Der Strassenbereich beim Schlieremer Bahnhof soll verändert werden. Doch wie genau, das ist eine grosse Frage, um die die Diskussion immer wieder neu entflammt. Zum Beispiel jetzt: Am Freitag werden die Gemeinderäte Markus Weiersmüller (FDP), Sarah Impusino (CVP) und Boris Steffen (SVP) im Schlieremer Stadthaus eine Volksinitiative zur Vorprüfung einreichen, wie Weiersmüller gestern gegenüber der Limmattaler Zeitung bekannt gab. Die drei Parlamentarier besetzen das Co-Präsidium der neuen Volksinitiative «für eine verkehrsberuhigte und überschaubare Gestaltung der Strassen im Bahnhofsbereich». Ihre drei Parteien CVP, FDP und SVP stehen alle hinter der neuen Initiative.

Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP) wird die Unterschriftenbögen zur juristischen Vorprüfung in Empfang nehmen. In ein paar Wochen könnten dann die Initianten mit dem Sammeln der Unterschriften beginnen.

Tempo 30 statt 20 gefordert

Das Ziel der neuen Volksinitiative: Das ganze Gebiet zwischen Goldschlägi- und Grabenstrasse, inklusive Letzterer, soll durchgehend zu einer normalen Tempo-30-Zone mit Fussgängerstreifen werden. Dazu gehört auch die Güterstrasse, die von der Goldschlägistrasse am Bahnhof vorbei zur Grabenstrasse führt.

Zur Erinnerung: Im Dezember entschied sich das Schlieremer Stadtparlament noch für den Vorschlag der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Der RPK-Vorschlag sieht eine verkürzte Begegnungszone vor. Der Stadtrat, der eine grössere Begegnungszone wollte, hatte das Nachsehen. Im Nachhinein freut man sich bei den Bürgerlichen aber nicht wirklich, die Begegnungszone verkürzt zu haben. So sagt Weiersmüller: «Den Kompromiss einer verkürzten Begegnungszone hätten wir gar nicht eingehen dürfen. Wir waren uns der zahlreichen Mängel und Gefahrenherde der Begegnungszone nicht bewusst.» Die Rede ist von den sogenannten Strassenmöblierungen, aber auch von den Bäumen, die aus Sicht der Bürgerlichen an kritischen Orten platziert werden: «Wir haben die Pläne genau studiert. Ein Baum beim Restaurant Corona wird mitten im Fussgängerstrom zu stehen kommen, sodass die Leute auf die Strasse ausweichen werden», macht Weiersmüller geltend. Die bürgerlichen Initianten sehen in der Begegnungszone ganz grundsätzlich ein Sicherheitsrisiko. «E-Bikes zum Beispiel werden auch mit mehr als 20 Kilometern pro Stunde durch die Zone fahren dürfen, ohne dass jemand eine rechtliche Handhabe gegen sie hätte», argumentiert Weiersmüller.

Die Linke, die eine erweiterte Begegnungszone befürwortet, hatte noch im Dezember eine Initiative für eine längere statt eine verkürzte Begegnungszone lanciert. Im April reichten die Initianten rund 300 Unterschriften ein. Die Linke gab sich damals siegessicher im Hinblick auf eine Volksabstimmung.

Doch nun erwächst ihr also mehr Konkurrenz. Aus der Wirtschaft hat bereits die Detaillistenvereinigung Pro Schlieren Unterstützung für die bürgerliche Volksinitiative zugesichert, wie Weiersmüller gestern sagte. Weitere Organisationen könnten folgen. «Wir haben in zahlreichen Gesprächen gemerkt, dass viele Schlieremer gar keine Begegnungszone beim Bahnhof möchten», sagt Weiersmüller weiter. Zudem stört er sich daran, dass es von verschiedener Seite hiess, dass Fussgängerstreifen in Tempo-30-Zonen gar nicht möglich seien. «Dabei besteht beispielsweise in Uitikon direkt vor der Bäckerei Bode ein solcher», so Weiersmüller. Weitere Beispiele gibt es an verschiedenen Orten im Limmattal. Ziel der Initianten ist es, dass über ihre Initiative gleichzeitig abgestimmt wird wie über die Initiative der Linken.

Mit von der Partie ist auch alt Stadtpräsident Peter Voser, heute Präsident des Hauseigentümerverbands Schlieren. Für ihn ist klar, dass eine übersichtliche 30er-Zone nicht nur sicherer, sondern auch günstiger wäre.

Weiersmüller hat auch grundsätzliche Kritik: «Wir begrüssen es zwar, dass die grösstmögliche Standortqualität erzielt werden soll. Eine gefährliche Begegnungszone trägt aber nichts Positives dazu bei.»