Miss Sophie ist weltberühmt als jene betagte Dame, die sich im Kurzfilm «Dinner for one» in der irrigen Annahme wähnt, sie wäre umgeben von ihren engsten Freunden. Stattdessen mimt Butler James die vermeintlichen Gäste und leert dabei deren Drinks gleich selbst – mit aberwitzigen Konsequenzen. Doch was geschieht, wenn das letzte Stündlein für Miss Sophie und Butler James geschlagen hat?

Der Autor Andreas Wening schrieb die lustige Geschichte im Theaterstück «Miss Sophies Erbe» weiter und erklärt, weshalb das Duo wohl lieber unter sich blieb. Denn die Erben entpuppen sich als durchtriebene Goldgräber, die nächste Woche den Saal des Restaurants Föhrewäldli heimsuchen.

Es ist ein Stück wie geschaffen für die Spielbühne 99, dem Theaterverein aus Weiningen und der Fahrweid. Er bietet Hobby-Schauspielerinnen und Schauspielern eine Bühne. Die bitterböse Komödie ist deren mittlerweile 19. Produktion und soll für Lachsalven sorgen. «Es war mein favorisiertes Stück», sagt Regisseur Mario Lorentz. Gleichwohl konnte er nicht alleine darüber entscheiden. Die Lesekommission des Vereins vertiefte sich in diverse Theaterskripte und gab schliesslich grünes Licht für «Miss Sophies Erbe».
«Der schwarze Humor gefällt mir am besten, zudem passte das Stück mit seinen acht Rollen perfekt zum aktuellen Ensemble», sagt der Weininger. Es ist eine illustre Gruppe an Charakteren, die die Nachkommen bilden. Allen voran Ludmilla Stroganoff als ausgediente Operetten-Diva, deren kratzbürstige Assistentin Gundula, die aufreizenden Gilla Winterbottom oder die burschikose Köchin Marlies.

Die Komik gewinnt
Die Spielbühne 99, gegründet im Jahr 1999 von Hans-Ruedi Jauch in Dietikon, präsentiert in der Fahrweid eine schweizerdeutsche Version von Peter Waber. Wie viele andere Theatergruppen der Region konzentriert sie sich auf Dialekt-Komödien. «Komische Szenen sind oftmals schwieriger zu spielen, als dramatische», so Lorentz. Zumal einige Dialoge des aktuellen Stücks länger sind und die Pointe auf dem Punkt landen muss. «Ich lege grossen Wert darauf, dass die Dialoge getreu dem Skript gesprochen werden.»
Bislang ist er sehr zufrieden mit dem Ensemble.

Geprobt wird seit April; bis zu den Sommerferien einmal, danach zweimal pro Woche. Und nun, vor der Premiere, befindet sich die Gruppe in der heissen Phase: Das Bühnenbild steht, Kostüme und Make-up werden bereits teilweise getragen und die Spannung steigt.

Für Lorentz ist «Miss Sophies Erbe» das Regie-Debüt. Vor elf Jahren trat er dem Verein als Mitglied bei, wurde später Ensemble-Mitglied und übernahm vor sechs Jahren das Präsidium, das er mittlerweile zugunsten der Regie wieder abgegeben hat. «Als Schauspieler habe ich früher oft gedacht, dass ich gewisse Dinge anderes inszeniert hätte, weswegen ich mir die Regie durchaus zugemutet habe», sagt Lorentz. Er habe aber auch viel gelernt als Laien-Darsteller. «Für mich besteht die grösste Herausforderung darin, das Ensemble zu motivieren», sagt er. Schliesslich solle das Publikum zwei Stunden lang lachen.

Denkt Lorentz, Angestellter eines Hauswartungs- und Spezialreinigungs-Unternehmens, generell an Theater, dann sind es Lustspiele. Die Schweizer Bühnen-Legenden Margrit Rainer und Ruedi Walter bewundert er bis heute, aber auch bayerische Schwänke begeistern ihn.

Wohlgemeinte Zwischenrufe
Seit 19 Jahren verlässt sich das Publikum der Spielbühne 99 auf Komödien wie «Miss Sophies Erbe». Und es erschien stets zahlreich: Im Saal finden sich bei regulären Vorstellungen rund 160 Sitzplätze an zwölf Tischen. Der Verein, der 19 aktive und 50 passive Mitglieder zählt, sorgt auch mit zwei Spezialvorstellungen für fröhliche Gesichter. In jeder Spielzeit gesellt sich ein Theaterdinner dazu und es fällt dieses Jahr auf die Premiere. Serviert wird ein Fünfgänge-Menü, das in Zusammenarbeit mit dem Restaurant Föhrewäldli entsteht, das sich generell während des Theaterbetriebs um die Gastronomie kümmert. Von Lorentz kam heuer aber die entscheidende Idee: Serviert wird ein ähnliches Menu wie in «Dinner for one».

Eine weitere Aufführung wird ausschliesslich für Menschen mit Handicap dargeboten. «Wir rechnen auch in diesem Jahr mit über hundert Gästen von entsprechenden Institutionen aus der Region», sagt Lorentz. Diese Abende seien jeweils eine Herausforderung für das Ensemble, denn das Publikum fiebert bei solchen Vorstellungen aktiv mit und wohlgemeinte Zwischenrufe seien keine Seltenheit. Ein schöneres Kompliment kann es für die Spielbühne wohl kaum geben.

Das Stück: Miss Sophies Erbe
Die Operetten-Diva Ludmilla Stroganoff gibt wegen chronischem Geldmangel ihre bereits siebte Abschiedstournee. Während sie auf Provinzbühnen trällert, erfährt sie vom Erbe ihrer Stiefmutter Sophie und macht sich auf zur Testamentseröffnung. Statt des erhofften Geldsegens wird sie aber mit weiteren Erben und deren dunklen Geheimnissen konfrontiert. Und auch Miss Sophie sorgt postum für Überraschungen.
Das Stück von Andreas Wening – in der schweizerdeutschen Fassung von Peter Waber – ist die 19. Produktion der Spielbühne 99. Regie führt erstmals Mario Lorentz. Auf der Bühnen stehen Fiona Neri, Maria Costantino, Robert Eigenmann, René Müller, Sally Müller, Thomas Lüthi, Reto Schäfer und Daniela Weber.
Premiere mit Theaterdinner:
19. Oktober
Weitere Daten: 20., 26., 27. und
28. Oktober und 2. und 3. November.
Spezialaufführung für Menschen mit Handicap: 21. Oktober
Ticketverkauf unter 044 742 00 68 (16 bis 19 Uhr)