Bezirksgericht Dietikon
Tierquälerei mit dem Pfefferspray – Hündeler wurde verurteilt

Ein Rentner fürchtete, dass zwei Retriever auf seinen Terrier losgehen. Er reagierte scharf. Am Mittwoch wurde er der fahrlässigen Tierquälerei schuldig gesprochen.

David Egger
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Pfefferspray gegen Hund in Urdorf
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Auf diesem Feldweg kam ein Mann mit zwei Flat Coated Retrievern von Urdorf her in Richtung der Brücke über die A3. Der Feldweg führt am Chlösterli-Fussballplatz vorbei.
Hier, auf der anderen Seite der Brücke, stand der Rentner mit dem American Staffordshire Terrier und dem Pfefferspray.
Als der Mann mit dem Terrier die beiden Retriever sah, rief er dem anderen Mann zu, er solle die zwei Hunde an die Leine nehmen. Ob es die Rufe über den Lärm der A3 hinweg auf die andere Brückenseite schafften, ist nicht überliefert.
Die beiden Retriever liefen, mit einigem Abstand zu ihrem Halter, auf die andere Brückenseite und den Mann mit dem Terrier zu.
Als die Retriever nur noch gut einen Meter vom Mann mit dem Terrier entfernt waren, setzte dieser den Pfefferspray gegen den Retriever ein.
Vielen Hündelern dürfte die Örtlichkeit bestens bekannt sein. Denn gleich beim Tatort, auf der Westseite der Brücke über die A3, befindet sich ein Robidog.

Pfefferspray gegen Hund in Urdorf

Keystone

Es geschah am 2. Februar 2016, kurz vor Mittag. Tatort ist der Urdorfer Geren-Feldweg, der auf einer Brücke über die A3 verläuft, nahe des Chlösterli-Fussballplatzes. Ein Limmattaler Jungrentner sprühte Pfefferspray gegen einen Hund. Am Mittwoch musste er sich nun vor dem Dietiker Gericht verantworten.

An besagtem Tag stand der Rentner mit seinem American Staffordshire Terrier, der im Kanton Zürich als Kampfhund gelistet ist, auf der Westseite der Brücke. Von der Ostseite kamen ihm zwei nicht angeleinte Flat Coated Retriever entgegen. Über die lärmige A3 hinweg rief der Jungrentner dem Halter der Retriever zu, er solle die beiden zurückrufen und anleinen. Stattdessen liefen sie – mit einigem Abstand zu ihrem Halter – weiter auf den Rentner zu. Dieser ging nun davon aus, dass die beiden auf seinen Terrier losgehen möchten, schliesslich waren sie zu zweit – ein Rudel im Gefühl der Stärke, nach Ansicht des Rentners.

«Pfeffersprays sind ein sehr adäquates Mittel»

Angesichts der aus seiner Sicht eindeutigen «Alarmsignale» kramte der Rentner den Pfefferspray aus seiner Jacke und setzte ihn ein, als sich der erste Retriever etwa einen Meter vor ihm befand. Er wollte verhindern, dass sein Terrier angegriffen wird, schliesslich wurde dieser schon mehrmals von anderen Hunden gebissen. Und überhaupt: Die Retriever waren nicht angeleint. Wenn andere Hundehalter sich nicht an die Regeln halten, dann sei man gefordert, sagte der Angeklagte.

«Ich habe gewusst, ich muss etwas unternehmen, je mehr sich die Individualdistanz verringerte. Pfeffersprays sind ein sehr adäquates Mittel, um einen Hund fernhalten zu können», führte er weiter aus. Zudem blieben aus einem Pfefferspray-Einsatz keine Schäden.

Die Gemeinsamkeit von Pfefferspray und Axe-Deo

Wobei laut Aussage des anderen Manns der eine Retriever in den Tagen nach dem Vorfall immer weglief, wenn sich sein Herrchen Axe-Deo unter die Achseln sprayte. Jedenfalls lief der Retriever-Halter auf den Terrier-Halter zu, um ihm den Pfefferspray wegzunehmen und die Polizei anzurufen. So wurde aus einem Spaziergang ein Rechtsverfahren, dessen Akten – so dick wie ein Bundesordner – am Mittwoch vor Einzelrichter Bruno Amacker auf dem Tisch lagen.

Ein schwieriger Fall, zumal sich die beiden Versionen so stark unterschieden, dass der Staatsanwalt eine Haupt- und eine Eventualanklage einreichte. So gab der Retriever-Halter an, dass der andere auch ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht habe, eine Tätlichkeit, die der Rentner vehement abstritt.

Eine Tätlichkeit erachtete das Gericht nicht als bewiesen, eine Sachbeschädigung auch nicht, da der Retriever keine bleibenden Schäden davontrug. Verurteilt wurde der Rentner schliesslich wegen fahrlässiger Tierquälerei in einem Fall. Die Einschätzung, dass ein Angriff der Retriever bevorstand, war nicht zwingend», erklärte Richter Amacker. Der Rentner sei somit einem vermeidbaren Sachverhaltsirrtum erlegen. Zu den Verfahrenskosten, die ihm auferlegt wurden, kam eine bedingte Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 50 Franken hinzu.