Schlieren
Tiefere Autopreise wegen Frankenstärke: Garagisten schnallen den Gürtel enger

Der starke Franken treibt die Autopreise nach unten – den Kunden freuts, die Händler reuts

Lina Giusto
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Auch Occasionsfahrzeuge sind häufig unter Wert zu haben. key

Auch Occasionsfahrzeuge sind häufig unter Wert zu haben. key

Die Zahl der neu zugelassenen Personenwagen steigt im ersten Halbjahr 2015 an: Knapp 162 000 waren es insgesamt. Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses stehen die Garagisten jedoch zunehmend unter Druck: Trotz guter Verkaufszahlen sinken die Umsätze, wegen der tieferen Autopreise. Wie ergeht es dabei den zahlreichen Auto- und Occasionshändler in Schlieren und Dietikon?

Wegen der Aufhebung des Mindestkurses zu Beginn des Jahres hat sich der Franken im Vergleich zum Euro stark aufgewertet. Deshalb gewähren Importeure auf Neuwagen einen Eurorabatt und geben den Garagen den Verkaufspreis vor. Wer gerade ein neues Auto anschafft, kann sich freuen. Valter Pontiggia, Direktor der Citroën-Niederlassung in Schlieren, sagt: «Wir kämpfen zurzeit mit den hohen Rabatten. Auf einen Grosswagen wie den C5 Mittelklasse gewähren wir eine Preisreduktion von 10 200 Franken. Auf einen Kleinwagen wie den C1 gibt es eine Prämie von 3500 Franken.» Die Einnahmen für den Autohändler sinken dadurch merklich. In Schweizer Franken dagegen fallen die Kosten für den Garagisten an: Miete, Unterhalt, Personalkosten und Anschaffungskosten der Fahrzeuge. Auch das Porsche-Zentrum in Schlieren spürt den Kostendruck. Marketingleiter Alexander Mezger sagt: «Die grössten Kosten fallen bei der Anschaffung der Fahrzeuge, deren Unterhalt und dem Personal an.»

Auflagen erschweren Handel

Das finanzielle Polster der Autohändler wird also dünner. Pontiggia sagt: «Wer es verschlafen hat, seit 2011 Rückstellungen für Wechselkursschwankungen zu bilden, büsst nun dafür.» Das Autogewerbe ist Schweiz mit 81 Konkursen in der ersten Jahreshälfte die Branche mit den meisten Geschäftsschliessungen. Dies geht aus einer Studie von Bisnode D&B, einem Wirtschaftsinformationsdienst, hervor.

Die tieferen Autopreise haben zudem Auswirkungen auf andere Geschäftszweige wie das Occasionsgeschäft. Pontiggia sagt: «Der gebrauchte Wagen wird oft unter seinem tatsächlichen Wert verkauft.» Auch in diesem Bereich seien die Umsätze damit rückläufig. Remo Baleri, Geschäftsführer von Auto Zürich West AG, sagt dagegen: «Wenn der Preis stimmt, werden wir die Autos los.» Die Autosuche sei zur zeit erschwert, man müsse gut schauen von wo man importiere. «Wir sind unabhängiger als die Markenvertreter. Sie haben Auflagen von der Marke und den Importeuren», sagt Baleri. Ihr Geschäft bestehe zu 60 Prozent aus dem Occasionshandel und zu 40 Prozent aus dem Direktimport. «Wir kaufen ein, was der Kunde nachfragt», erklärt Baleri den geringeren Druck des starken Frankens auf ihr Occasionsgeschäft.

Gewusst wie

Problematischer als im Occasionsgeschäft ist der starke Franken für das Leasinggeschäft. Verträge, die vor zwei bis drei Jahren abgeschlossen wurden, beinhalten einen vereinbarten Restwert, zu dem nach Ablauf der Vertragsdauer das Auto vom Kunden gekauft werden kann. Dieser Preis berücksichtigt die jüngsten Wechselkursschwankungen nicht. Aktuell komme es häufiger vor, dass der Händler bei allfälligen Autorückkäufen mit einer Einbusse von 2000 bis 3000 Franken rechnen müsse, schätzt Pontiggia. Garagisten, die den Restwert des Autos von Beginn weg tief angesetzt haben, fahren dabei geringere Verluste ein. So handhabt es zumindest die Auto Zürich West AG. Baleri sagt: «Wenn der Restwert von Anfang an tief ist, ist der starke Franken weniger problematisch.» Diese Strategie habe in der letzten Zeit geholfen. «Wir wollen das Auto nicht zurücknehmen, sondern verkaufen», sagt Baleri.

Goldene Zeiten sind vorbei

Grundsätzlich ist der Druck im Autogewerbe heute höher als noch in den 1990er-Jahren. Zudem haben die Firmengrösse und die Spezialisierung auf unterschiedliche Geschäftszweige einen grossen Einfluss, inwiefern auf Wechselkursschwankungen und Marktnachfragen reagiert werden kann. Garagisten, die sich beispielsweise auf das Reparaturgeschäft konzentrieren, sind vom starken Franken weitaus weniger stark betroffen als die beiden anderen Geschäftszweige. Betriebsleiter Rocco Vitacca der Garage Gebrüder Vitacca GmbH in Schlieren sagt: «Da unser Hauptgeschäft die Reparaturen und Instandhaltungen sind, spüren wir den starken Franken weniger.»

Laut Baleri seien die Margen auch nicht das Hauptproblem – diese seien im Verlauf der letzten zehn Jahre allgemein deutlich tiefer geworden. Man müsse sich dem Kunden und dem Markt anpassen, um überleben zu können.