Urdorf
Tiertherapeutin findet: «Hunden ist heute nichts mehr erlaubt»

Tiertherapeutin Jacky Reinmuth sieht den Fall vom angeleinten Hofhund Zico als typisches Beispiel für die zunehmende Intoleranz gegenüber Tieren. Zico muss auf dem Hof angeleint werden, weil er immer wieder alleine Ausflüge unternahm.

Sarah Fuhrer
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Jacky Reinmuth hütet Hunde.

Jacky Reinmuth hütet Hunde.

Sarah Fuhrer

Tiertherapeutin Jacky Reinmuth war entrüstet, als sie die Geschichte von Zico las: Der Hund vom Biohof im Fondli in Dietikon muss neu auch auf dem Hof angeleint werden - immer wieder hatte er alleine Spaziergänge ausserhalb des Grundstücks unternommen (Limmattaler Zeitung vom 17. Januar). «Ständig wird auf Hunden herumgetrampelt. Ihnen ist inzwischen nichts mehr erlaubt und sie dürfen nirgends mehr sein», sagt Reinmuth. «Für alles gibt es Gesetze und Verbote.»

Die Stimmung den Tieren gegenüber werde immer negativer. Während man sich über Lärm von Kinderkrippen nicht beschwere, sehe man bei einem bellenden Hund sofort einen Grund, seinen Besitzer anzuzeigen. «Die Tiere haben nirgends mehr Platz. Alles wird zubetoniert», so Reinmuth. Dabei brauchen Hunde ihre Freiräume, um ihr natürliches Verhalten zu leben. «Bei einem Hofhund wie Zico gehört es eben zu den normalen Aufgaben, dass er sich auf dem Hof bewegt und diesen bewacht.» Er leide stark darunter, dass er das auf einmal nicht mehr dürfe, und baue deshalb Frust auf.

Hund soll glücklich sein

Die diplomierte Tiertherapeutin setzt sich schon lange für Tiere ein, seit fünf Jahren sogar vollberuflich: «Harmony für Mensch und Tier» heisst ihr Unternehmen mit Sitz in Urdorf. «Tiere sind eine grosse Hilfe für uns Menschen», sagt Reinmuth. «Sie sind verlässlich und immer für uns da. Trotzdem werden sie oft schlecht behandelt.» Auch bei all den obligatorischen Kursen gehe es viel zu wenig darum, ob ein Tier glücklich sei, sondern nur um das Geld. Dem möchte Reinmuth Abhilfe schaffen und bietet neben Hundemassagen und Therapien auch eine Hundekrippe an. Zudem möchte sie die Beziehung zwischen Hund und Halter fördern.

Harmonisches Miteinander als Ziel

Ihr Traum sei mehr Harmonie im Zusammenleben von Mensch und Tier und mehr Freiräume für die Tiere. «Alle sollen ihren Platz haben. Es soll ein friedliches Miteinander sein», sagt Reinmuth. In der heutigen Zeit sei das aber kaum mehr möglich, da grüne Plätze und freie Flächen zunehmend verschwinden und alles enger wird.

Im Falle von Zico gebe es folglich nur eine Lösung: «Ein Hofhund muss wohl von Anfang an angeleint werden. Ansonsten wird er automatisch diese schwierige Umstellung von Freiheit zur Kette mitmachen müssen», so Reinmuth. Laut Hundegesetz müsse er sich aber fünf Stunden pro Tag ohne Leine bewegen können.

Trotz allem gebe Reinmuth aber die Hoffnung nicht auf, dass sich die Situation für die Hunde irgendwann bessere.