Tierquälerei
Taubenzüchter vergiften stolze Vögel auf feige Art

Erstmals wird ein Taubenzüchter in der Schweiz angeklagt. Der 42-Jährige hat versucht, mit einer mit Gift beschmierten Taube einen Wanderfalken zu töten, erwischte mit seiner Tat aber einen Habicht. Der Mann muss sich nun wegen Tierquälerei vor Gericht verantworten.

Fabian Boller
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Der Wanderfalken-Bestand hat sich in den letzten Jahren arg dezimiert. Jenes Exemplar im Bild fing soeben eine Krähe und verspeist diese. Foto: Christoph Imseng

Der Wanderfalken-Bestand hat sich in den letzten Jahren arg dezimiert. Jenes Exemplar im Bild fing soeben eine Krähe und verspeist diese. Foto: Christoph Imseng

Christoph Imseng

Der Wanderfalke gilt als der schnellste Vogel der Welt. Er kann Höchstgeschwindigkeiten von über 320 Kilometern pro Stunde erreichen. Allerdings nützt dem stolzen Vogel diese Eigenschaft wenig, wenn er auf feige Art und Weise vergiftet wird. So wurden in der Schweiz in den letzten Jahren an diversen Orten geschützte Wanderfalken von dubiosen Taubenzüchtern vergiftet. Die Polizei und die Vogelschützer fanden zwar Verdächtige. Rechtskräftig verurteilt wurde aber bis heute niemand.

Dies ändert sich vielleicht am 4. Juli. Vor dem Bezirksgericht Dielsdorf muss sich dann ein 42-jähriger Taubenzüchter verantworten. Er hat versucht, mit einer mit Gift beschmierten Taube einen Wanderfalken zu töten, erwischte mit seiner Tat aber einen Habicht. Der Mann muss sich nun wegen Tierquälerei, mehrfacher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und wegen Vergehens gegen das Chemikaliengesetz verantworten. So ist die vom 42-Jährigen eingesetzte Substanz Furadan 35-ST in der Schweiz verboten.

Zudem hatte der Mann bei der Haltung seiner Tauben die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes missachtet. Er hielt zu viele Tauben auf zu engem Raum. Wie die zuständige Staatsanwältin gegenüber der «NZZ» sagt, ist der Taubenzüchter geständig.

Von Kamera eingefangen

Den Verdacht, dass die Züchter sogenannter Hochflugtauben die Wanderfalken vergiften, hatte der Schweizer Vogelschutz SVS/Birdlife Schweiz schon lange. 2011 tauchte dann der erste Beweis auf. So zeigt eine Kamera am Kamin der Stadtzürcher Kehrichtverbrennungsanlage, wie ein Wanderfalke mit dem Verzehr einer Taube beginnt und schliesslich tot umkippt. Eine Arbeitsgruppe des Vogelschutzes nahm daraufhin Recherchen auf und stiess auf weitere Vergiftungsfälle. Von Vogelschützern aus Serbien kam der Hinweis auf Blogs von in der Schweiz lebenden serbischen Taubenzüchtern. Diese beschrieben im Internet, wie sie mittels giftiger «Kamikaze-Tauben» Jagd auf die Wanderfalken machen.

Im Kanton Zürich ist laut Raffael Ayé, Programmleiter Artenschutz bei Birdlife Schweiz, nur ein einziges Wanderfalkenpaar registriert. Und dieses brüte nicht einmal. In der ganzen Schweiz leben laut Ayé rund 300 bis 400 brütende Paare. «In der Nordostschweiz und im Kanton Zürich hat sich der Bestand in den letzten Jahren arg dezimiert», sagt Ayé. Man müsse davon ausgehen, dass die Vergiftungsaktionen mit ein Grund dafür seien. Allerdings sei auch die Zunahme der Uhus mitverantwortlich für den Rückgang. Der Uhu ist im Gegensatz zu den Taubenzüchtern ein natürlicher Feind der Wanderfalken.

Sofort die Polizei alarmieren

Ayé empfiehlt, wenn man einen toten Wanderfalken zusammen mit einer toten Taube antreffe, sofort die Polizei zu alarmieren. Auch Birdlife sollte informiert werden. «Beim Töten einer geschützten Tierart handelt es sich um ein Offizialdelikt. Die Polizei muss also Ermittlungen aufnehmen, auch wenn keine Anzeige erstattet wird», so Ayé. Die toten Vögel dürften auf keinen Fall berührt werden. Bei Furadan 35-ST handle es sich um ein Kontaktgift, das insbesondere für Kinder sehr gefährlich sei. «Man sollte deshalb bei dem Vogel bleiben, bis die Polizei eintrifft und die Stelle absichert», rät der Vogelschützer.

Für die Kantonspolizei Zürich hat Ayé viel Lob übrig. Sie habe ihre Arbeit im aktuellen Fall sehr gut gemacht. Landesweit lasse die Unterstützung der Behörden aber teils zu wünschen übrig. «Insbesondere von den kantonalen Jagdverwaltungen, welche für den Artenschutz verantwortlich sind, wäre zum Teil etwas mehr Engagement für den Wanderfalken wünschenswert», sagt er.

Neues Paar am Brüten

Am Hochkamin in Zürich hat sich laut dem Magazin «Tierwelt» mittlerweile wieder ein Wanderfalkenpaar niedergelassen. SVS/Birdlife Schweiz will laut Medienmitteilung alles daransetzen, dass es erfolgreich brüten kann.