Urdorf
Tierärztin macht teuren Pferderennsport für jeden erschwinglich

In Annina Widmers neu gegründeter Stallgemeinschaft Redcap teilen sich mehrere Besitzer ein Pferd. Mit Hilfe dieses Konzeptes soll der Zugang zum Sport erleichtert werden.

Anina Gepp
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Annina Widmer hat die Stallgemeinschaft Redcap gegründet. Für den zweijährigen Fuchshengst Kontrast ist es die erste Saison, bei der er als Rennpferd antreten wird.

Annina Widmer hat die Stallgemeinschaft Redcap gegründet. Für den zweijährigen Fuchshengst Kontrast ist es die erste Saison, bei der er als Rennpferd antreten wird.

Anina Gepp

Egal, ob es regnet, schneit oder beissend kalt ist: Die beiden Rennpferde Kontrast und Mashua brauchen ihren Auslauf jeden Tag. Die jungen Rösser befinden sich im Training für die Rennen, die an verschiedenen Orten in der Schweiz im Frühling beginnen.

Die Tiere gehören zur frisch gegründeten Stallgemeinschaft Redcap in Urdorf, die Annina Widmer im Januar ins Leben gerufen hat. Dabei teilen sich mehrere Besitzer gleichzeitig ein Rennpferd.

Das Konzept dahinter ist nicht neu: In England etwa besitzen jeweils bis zu 100 Personen gleichzeitig ein Pferd oder mehrere. Der Unterschied zu hier sei, dass man damit in der Schweiz kein Geld verdienen könne, so Widmer.

Denn Stallgemeinschaften seien hierzulande noch nicht so verbreitet. Primär ginge es ihr aber auch nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, mehr Leute für den Pferderennsport begeistern, sagt die Tierärztin. Denn durchschnittlich 25 000 Franken im Jahr für ein Rennpferd auszugeben, sei auch Pferdeliebhabern oft zu viel Geld.

Ausserdem sei die Freude grösser, wenn man das Tier gemeinsam finanziere. «Gewinnt es, kann man sich zusammen freuen. Verliert das Ross, teilt man sich das Leid», so Widmer. Der Pferderennsport biete auch die Möglichkeit, sich ein Netzwerk aufzubauen.

Wer Mitglied der Stallgemeinschaft Redcap wird, zahlt einen jährlichen Beitrag von 2200 Franken. Wie sehr man ins Geschehen involviert werden will, könne man selbst bestimmen, so Widmer. Der Rennstall stehe für Mitbesitzer immer offen, wenn man bei einem Training zusehen wolle. Zudem könne man die Rennen besuchen und werde laufend darüber informiert, welche Fortschritte das Pferd macht.

Mit dem Ross selbst habe man als Mitglied nicht viel zu tun. Wer allerdings den Kontakt pflegen wolle, dürfe die Tiere natürlich besuchen. Den Stall müsse aber niemand rausputzen.

Grosser Nervenkitzel an Rennen

Bis vor ein paar Jahren ist Widmer selbst aktiv Rennen geritten. Der Nervenkitzel mache die Faszination am Pferderennsport aus, sagt sie. Da sich jedes Rennen innert weniger Minuten entscheide, seien die Emotionen jedes Mal wieder gross.

Alle Besitzer der Pferde würden mit den Tieren und den Jockeys mitfiebern und auf den Sieg hoffen. Pferde seien für sie faszinierende Tiere. «Ich könnte nicht ohne Rösser leben», so Widmer.

Geritten werden die Pferde von verschiedenen Jockeys. Als Stalljockey in Urdorf fungiert der gebürtige Franzose Olivier Plaçais, welcher auch Jockeychampion ist. Für grosse Rennen werden Jockeys aus England oder Deutschland eingeflogen. Ein guter Jockey müsse sich auf jedes Pferd einstellen können, so Widmer.

Miro Weiss sorgt dafür, dass die Pferde optimal auf die Rennen vorbereitet werden. Seit mehr als 20 Jahren ist er als Rennpferdtrainer tätig. Jeweils im September reist er nach Irland, um dort geeignete Pferde an Auktionen auszusuchen. Infrage würden nur Vollblüter mit der richtigen Abstammung kommen, sagt er.

Zudem sei auch das Äussere des Tieres entscheidend. Während die Rösser vorgeführt werden, sehe man schnell, ob sie gerade oder krumme Beine hätten und ob sie sich athletisch bewegten.

Tage auf der Weide für die Psyche

Auf dem Hof im Urdorfer Schüracher, wo auch mehrere Freizeitpferde leben, trainieren die Tiere fünf Tage die Woche auf der Rennbahn und traben im nahegelegenen Wald. Dazwischen haben sie zwei freie Tage, die sie auf der Weide verbringen. Das sei wichtig für die Psyche der Tiere, so Widmer.

Sowieso habe jedes Ross einen eigenen Charakter. Man könne kein Tier zwingen, Rennen zu laufen. «Wie bei Menschen gibt es auch Pferde, die zerbrechlich sind», sagt Weiss. Sobald er merke, dass ein Pferd nicht für Rennen gemacht ist, werde es zum Freizeitpferd umgeschult.

Immer wieder gerät der Pferderennsport ins Visier von Tierschützern, die aufgrund von tödlichen Unfällen der Pferde Alarm schlagen. Dass es Tierquälerei sei, dementiert Widmer. Der Rennsport habe ein falsches Image: «Unsere Tiere werden regelmässig gesundheitlich geprüft und es wird viel unternommen, damit die Pferde psychisch und physisch ausgeglichen sind», sagt sie.

Wie sich die beiden Rennpferde von Redcap machen, wird sich diesen Frühling an den Rennen zeigen. Der zweijährige Fuchshengst Kontrast hat noch an keinem Wettbewerb teilgenommen. Die dreijährige Fuchsstute Mashua hingegen hat letztes Jahr an ihren ersten Rennen jedes Mal Plätze unter den besten vier erreicht. Trainer Weiss ist zuversichtlich: «Ich sehe sehr grosses Potenzial in beiden Pferden.»