1. Mai
«Technogrill»: Facebook sprengt den Rahmen der privaten Feier

Kloster Fahr und Techno-Party – zwei Worte, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen. Und doch findet vor dem Kloster Fahr seit vielen Jahren der «Technogrill» statt. Diesmal haben sich allerdings 3500 Gäste angemeldet.

Julia Wartmann
Merken
Drucken
Teilen
Auch dieses Jahr findet am 1. Mai in der Nähe des Klosters Fahr der sogenannte Technogrill statt. Das Fest soll wie immer im kleinen Rahmen stattfinden.

Auch dieses Jahr findet am 1. Mai in der Nähe des Klosters Fahr der sogenannte Technogrill statt. Das Fest soll wie immer im kleinen Rahmen stattfinden.

Zur Verfügung gestellt

Den 1. Mai mit guten Freunden und Familien feiern; das wollen René Hochstrasser und seine Freunde des Höngger Clans. Seit Jahren organisieren sie am Ufer der Limmat, in der Nähe des Klosters Fahr den «Technogrill». Damit wollen sie eine Alternative zu den Veranstaltungen in der Stadt bieten. Doch dieses Jahr droht aus dem intimen Rahmen eine grössere Party zu werden.

Auf der Veranstaltungsseite auf Facebook ist über den Event zu lesen: Der «Technogrill» ist ein kleines Grillfest mit Musik im kleinen familiären Rahmen. Doch wer sich die Teilnehmerliste ansieht, staunt nicht schlecht: 3500 Gäste haben zugesagt. Diese Zahl übersteige jene der letzten Jahre um ein Vielfaches, sagt Hochstrasser. Doch er ist sich sicher: «Niemals werden so viele Leute unser Fest besuchen.» Seit über zehn Jahren organisiert er diese Party bereits und noch nie seien mehr als 400 Gäste erschienen. Weil ihn das Rieseninteresse an seiner Party auf Facebook aber doch erstaunte, begann Hochstrasser die Teilnehmerlisten durchzusehen. Dabei stiess er, im Gegensatz zu anderen Jahren, auf viele unbekannte Gesichter.

Hochstrasser glaubt, dass kommerzielle Veranstalter seinen Event nutzen wollen, um auf diesem Weg Werbung für ihre eigenen Klubs zu machen. Indem sie sich für die Party anmelden, erhalten sie Zugriff auf die Namen unzähliger Partygänger mit einer Vorliebe für Techno. Bei einer Internetrecherche stiess Hochstrasser sogar auf Partyveranstalter in Indien, die ihren Nutzern sein Grillfest anpriesen. Er bat sie, die Einträge zu löschen.

Zusammenarbeit mit Gemeinde

Der Erfolg der Veranstaltung beruhe unter anderem auf der vorbildlichen Zusammenarbeit mit der Gemeinde Unterengstringen, sagt Hochstrasser. Bei dieser hat man über die beiden Veranstalter nur Gutes zu berichten. Der Platz sei immer sauber hinterlassen worden und auch die Anwohner fühlten sich von dem privaten Anlass jeweils nicht gestört, sagt Gemeindepräsident Peter Trombik. Doch auch er habe vernommen, dass sich auf Facebook sehr viele Besucher angemeldet haben. «Ich hoffe, dass es den Veranstaltern auch dieses Jahr gelingt, das Grillfest im kleinen Rahmen zu halten», so Trombik. Ein weiterer Grund für die breite Akzeptanz sei, dass sich der Höngger Clan immer an die vereinbarten Zeiten gehalten hätte: Die Veranstaltung dauert zwölf Stunden – von 10 bis 22 Uhr. Dieses Jahr findet in Glattbrugg eine sogenannte «Afterhour-Party» statt. Die Gäste werden in Shuttle-Bussen vom Kloster Fahr dorthin gebracht, wo sie in einem Klub weiterfeiern können. Dies soll garantieren, dass die abgemachten Zeiten eingehalten werden können, so Hochstrasser.

Sogar im Kloster Fahr weiss man von der Party und stört sich nicht daran. Das Fest selbst findet zwar nicht auf Klosterboden statt, doch möchten die Organisatoren wie in den letzten Jahren ein WC-Häuschen beim Parkplatz, der zum Klostergrund gehört, aufstellen. Priorin Irene heisst diese Idee gut: «Es scheint mir sorgfältig überlegt, dort eine mobile Toilette aufzustellen.» Das sei ihr lieber, als wenn sich die Gäste in dem nahe gelegenen Wäldchen erleichterten. Sauberkeit und Hygiene ist dem Höngger Clan äusserst wichtig. Vor sowie nach der Party werde «gefötzelt», was das Zeug hält, sagt Hochstrasser.
Ihm und Bangerter ginge es bei dem Event nicht darum, Geld zu verdienen – Eintritt verlangen sie keinen.

Wer will, kann sich über ein «Spendenkässeli» an den Unkosten beteiligen. Die Ausgaben belaufen sich vor allem auf die Miete des WCs sowie Kohle für den Grill, so Bangerter. Da der Höngger Clan auch eigene Musik produziert, sind DJ-Pult und Soundanlage sowieso vorhanden. Bei der Soundanlage handle es sich um ein 900-Watt-System, sagt Hochstrasser. «Damit kann man gar nicht so laute Musik abspielen.» Bei der richtigen Ausrichtung der Boxen, nämlich über den Fluss auf das leer geräumte Gelände des Kühlschrankherstellers Sibir, werde so oder so niemand von der Musik gestört. Lärmklagen gab es bis jetzt noch nie, sagt Bangerter.

Keine «Lämpen» mit der Polizei

Auch Probleme mit der Polizei wegen Drogenkonsums haben sie bisher noch nie erlebt. Technopartys stehen gemeinhin im Ruf, dass dort Drogen konsumiert werden. Hochstrasser dementiert dies zwar nicht, lässt aber verlauten: «Wir wollen eine Party veranstalten, an der die Leute keine Drogen nehmen müssen, um Spass zu haben.»

Falls morgen doch mehr Personen als erwartet am «Technogrill» auftauchen sollten, kann der Höngger Clan auf die Unterstützung der Polizei zählen. «Sie haben uns angeboten, Leute wegzuweisen, falls wir das wünschen», sagt Hochstrasser. Er pflege seit vielen Jahren einen engen Kontakt zu den zuständigen Beamten. Er hoffe jedoch, dass diese Massnahme nicht nötig sein werde. «Es ist ein familiärer Anlass und es macht keinen Sinn, quer durch die Schweiz zu reisen, um daran teilzunehmen», schreibt er auf Facebook.