Dietikon
Taxistreit geht weiter: Zürcher Stadttaxis wildern auch im Limmattal

Im Taxigewerbe hängt der Haussegen schief. Eine Umfrage auf den öffentlichen Standplätzen am Dietiker Bahnhof zeigt: Taxis aus der Stadt Zürich wildern im Revier der Limmattaler Taxiunternehmen.

Pablo Rohner
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Taxifahrer warten an den öffentlichen Standplätzen beim Bahnhof Dietikon auf Kundschaft.

Taxifahrer warten an den öffentlichen Standplätzen beim Bahnhof Dietikon auf Kundschaft.

Pablo Rohner

Mit diesem Vorwurf drehen die regionalen Taxifahrer den Spiess um, nachdem Fahrer der Stadt Zürich letzte Woche für besseren Schutz vor den Landtaxis demonstrierten. Die Konkurrenz von ausserhalb der Stadt nehme jedes Wochenende mehr Fahrten weg, erklärten die aufgebrachten Stadtzürcher Chauffeure. Sie forderten unter anderem die Beschränkung von Taxikonzessionen und polizeiliche Kontrollen der Taxis auf städtische Betriebsbewilligungen.

«Wir machen kein Theater»

Kurz vor Mittag ist nicht viel los auf den Dietiker Taxiständen. Die Taxifahrer lehnen an den Türen ihrer Autos und unterhalten sich. Einige rauchen, andere hören die Radionachrichten. Sie fahren nicht nach Zürich, um Kundschaft zu suchen. Ein Chauffeur der Limmat-Taxi GmbH sitzt in seiner Mercedes-Limousine und liest Zeitung. Er versteht die Kollegen nicht, die in die Stadt fahren, um einen Transport zu bekommen. «Tagsüber sind die Strassen in Zürich immer so verstopft, da kommst du gar nicht durch», sagt der Taxifahrer, der nicht namentlich genannt werden will. Höchstens an den Wochenenden, wenn Partygänger zu Dutzenden vor den Clubs nach Taxis winken, um nach Hause zu kommen, sei das vielleicht lukrativ.

Genau dasselbe spiele sich aber an den Wochenenden auch im Limmattal ab. Dann gebe es in der Region lohnende Transporte zu holen. Auch solche bis tief in den Aargau. Das wüssten die Stadttaxis. «An Festen im Limmattal sieht man bald mehr Stadttaxis als Landtaxis», sagt er. Mit ihren Abstechern aufs Land täten die Stadttaxis genau das, was sie ihrer Konkurrenz von ausserhalb vorwerfen, so der Taxifahrer weiter. «Nur machen wir kein solches Theater daraus.» Die protestierenden Stadttaxifahrer stossen sich in erster Linie an wartenden Landtaxis in den Strassen Zürichs. Er selber fährt nur auf Bestellung in die Stadt.

Stadttaxis schnappen Kunden weg

Einen ähnlichen Standpunkt vertritt ein Kollege von Regional Taxi Limmattal: «Dietikon hat mit Sicherheit ein Problem», sagt der Chauffeur, der ebenfalls nicht namentlich erwähnt werden will. Beispielsweise an Veranstaltungen in der Dietiker Stadthalle oder am Schlieremer Oktoberfest würden reihenweise Stadttaxis den regionalen Taxis die Kundschaft wegschnappen. Und die Kunden würden nicht nur für Rücktransporte nach Zürich bezahlen. «Sie unterscheiden natürlich nicht zwischen Taxis aus der Stadt und aus dem Limmattal», so der Chauffeur.

Branche spürt die Krise

Weniger aufgeregt beurteilt Bekir Karakurt, Geschäftsführer der Limmat-Taxi GmbH, die Situation. Dass Stadttaxis an die Feste in der Region kommen, sei zwar ärgerlich, aber nichts Neues. Auch beruhe dieses Verhalten auf Gegenseitigkeit, da tatsächlich viele Taxis von ausserhalb in der Stadt Zürich Transporte suchten. Karakurt zeigt daher Verständnis für den Protest der Zürcher Taxifahrer. Auch weil der öffentliche Verkehr im Grossraum Zürich so gut sei, bräuchte es weniger Taxis, als auf den Strassen unterwegs sind.

Er sieht die Probleme des Taxigewerbes tiefer liegen. Seit über zehn Jahren fährt er im Limmattal Taxi. In dieser Zeit hat er laufend Daten erhoben und seine Zielgruppen analysiert. Er kommt zum Schluss: «Die Konjunktur bestimmt das Wohl der Branche.» 70 Prozent der Kundschaft von Limmat-Taxi seien Firmen, die Geschäftsreisende per Taxi abholen oder zum Bahnhof bringen lassen. Diese Aufträge seien in den vergangenen Krisenjahren merklich zurückgegangen. Auch würden neue Kommunikationsmittel Geschäftsreisen zunehmend überflüssig machen.

Mit einer limitierten Anzahl von Taxikonzessionen und der Beschränkung der öffentlichen Standplätze am Bahnhof seien die Rahmenbedingungen in Dietikon gegeben, sagt Karakurt. Doch müssten sie besser umgesetzt werden. Er ist der Meinung, dass die sechs zugelassenen Taxiunternehmen mit einer Gesamtflotte von zwischen 10 bis 20 Taxis für Dietikon nach wie vor eine Überkapazität darstellen.