Limmattal
Thomas Mattle: «Würde nicht zu viel auf andere schauen»

Ein eigener Stil macht ein erfolgreiches Turnfest aus, ist der Limmattaler des Jahres überzeugt.

Sandro Zimmerli
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Als OK-Präsident des Regionalturnfest hat Thomas Mattle ein ereignisreiches Jahr hinter sich.

Als OK-Präsident des Regionalturnfest hat Thomas Mattle ein ereignisreiches Jahr hinter sich.

Limmattaler Zeitung

Thomas Mattle, 1973 fand schon einmal ein Regionalturnfest in Weiningen statt. Noch heute schwärmen die Ehemaligen davon. Was wird in 42 Jahren vom Turnfest 2015 in Erinnerung bleiben?

Thomas Mattle: Ich denke, auch in 30, 40 Jahren werden diejenigen, die aktiv dabei waren, von einem positiven und gelungenen Fest sprechen.

Da wird es kaum Unterschiede zur älteren Generation geben, die den Anlass von 1973 erlebt hat. Jenes ist den Leuten allerdings als Schlammfest in Erinnerung, weil es nur geregnet hat. Dieses Jahr war es genau umgekehrt, es war ein Hitzefest.

Als 1000 Tage vor dem Start des Turnfestes eine Countdown-Uhr enthüllt wurde, hiess es, dass ein solcher Anlass auch eine Chance sei, sein Dorf zu präsentieren. Ist dies gelungen?

Es ist uns gut gelungen. Wir haben die Weininger Rebberge und die Weine in den Mittelpunkt gestellt. Einerseits mit dem Motto des Festes «Zwüsched de Räbe es Turnfäscht erläbe» und dem Weinzelt.

Andererseits bildeten die Rebberge die Kulisse für den Festplatz. Wir hatten viele auswärtige Gäste. Sie werden Weiningen bestimmt in guter Erinnerung behalten. Auch deshalb, weil am Fest sehr vieles sehr gut funktionierte und gut organisiert war.

Die gute Organisation des Festes dürfte zu ihrer Wahl zum Limmattaler des Jahres beigetragen haben. Sehen Sie noch andere Gründe?

Ich bin im Limmattal aufgewachsen, arbeite hier. Ich bin in vielen Vereinen bekannt, auch weil ich schon Präsident des Turnvereins Weiningen war. Zudem hingen auch Kantonsrats-Wahlplakate von mir. Dadurch kennen mich viele Leute persönlich. Und das ist bei einer solchen Abstimmung von Vorteil.

Viele Leute ist ein gutes Stichwort. Ans Turnfest kamen nicht nur viele Besucher, es brauchte auch unzählige Helfer. Sind Sie überrascht, dass sich über 1000 Freiwillige für das Fest engagierten?
Wir wussten, dass es schwierig wird, so viele Helfer zu finden. Oft ist es so, dass man die ersten 70, 80 Prozent der Leute relativ rasch zusammen hat. Bei den letzten 20 Prozent wird es dann schwierig.

Woran liegt das?
Oft sind zu diesem Zeitpunkt Arbeiten bereits vergeben oder nur noch solche zu haben, die nicht unbedingt beliebt sind. Etwa Nachtschichten.

Diese zu besetzen war nicht einfach. Gleichzeitig haben wir bei der Rekrutierung festgestellt, dass sich eine Dynamik entwickelte. Helfer, die bereits zugesagt hatten, fragten Freunde und Kollegen an. Zudem hat unser Personalbüro in den letzten vier Wochen und während des Festes fast rund um die Uhr gearbeitet. So konnten alle Schichten besetzt werden.

Helfer zu finden, war das eine. Es mussten noch unzählige andere Dinge erledigt werden. Vier Jahre dauerten die Planungen. Gab es nie Momente, an denen Sie den Bettel am liebsten hingeschmissen hätten?

Ich habe es nie bereut, die Aufgabe übernommen zu haben. Die schwierigste Phase war jene in den letzten zwei Monaten vor dem Feststart. Da spürte man erstmals richtig, dass es nun bald losgehen wird. Gleichzeitig gab es noch offene Fragen. Dadurch ist eine gewisse Nervosität aufgekommen. Wir wünschten uns dann nur noch, dass es endlich losgeht. Da merkte man den Leuten an, dass die Vorbereitung sehr lange war.

Hatten Sie nie Probleme, die Leute zu motivieren?

Nein. Die Leute haben alle sehr gut gearbeitet und sich immer wieder gegenseitig unterstützt. Es gab nur sehr wenig Fälle, in denen Uneinigkeit untereinander herrschte. Das machte es für uns im Präsidium einfach, die Organisation zu leiten. Als das Fest dann startete, stieg die Motivation nochmals sprunghaft an.

Würden Sie die Organisation eines Regionalturnfestes nochmals übernehmen?

Nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Für mich war es der richtige Zeitpunkt, eine solche Aufgabe zu übernehmen. Einerseits wegen meines Alters, andererseits weil ich nicht mehr aktiv turne. In zehn Jahren bin ich womöglich schon zu weit weg vom Turnen.

Deshalb denke ich, dass die Organisation eines solchen Festes eine einmalige Sache ist. Aber man soll niemals nie sagen. Es käme auch ganz stark darauf an, welche Leute mit an Bord wären. Das ist die entscheidendste Frage.

Was hat Ihnen die Organisation eines solchen Anlasses persönlich gebracht?

Es waren die Grösse und die Art des Anlasses, die mich gereizt haben. Als Mitorganisatoren kleinerer Feste im Turnbereich oder beim Zürcher Kantonalschwingfest hatten wir bereits Erfahrung.

Die Motivation lag dieses Mal darin, ein Fest dieser Grössenordnung auf die Beine zu stellen. Und dass es nun so gut geklappt hat, ist sehr schön. Für mich war auch noch wichtig, dass man den jungen Leuten zeigen konnte, dass man gemeinsam auch einen solch grossen Anlass in Weiningen durchführen kann.

Das war auch ein Motto des Organisationskomitees, der Turnerfamilie zu zeigen, dass die Weininger nicht nur die Besten beim Turnen und beim Festen sind, sondern auch beim Organisieren.

Das ist so. Beim Turnen und beim Festen sind wir sicherlich sehr stark. Mit dem Fest haben wir gezeigt, dass wir in Weiningen auch etwas auf die Beine stellen und den Leuten im Dorf und dem Limmattal eine Freude bereiten können.

Turnerisch war das Fest ein Erfolg. Der Turnverein Weiningen wurde Turnfestsieger im Vereinswettkampf. Was war Ihr persönliches Highlight?

Für mich ist zentral, dass es am Fest keine schwerwiegenden Unfälle gab. Ansonsten war der Jubiläumsabend zum 100. Geburtstag des Turnvereins Weiningen am ersten Wochenende ein sehr gefreuter Anlass. Wir wussten nicht, wie viele Leute kommen würden.

Als ich das volle Zelt sah, war ich das erste Mal positiv überrascht. Der zweite Höhepunkt war die Party am Samstag des zweiten Wochenendes, als die Blaumeisen auftraten.

Kann man als OK-Präsident das Fest überhaupt geniessen?

Phasenweise schon. Ich hatte allerdings viele Termine, etwa mit den verschiedenen Empfängen, der Turnveteranentagung oder OK-Sitzungen.

Zudem war abgemacht, dass entweder mein Vize Moritz Lüthi oder ich jeweils bis zum Schluss des Tages auf dem Festgelände bleiben, falls irgendetwas passiert. Vom sportlichen Teil ist deshalb vieles an mir vorbeigegangen. Das ist schade. Trotzdem habe ich natürlich auch viele Eindrücke gesammelt.

Was raten Sie nun mit Ihrer Erfahrung künftigen Veranstaltern, die ein Regionalturnfest auf die Beine stellen wollen?

Am zentralsten ist die Zusammenstellung des OK. Es müssen die richtigen Leute am richtigen Ort eingesetzt werden. Diesbezüglich hatte ich riesiges Glück. Zudem würde ich nicht zu viel auf andere schauen, sondern das machen, wovon ich überzeugt bin, dass es das Beste für den Verein und das Dorf ist.

Egal ob beim Rahmenprogramm oder bei der Auswahl der Musik. Man soll seinen eigenen Stil finden und nichts kopieren.

Ganz vorbei ist das Fest für Sie noch nicht, es steht die Schlussabrechnung an. Sind Sie froh, dass dann Schluss ist?

Ja, auf jeden Fall. Das mit der Rechnung wird noch etwas dauern. Sie wird aber wie das Fest positiv ausfallen. Richtig vorbei ist das Turnfest mit der OK-Feier im Juli.

Dann werden Sie wieder mehr Freizeit haben. Was werden Sie damit machen?

Ich hatte ein erlebnisreiches 2015. Im März wurde ich zum ersten Mal Vater. Ich freue mich auf die Zeit, die ich wieder vermehrt mit meiner Frau und meiner Tochter verbringen kann. Langweilig wird es mir bestimmt nicht.

Ich bin weiterhin in der Rechnungsprüfungskommission in Weiningen tätig. Und für den Kantonsrat bin ich erster Ersatzkandidat der SVP. Wer weiss, was noch alles passieren wird. Jetzt geniesse ich es aber, wieder mehr Freizeit zu haben.