Dietikon

Thomas Pfann schreibt über Alltägliches und wie Monster dabei stören

Thomas Pfann will dem Leser mit seiner Geschichte einen Spiegel vorhalten.

Thomas Pfann will dem Leser mit seiner Geschichte einen Spiegel vorhalten.

Der Dietiker Thomas Pfann hat seinen ersten Roman «Der Hund im Spiegel» publiziert. Er hat das Buch während zweier Winter geschrieben und mit einer kleinen Auflage von 40 Exemplaren in Eigenregie herausgegeben.

Es ist ein Schock für den schwarzen Terrier Harrass: Im Schlafzimmer seiner Besitzerin Bettina Breitenmoser entdeckt er ein grosses, haariges, Furcht einflössendes Monster. Harrass ist überzeugt: Mit diesem Monster ist nicht zu spassen.

Dass es sich bei dem Monster um sein eigenes Spiegelbild handelt, ist dem Hund allerdings nicht bewusst.

Ausgesprochen normal

Mit dieser Szene eröffnet der Dietiker Thomas Pfann seinen ersten Roman «Der Hund im Spiegel». Er hat das Buch während zweier Winter geschrieben und mit einer kleinen Auflage von 40 Exemplaren in Eigenregie herausgegeben.

Im Zentrum der Handlung steht aber nicht der Hund Harrass, sondern ein junger Mann namens Sven Tirebeg. Er arbeitet bei Courtena AG, einer Firma, die spezialisiert ist auf die Produktion von Duschvorhängen. Als kreativer Kopf der Firma ist er verantwortlich für die Gestaltung der Vorhänge – sein Spezialgebiet: Fischmotive. Tirebeg ist alleinstehend, fährt gerne Velo und ist eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben.

Im Laufe der Geschichte reissen ihn jedoch eine ganze Reihe unliebsamer Erlebnisse aus seinem Alltagstrott. Alles beginnt damit, dass seine Mitarbeiterin Bettina Breitenmoser ihn bittet, er möge ihr doch einen Hund zeichnen. Leider reicht sein Talent nicht über das Malen von Fischen hinaus. Das Ergebnis gleicht denn auch mehr einem Schwein als einem Hund und stürzt Sven in arge Selbstzweifel.

Das ist umso schlimmer, weil er eigentlich schon lange ein Auge auf die hübsche Mitarbeiterin geworfen hat. Mit dem Vorfall ist es allerdings nicht getan; im Laufe der Handlung häufen sich die Unglücke. Und je mehr Sven versucht, seine Routine aufrechtzuerhalten, desto tiefer gerät er in den Trubel der Geschehnisse.

Monster, überall

Bei der Lektüre schwankt man als Leser zwischen Sympathie für die tollpatschigen Figuren und einem Gefühl der Überlegenheit. Man verfolgt vergnügt, wie die Protagonisten vom einen Missgeschick ins nächste stürzen – und ist den Figuren zugleich ähnlicher, als einem lieb ist. Mit dieser Ambivalenz spielt Pfann.

«Ich möchte dem Leser einen Spiegel vorhalten. Es ist so einfach, sich gemütlich in der täglichen Routine einzunisten, ohne je einen Blick über den Tellerrand werfen zu müssen», so der Autor. Die Szene am Anfang steht sinnbildlich für die ganze Geschichte: «Die Konfrontation mit dem Monster reisst Harrass aus seinem gemütlichen Dasein. Dabei zieht sich die Frage wie ein roter Faden durch die Handlung, ob sich der Hund im Spiegel selber erkennt», sagt Pfann. Gleiches gilt auch für Sven Tirebeg: In allem Unverhofften, das ihm zustösst, sieht er ein Unglück – doch eigentlich reissen ihn die Ereignisse aus seinem langweiligen Leben. Schafft er es, sich dessen bewusst zu werden?

Thomas Pfann hat mit seinem ersten Roman eine Geschichte geschrieben, die den Leser unterhält und zum Nachdenken anregt. Ob er dies tut, ist allerdings ihm selbst überlassen.

Am Donnerstag, 25. April, liest der Schauspieler Björge Hehner aus Thomas Pfanns Roman «Der Hund im Spiegel» um 20 Uhr in der Stadt- und Regionalbibliothek Dietikon.

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