Ein Beispiel: Wer gut im Velo flicken ist, kann sich damit Zeitguthaben erarbeiten und sie gelegentlich gegen eine Rückenmassage eintauschen. «Besonders in der Diskussion um die Betreuung Betagter gewinnen Tauschkreise an Bedeutung», sagt Ruedi Winkler von der Complino-Tauschwerkstatt.

Während Jahren entwickelten sich kleine Tauschnetze weitgehend unabhängig voneinander. Doch jetzt spannen die Zürcher Tauschnetze erstmals zusammen: Am Samstag, 2. Juni, findet ein gemeinsamer Tauschmarkt im Gemeinschaftszentrum Wipkingen statt. Fünf Tauschnetze bilden dort für einen Tag eine Art Währungsunion, wie Stefan Staub, Präsident des Tauschnetzes give&get, auf Anfrage erklärt.

Das heisst: Die Zeitguthaben der Mitglieder aus den verschiedenen Tauschnetzen werden austauschbar – und damit auch deren Angebote. Beteiligt sind die fünf Tauschnetze Tauschen am Fluss, Complino-Tauschwerkstatt, give&get, Lets und Talent Schweiz. Der Markt wartet mit rund 50 Ständen auf. Neben Zeit wird laut Staub auch Geld als gemeinsame Währung akzeptiert, damit Marktbesucher, die (noch) keinem Tauschnetz angehören, ihre Einkäufe ebenfalls bezahlen können.

Weitere Vernetzungen geplant

Veranstalter des Tauschmarkts ist die IG Zürich tauscht. Die Interessengemeinschaft hat sich in den vergangenen Monaten aus den verschiedenen Stadtzürcher Tauschnetzen gebildet. Dieser Tage schaltete sie ihren Internet-Auftritt www.zuerichtauscht.ch auf. «Wir werden diskutieren, wie wir die Zusammenarbeit weiter entwickeln», sagt Staub. Vision sei, dass die Mitglieder der verschiedenen Tauschnetze auch längerfristig miteinander Tauschhandel betreiben können.

Während sich das Zusammengehen der Tauschnetze in der Stadt Zürich vorerst auf einen Tag beschränkt, geht es auf kantonaler Ebene weiter: So werden das Ämtler Tauschnetz (ab 1. Juli), der Verein alternativer Zeittausch Winterthur (ab 1. September) und der Tauschkreis Wädenswil (ab 1. November) im Laufe dieses Jahres kollektive Partnermitglieder des Talent-Tauschnetzes give&get. Sie verpflichten sich damit auf gemeinsame Spielregeln und die Austauschbarkeit der jeweiligen Zeitguthaben, wie Staub erklärt. Das Tauschnetzwerk wachse damit im ersten Jahr seines Bestehens auf rund 250 Mitglieder an.

Und die Vernetzung geht weiter: «Ziel ist, dass die Online-Tauschplattformen aller Zürcher Tauschnetze innert eines Jahres miteinander kompatibel werden», sagt Ruedi Winkler. Basis sei die bereits jetzt von allen verwendete Software Cyclos, die nun entsprechend erweitert werde. «Die Complino-Tauschwerkstatt steigt diesen Sommer ein», so Winkler.

Tauschhandel erfreut sich derzeit zunehmender Beliebtheit: Zählte das vergangenen Herbst lancierte Online-Tauschportal give&get im März noch rund 50 Stammgäste, so sind in der aktuellen Marktzeitung laut Staub bereits 75 Inserate aufgeschaltet.

Couchepin lancierte Diskussion

Dennoch: «Der Durchbruch ist noch nicht erfolgt», sagt Winkler. Er erinnert daran, dass der damalige Bundesrat Pascal Couchepin bereits 2007 die Diskussion zu einer auf nationaler Ebene einzuführenden Zeittausch-Börse von und für ältere Menschen lancierte.

Fünf Jahre später ist dieses Ziel bei weitem nicht erreicht. Doch Ansätze sind vorhanden. «In St.Gallen startet derzeit ein Pilotprojekt. Und in Luzern gibt es einen sehr lebhaften Tauschkreis», sagt Winkler. Auch die zunehmende Vernetzung der Zürcher Tauschkreise dürfte deren Potenzial steigern.

Tauschmarkt der fünf Tauschnetze in der Stadt Zürich am Samstag, 2. Juni, 14.30 bis 19.30 Uhr, Gemeinschaftszentrum Wipkingen, Breitensteinstrasse 19a.