Limmattal
Teenie-Mutter Ramona: Zwischen Ufzgi und Windeln

Ramona Lüthis Leben hat sich komplett verändert, aber nicht zum Schlechten. Mit 17 Jahren wurde sie Mutter – das war für Ramona aber kein Grund, ihre Lehre abzubrechen.

Sabine Arnold
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Junge Mutter: Ramona Lüthi war erst 17 Jahre alt, als die heute einjährige Alisha zur Welt kam. Marc Dahinden

Junge Mutter: Ramona Lüthi war erst 17 Jahre alt, als die heute einjährige Alisha zur Welt kam. Marc Dahinden

Ramona Lüthi ist eine Exotin. Die 18-Jährige ist bereits Mutter einer einjährigen Tochter. Als hochschwangere Minderjährige habe sie die Aufmerksamkeit von Unbekannten erregt, erzählt sie. «Die Leute starrten mich an. Ich hätte ihnen am liebsten gesagt, ich sei zwar schwanger, aber nicht blind.» Jetzt, wo Alisha auf der Welt ist, denken Aussenstehende manchmal, Ramona sei ihre grosse Schwester. Mütter im Teenageralter sind in der Schweiz ziemlich selten.

Die junge Mutter, die in Stiefeln und Jupe im Café sitzt, wirkt älter, als sie ist. Die kleine Alisha auf ihrem Schoss will bald runter, von der Mutter gestützt macht sie ein paar Schritte, noch wacklig, hält sich am Sessel fest.

Ein «Verhütungsunfall»

Ramona Lüthi wurde wegen eines «Verhütungsunfalls» schwanger, wie sie sagt. Aufgeklärt hätten sie vor allem ihre Eltern. In der Schule habe sie auch Aufklärung gehabt, aber nichts Neues dazugelernt. Sie wusste nicht, dass die Panne während ihrer fruchtbaren Tage geschah. «Das hat mich gar nicht interessiert.» Die Beziehung zum Vater von Alisha zerbrach, noch bevor sie wusste, dass sie tatsächlich ein Kind bekommt.

Gemeinsam mit ihren Eltern wartete Ramona Lüthi auf das Resultat. Sie war schockiert, sprachlos. Ihre Eltern behielten die Nerven und begannen zu planen. «Ich weiss nicht, ob ich es ohne ihre Unterstützung hingekriegt hätte.» Denn für Ramona Lüthi kam eine Abtreibung nie infrage. Ihr Ex-Freund habe ihr zuerst vorgeschlagen abzutreiben, ihre Entscheidung aber später akzeptiert. Jetzt habe er auch richtig Freude an seiner Tochter.

Als Caroline Lüthi Grossmutter wurde, war sie erst 46 Jahre alt. «Ich verlor den Boden unter den Füssen, als ich realisierte, dass Ramona schwanger ist. Wir hatten selber auch noch Träume und Pläne», sagt sie. «Mein Mann meinte aber, dass wir das zusammen durchstehen. Wir waren dankbar, dass Ramona eine Abtreibung ausschloss.» Die Schwangerschaft war schlimm. Die 17-Jährige erbrach jeden Morgen, fast neun Monate lang. Sie sei sehr dünnhäutig und «immer sofort auf 180» gewesen. Ramona Lüthi macht eine KV-Lehre bei Login, einem Ausbildungsverbund von über 60 Firmen der Verkehrsbranche. Die Lehrlinge wechseln im Halbjahresrhythmus ihren Arbeitsplatz.

Weiter im Job

Ramona Lüthi wird nicht nur von ihren Eltern unterstützt, sondern hat auch das Glück, trotz Kind ihre Lehre beenden zu können. Auch das kommt bei Teenagermüttern eher selten vor. Bereits im vierten Schwangerschaftsmonat teilte sie ihren Ausbildnern mit, dass sie schwanger ist. Diese schlugen ihr zuerst eine jährige Pause nach der Geburt vor. Die Berufsschule sowie eine Beratungsstelle empfahlen aber, dranzubleiben. Wieder einzusteigen, ist schwierig. Schliesslich pausierte die junge Mutter im Job 16 Wochen, 8 Wochen in der Schule. Seither arbeitet sie 80 Prozent in der Betriebszentrale in Altstetten. Den stündigen Arbeitsweg kann sie für die Hausaufgaben nutzen. In der Schule laufe es immer noch gut, sagt sie. Sie war vorher bereits eine gute Schülerin gewesen.

Alisha quengelt . «Das ist der Hungerton», sagt Ramona Lüthi und kippt geschickt Wasser und bereits dosiertes Milchpulver im Schoppen zusammen. Mutter und Kind bewohnen das oberste von drei Stockwerken im Haus der Eltern in Schottikon, das zu Elsau gehört. Alishas zwei Grossmütter kümmern sich je zwei Tage um sie. Beide Grosseltern unterstützen sie auch finanziell. Mit dem Lehrlingslohn und den Kinderzulagen käme die Mutter sonst nicht durch. Weil sie bei der Geburt noch minderjährig war, hat Alisha eine Vormundin, die vor allem beim «Papierkram» geholfen habe. Reingeredet habe nie jemand.

Grossmutter Caroline Lüthi sagt: «Wir haben abgemacht, dass wir die Kleine nach Ramonas Prinzipien erziehen. In der Nacht steht in der Regel auch sie auf. In den Ferien flogen wir alle zusammen nach Fuerteventura, mein Mann und ich eine Woche früher. Wir gönnten uns eine Auszeit. Alisha ist aber auch für uns ein riesiges Geschenk.»

Nie ein Partygirl

Ramona Lüthis Leben hat sich komplett verändert, aber nicht zum Schlechten, sagt sie. Sie sei nie ein Partygirl gewesen und die wirklich guten Freunde seien ihr auch geblieben. Seit Oktober verbringe Alisha jedes zweite Wochenende beim Vater und den anderen Grosseltern. «So habe ich auch mal Zeit für meine Freunde.» Ramona Lüthis nächstes Ziel ist die Lehrabschlussprüfung, und sie plant bereits weiter: Danach will sie eine Weiterbildung zur Event- und Hochzeitsplanerin machen.

Möchte sie später noch mehr Kinder haben? «Ja, wenn ich den richtigen Mann dafür finde», sagt sie, lacht und wirkt dabei zum ersten Mal im Gespräch wie eine 18-Jährige.