Das Display leuchtet. Es ist der einzige Hinweis, dass der BMW c evolution abs tatsächlich läuft. Kein Motorengeräusch, kein ratternder Auspuff, nichts – nur Stille. 94 Kilometer können mit dem Elektroroller noch zurückgelegt werden, bevor er wieder an die Steckdose muss.

Sobald Testfahrer Max Chopard-Acklin das Gas leicht anzieht, erfüllt ein leises Surren die Luft auf dem Vorplatz der Umwelt-Arena in Spreitenbach. Seit Juli können wahlweise die Johammer J1, ein giftgrünes und insektenähnliches Gefährt, und der BMW Elektroroller Probe gefahren werden.

Schnell und leise: Testfahren mit dem Elektromotorrad.

Schnell und leise: Testfahren mit dem Elektromotorrad.

Ohne Krach und Gas

«Mit dem BMW-Roller kommt man je nach Fahrweise rund 100 Kilometer weit. Aufladen kann man ihn an jeder herkömmlichen Steckdose», erklärt mir Max Chopard-Acklin, Projektleiter bei der Umwelt-Arena und SP-Nationalrat. Rund vier Stunden dauert die Ladezeit des Rollers. Abgesehen vom fehlenden Motorengeräusch ist das Elektrogerät auch gut 150 Kilogramm schwerer als ein herkömmliches Motorrad mit 125 Kubikzentimeter Hubraum. «Aufgrund der eingebauten Batterie hat der Töff ein Leergewicht von rund 340 Kilogramm», sagt Chopard-Acklin. So braucht man für das Handling doch etwas mehr Kraft als bei einem etwa gleich grossen Motorrad. Wohl deshalb kann bei diesem Elektroroller per Knopfdruck ein Rückwärtsgang eingelegt werden.

Im Fahrzeugausweis ist beim Hubraum ein Kreuz, dafür aber ist die elektrische Leistung angegeben – 11 Kilowatt, was ungefähr 15 PS entspricht. Rund die Hälfte der Leistung hat ein vergleichbares Benzin-Motorrad. Neben dem fehlenden Motorgeräusch, beschleunigt das Elektromotorrad deutlich schneller als ein herkömmlicher Benzinantrieb. Der Tacho zeigt bereits 2,7 Sekunden nach dem Losfahren eine Geschwindigkeit von 50 km/h an. 120 km/h erreicht der Roller maximal. Auch die erwartete Vibration, die normalerweise durch den Motor beim Töff erzeugt wird, fehlt beim Elektroroller. Zudem verfügt der Roller über eine Energierückgewinnung beim Bremsen und beim Bergabwärtsfahren. Sobald man das Gaspedal loslässt, setzt die Entschleunigung ein – und zwar deutlich schneller als dies ein herkömmliches Motorrad tut.

Der «Heugümper»

All diese Eigenheiten hat auch das etwas weniger alltagstaugliche Motorrad Johammer J1. Das giftgrüne Chassis, die Seitenspiegel, die wie Insektenfühler aussehen, die asymmetrischen Rundlichter, die Räder, die an jene des Batmobils erinnern, hat der Österreicher Johann Hammerschmid entwickelt. Das Fahrwerk besteht aus einer zweiarmigen Schwinge, die wie Spürbeine einer Fliege aussehen. Eine klassische Frontgabel fehlt dem Motorrad. Die Achse ist rund 5 Zentimeter kürzer, was dazu führt, dass die Lenkerdrehung früher stoppt als bei einem normalen Motorrad. Die Johammer J1 ist ein futuristisches Töff-Modell, das nicht einmal mehr mit einem herkömmlichen Schlüssel gestartet wird. Ein Sensorarmband wird rechts an den Motorradbauch gehalten und schon leuchten die LED-Displays auf. Diese sind in den Seitenspiegel des Motorrads eingelassen. Links ist die Fahrgeschwindigkeit ablesbar, rechts ist der Akkuladestand angegeben. Noch 84 Kilometer, bis die Johammer J1 wieder Strom braucht. Insgesamt reicht ein voller Akku für rund 200 Kilometer. Das giftgrüne Motorradinsekt ist deutlich leichter als der BMW Elektroroller - nur
178 Kilogramm Leergewicht bringt das Zweirad auf die Waage.

Ein gutes Gefühl

Motorrad fahren ohne Lärm, Vibration und Abgas, dafür aber mit einer deutlich schnelleren Beschleunigung. Das sind die Gemeinsamkeiten der beiden Test-Motorräder. Das Geräusch fehle ihm nicht, sagt Chopard-Acklin, der privat ein Elektroauto fährt: «Ich fühle mich beim Fahren besser, weil ich weiss, dass ich die Umwelt weniger belaste.»

Die beiden Elektromotorräder in der Umwelt-Arena können Probe gefahren werden. Sie sind auf der Strasse zugelassen. Sie haben aber ihren Preis: Der BMW Roller kostet rund 17 000 Franken, der futuristische Cruiser gar 30 000 Franken. Dieser ist aber nur in limitierter Auflage erhältlich.