Mordfall

Tatort Weininger Weiher: Sein Krimi spielt im Limmattal

In Markus Matzners Krimi stirb ein Mädchen beim Weininger Weiher.

In Markus Matzners Krimi stirb ein Mädchen beim Weininger Weiher.

In seinem fünften Krimibuch «Rebenrausch» verbindet der Oberengstringer Autor Markus Matzner seine Leidenschaft fürs Schreiben und Winzern.

Ein Nebelschleier liegt über dem Weininger Weiher. Laut schimpfend zieht eine Schar Krähen über das Gewässer. Ihre Silhouetten spiegeln sich auf der Wasseroberfläche, genauso wie die alten Birken, deren Laub bereits ein leichtes Gelb angenommen hat. Diese verwunschene und düstere Kulisse dient Markus Matzner in seinem neuen Krimi «Rebenrausch» als Tatort. «Dort hinten kommen sich der junge Winzer Tariq Rathgeb und die Bündnerin Lara Maruck anlässlich des Weininger Winzerfests näher», sagt Matzner und zeigt auf die Wiese neben einem Bänkchen am Ufer. «Wenige Stunden später findet man die Leiche der jungen Frau hier vorne neben dem Findling», sagt Matzner und blickt auf den grossen Stein neben dem Schilf.

Überführt wird schliesslich der Winzer. Obwohl er seine Unschuld beteuert, geht Tariq Rathgeb für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. «Als er freikommt, rollen der pensionierte Engstringer TV-Produzent Nico Vontobel und der Kripo-Beamte Jean-Jacques Trümpi den Fall neu auf und stossen auf ungeheure Ermittlungslücken», erzählt Matzner.

«Mein Buch hinterfragt Vorurteile und beschäftigt sich mit dem Thema Gerechtigkeit.»

«Mein Buch hinterfragt Vorurteile und beschäftigt sich mit dem Thema Gerechtigkeit.»

Die fiktive Geschichte baut auf seinen vorhergehenden Krimi-Büchern auf. So löst Portagonist Nico Vontobel, bereits zum vierten Mal einen Mordfall. Dass die Figur autobiografische Züge mit ihm aufweist, verneint Matzner. «Ich bin zwar Journalist und war früher Produzent beim Schweizer Fernsehen, aber Nico ist ein ganz anderer Typ als ich.» Mit Vontobel teile er lediglich den gleichen Wohnort und seine Leidenschaft für das Winzern, meint der Autor und schmunzelt.

Matzner pachtet drei Rebfelder in Weiningen und stellt mit seiner Frau und einem Kollegen Weiss-, Rot- und Roséwein in einem kleinen Keller im Rebbaudorf her. Pro Jahr produzieren sie etwa 1500 Flaschen. Beruflich ist er Chefredaktor der Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau.

«Der Ort hat etwas Mystisches, er reizt mich»

Die Idee für den fünften Krimi hatte der 55-Jährige schon länger. Seit über 20 Jahren lebt der am Bodensee aufgewachsene Autor im Limmattal. Bereits oft spazierte er am Weininger Weiher vorbei. «Der Ort hat etwas Mystisches, er reizt mich.» Kein Wunder, dass ihm bald die Idee kam, seinen nächsten Krimi dort spielen zu lassen. «Doch mir fehlte eine Figur, die die Geschichte gehaltvoll macht und die stark mit dem Limmattal verbunden ist», sagt Matzner. In Imkerin und Hilfspöstlerin Rita Hediger fand er schliesslich das fehlende Glied in der Erzählung. «Auch wenn es in Realität unbewohnt ist, lebt Rita Hediger in meiner Geschichte im Holzhaus da hinter dem Schilfgürtel», sagt Matzner und deutet auf das Imkerhäuschen, das versteckt hinter den Bäumen liegt. Die Imkerin bringt denn auch Licht ins Dunkle des Mordfalls.

Matzner arbeitete drei Jahre lang in der Freizeit an der Geschichte. Lange rang er mit sich, ober er wieder einen Krimi erzählen soll. «Braucht die Welt noch mehr gewalttätige, unmoralische Krimis?», habe er sich gefragt. Deshalb beschloss er, den Fokus nicht auf den Mord, sondern auf die psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte zu legen. «Mein Buch hinterfragt Vorurteile und beschäftigt sich mit dem Thema Gerechtigkeit. Nicht nur Tariq Rathgeb und Lara wird Unrecht getan, sondern auch Rita Hediger.»

«Rebenrausch» gefalle ihm von all seinen Werken am besten. «Die Geschichte ist stimmig und rund. Zudem vereint es meine beiden Leidenschaften, das Schreiben und das Winzern», sagt Matzner. Als Journalist komme die Fantasie manchmal zu kurz, man sei an Textlängen gebunden. «Als Autor habe ich künstlerische Freiheit. Es ist ein zeitintensives Hobby und ich geniesse es, dass ich die Geschichten manchmal drei, vier Wochen ruhen lassen kann.» Wenn er den Text wieder lese und ihn immer noch gut finde, dann wisse er, dass er auf dem richtigen Weg sei. Er habe nicht die Illusion, dass «Rebenrausch» zu einem Bestseller werde. «Ich wünsche mir einfach, dass die Leser Freude an der Geschichte haben und sie mein Buch am Schluss mit einem befriedigten und guten Gefühl zur Seite legen können.»

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Autor

Sibylle Egloff

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