Weiningen/Gheorgheni
Tierarzt Josef Zihlmann erringt ersten Sieg im Kampf für Hunde in Rumänien

Josef Zihlmann ist nach Rumänien gereist, um sich für Strassenhunde einzusetzen – mit Erfolg. In einer spontanen Rede vor Tierärzten in Rumänien versuchte er an das Pflichtgefühl gegenüber der Strassenhunde zu appelieren.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
Der Weininger Tierarzt Josef Zihlmann und seine Frau Silvia setzen sich für rumänische Strassenhunde ein – auch vor Ort.

Der Weininger Tierarzt Josef Zihlmann und seine Frau Silvia setzen sich für rumänische Strassenhunde ein – auch vor Ort.

Limmattaler Zeitung

Helfen: Neue Zusammenarbeit

Josef und Silvia Zihlmann arbeiten künftig mit einem Winterthurer Unternehmer zusammen. «Dieser kam auf uns zu und bot an, gespendete Artikel wie Decken und Futter für Hunde und Katzen zu transportieren», so der Tierarzt. Bis am 20. Dezember und danach ab dem 7. Januar wird Zihlmann schweizweit Spenden direkt bei Tierärzten abholen und sie im Anschluss nach Rumänien transportieren. «Dass diese Zusammenarbeit zustande gekommen ist, freut mich ungemein», sagt er. Leser, die für Hunde und Katzen in rumänischen Tierheimen spenden wollen, können die Güter bei Ihrem Tierarzt abgeben. Josef Zihlmanns Hilfsorganisation «Star Romania - Schweizer Tierärzte für Rumänien» kann unter folgendem Konto finanziell unterstützt werden: 60-741622-3.

Sein Blick schweift in die Ferne. Im Gespräch über die Rumänienreise vom vergangenen November sieht man Josef Zihlmann die Konzentration an; er will alles präzis und korrekt kommunizieren. Seine Frau Silvia, die zwar nicht in Rumänien dabei war, aber trotzdem bestens über die Zustände informiert ist, fügt hier und da eine Ergänzung an.

Positiver als erwartet

Bereits seit mehreren Jahrzehnten setzt sich der Weininger Tierarzt mit seiner Frau mit diversen Aktionen für den Tierschutz ein. Nachdem der rumänische Präsident Traian Basescu im September eine neue Reform erlassen hat, investiert das Ehepaar Zihlmann noch mehr Energie in ihren Kampf.

Die Reform sieht vor, dass eingefangene Strassenhunde, auch wenn sie bei bester Gesundheit sind, nach zwei Wochen Tierheim getötet werden dürfen. Dies geschehe jedoch nicht in einer Art und Weise, die ein würdiges, schmerzloses Sterben ermöglicht, sagt Josef Zihlmann.

Das Ehepaar erhielt viel Unterstützung aus dem Limmattal und der ganzen Schweiz, nachdem im Oktober bekannt wurde, dass auf Initiative des Ehepaars und des tierärztlichen Notfalldienstes Zürich West und Limmattal die Situation streunender Hunde in Rumänien mit Medikamenten und persönlichen Einsätzen verbessert werden soll. Die erste Reise hat Zihlmann nun hinter sich: Erster Halt war Niklausmarkt, wie die rumänische Stadt Gheorgheni auf Deutsch heisst. Seine Eindrücke, die er vier Tage später mit nach Hause brachte, sind positiver als ursprünglich erwartet hätte.

Spontane Rede an Kongress

Im Osten der Region Siebenbürgen hat Zihlmann mehrere Kontakte. «Ich besuchte mit einem Kollegen ein Tierheim, das für 35 Hunde konzipiert wäre, aus Not aber über 200 Tiere beherbergt», erzählt er. Die Leitung dieses Heims sei aber sehr gut strukturiert und es habe sogar einige Freiwillige aus dem Dorf, die Zeit mit den Hunden verbringen, um sie wieder an Menschen zu gewöhnen.

Auch, dass im rund 60 Kilometer entfernten Miercurea Ciuc während Zihlmanns Aufenthalt ein kleiner Kongress für Tierärzte abgehalten wurde, fiel dem Weininger positiv auf. «Was ich jedoch nicht wusste, war, dass ich als einer der Referenten vorgesehen war.» Das Problem mit den rumänischen Tierärzten sei, dass sie nicht ausreichend in der Behandlung von Haustieren geschult seien - laut Zihlmann behandeln sie meist Nutztiere. «In einer spontanen Rede versuchte ich an das Pflichtgefühl der Tierärzte gegenüber Strassenhunden zu appellieren», sagt er. Dies habe im Anschluss in angeregten Diskussionen auch gefruchtet, erzählt der Tierarzt.

Im Gespräch mit Politikern

Damit sich die Tierschützer nicht nur bei den Ärzten, sondern in der ganzen Gesellschaft Gehör verschaffen, suchte Zihlmann die Einflussreichen der Politik auf. Ein Treffen mit dem Bürgermeister, dessen Stellvertreter sowie einem Stadtrat aus Gheorgheni sei das Highlight seiner Reise gewesen. In einem mehrstündigen Gespräch habe er die Politiker davon überzeugen können, eine Gemeindeverordnung zu erlassen.

Diese sehe vor, keine Tötungsstationen in der Stadt zu erstellen, die streunenden Hunde einzusammeln, diese mit einem Chip zu versehen und schliesslich zu kastrieren. «Was mich besonders erfreut, ist, dass das Protokoll dieses Gesprächs in der Lokalzeitung abgedruckt wurde, diese Verhandlungen also auch der Bevölkerung bekannt sind», so Zihlmann. Sie hätten somit etwas Verbindliches.

Damit blieb die Frage, woher das Geld für diese Massnahmen kommen soll. Doch auch dafür hat Zihlmann eine Lösung: «Die anfallenden Kosten werden von uns übernommen.» Es ist geplant, dass die städtischen Stellen bis zu seinem nächsten Besuch im Februar oder März die neuen Angebote noch bekannter machen. «Alle Menschen müssen wissen, dass es diese Möglichkeiten gibt und dass sie kostenlos in Anspruch genommen werden können.»

Sein Fernziel ist es, dass im gheorghenischen Tierheim Ende 2014 genau 35 Hunde leben, so viele wie sich die Stadt auch leisten kann. «Wir wissen, dass dies sehr ambitioniert ist, aber man muss die Erwartungen hoch ansetzen», erklärt Silvia Zihlmann. Ihr Mann pflichtet ihr lächelnd mit einem Nicken bei.

Aktuelle Nachrichten