für eine Zwischenkontrolle. «Gib nochmals schnell», sagt sie zu ihrer Freundin Loresa. Doch die bewundert gerade selber das Kunstwerk auf ihrem Gesicht – «Spieglein, Spieglein an der Wand ...»

Ein paar Meter weiter steckt Elina in einem Kindersitz, um ihren Hals ein weiter Schirm. Schminken lässt sie sich nicht. Sie bekommt eine neue Frisur. Auch das gibt es am Fasnachtsschminken. «Es kommen so viele, wir könnten das hier jeden Mittwoch machen», sagt Schminkerin Nadja Roccia und setzt den Pinsel wieder an. Die Narbe sitzt noch nicht ganz.