Vor allem in der Stadt Zürich ist «Wastee» seit dem offiziellen Start Mitte Oktober beliebt. Dort ist das Netzwerk aktiver Nutzer am dichtesten. Der digitale «Lebensmittel-Flohmarkt», wie die für iOS und Android verfügbare App auf der eigenen Website beworben wird, wurde bisher rund 3200 Mal heruntergeladen und verzeichnet knapp 800 aktive Nutzer. «Das Interesse an ‹Wastee› ist seit Beginn sehr gross und wir sind mit der Entwicklung absolut zufrieden», sagt Gründer Remo Furrer. Im März präsentierte der Geroldswiler das Konzept: Wer etwa Joghurt, Teigwaren oder Gemüse übrig hat, kann die nicht mehr benötigten Nahrungsmittel auf der Plattform an seine Nachbarn günstig weiterverkaufen (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Mit «Wastee» will Furrer ein Zeichen gegen Foodwaste setzen. Denn Schweizer Haushalte werfen laut WWF Schweiz pro Jahr Esswaren im Wert von 500 bis 1000 Franken weg. Weltweit gehen ein Drittel aller Lebensmittel verloren, bevor sie auf dem Teller landen, wie Zahlen der Welternährungsorganisation FAO zeigen.

Dass «Wastee» zum Start vor allem in der ideologisch grün geprägten Stadt Zürich auf viel Anklang stösst, verwundert nicht. Vor der eigenen Haustür sei es schwieriger, Nutzer für die Plattform zu gewinnen: «Im Limmattal sind wir noch nicht so stark vertreten, arbeiten aber hart daran», sagt Furrer.

Erste Angebote im Limmattal

Ein Blick in die App mit Standort Dietikon zeigt im Umkreis von 10 Kilometern immerhin acht Angebote – die Hälfte davon ist gratis zu haben, der Rest kostet je einen Franken. Furrer bestätigt den Eindruck, dass zurzeit auf der Plattform viel verschenkt wird. Am darauffolgenden Tag haben die meisten Angebote gewechselt, auch im Limmattal wird also rege gehandelt.

Für private Nutzer sind derzeit die ersten 20 hochgeschalteten Angebote pro Jahr kostenfrei, danach fällt eine Gebühr an. «Unser nächstes Ziel ist es, ‹Wastee› für Private für immer kostenlos zu machen», so Furrer. Dazu müssten aber wie regionale Bäckereien oder Gemüsehändler auf die Plattform aufspringen. Mit Gebühren für grössere Anbieter könnten dann private Angebote querfinanziert werden. «Wir befinden uns noch in Verhandlungen mit verschiedenen Betrieben», sagt Furrer.

Mit Umweltschutz Geld sparen

Der 25-Jährige möchte seinen Mitmenschen zeigen, dass sie etwas zum Umweltschutz beitragen und dabei auch noch Geld sparen können. Er beobachte einen gesellschaftlichen Wandel. «Wir leben immer mehr in einer Sharing Community. Teilen ist cool geworden», sagt er. Auch in Medien und Politik werde die Verschwendung von Lebensmitteln vermehrt zum Thema.

Angesprochen auf die vielleicht grösste Hürde für seine Idee, dem fehlenden Vertrauen in die eigenen Nachbarn, sagt Furrer: «Man sagte einst auch ‹Airbnb› eine schwere Zukunft voraus.» Grund zur Sorge gäbe es nicht – bereits geöffnete Verpackungen oder gekochtes Essen dürfen auf der Plattform nicht geteilt werden.

Die Lancierung von «Wastee» ist geglückt, doch die App steckt noch in ihren Anfängen. Furrer sagt, er bekomme sehr viel positives Feedback und auch Vorschläge für zukünftige Änderungen. «Wir haben noch viele Ideen, um «Wastee» auszubauen, und werden diese nach und nach in unsere Plattform integrieren.»