Tanznachmittag
Tanznachmittag im Ochsen: Es fehlte nur an tanzwilligen Männern

Helga Burri und Marlene Schicker haben sich hübsch gemacht. Aber da die Männer am Tanznachmittag im Ochsen in der Unterzahl waren, mussten sie halt miteinander tanzen. Man müsste einen Aufruf machen, damit mehr Männer kämen, schlägt Helga Burri vor.

Franziska Schädel
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Tanznachmittag in Dietikon
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Selbst ist die Frau, wenn keine Männer da sind, tanzt man eben unter sich
Auch das gemütliche Beisammensein gehört bei einer Tanzveranstaltung dazu
Ein bunter Reigen

Tanznachmittag in Dietikon

Limmattaler Zeitung

Fritz blickt prüfend in die Runde. Welche Frau tanzt mit ihm wohl diesen Walzer? Dann klopft er der adretten, grauhaarigen Dame dezent auf die Schulter - und sie lässt sich nicht zweimal bitten. Im Ochsen ist Tanz. Fritz ist 93. Aber gelernt ist gelernt, die Schritte sitzen. Fritz dreht seine Partnerin gekonnt übers Parkett. Zeit für ein Interview hat er erst später, die Musik ist grad so schön. Rechts zwei drei, links zwei drei. Am liebsten tanzt Fritz einen Charleston.

Helga Burri und Marlene Schicker haben sich hübsch gemacht. Schöne Bluse, Schmuck. Weil es zu wenig Männer im Saal hat, tanzen die beiden Damen eben zusammen. «Wir führen beide ein wenig.» Geht denn das beim Tanzen? «Losed Sie Frau Küenzi, es bizli gwaggle müend Sie...», spielt das Duo Noldi Schuler aus Urdorf. Gemächlich drehen und wiegen sich die beiden Damen zur Musik. «Man müsste mal einen Aufruf machen, damit mehr Männer kommen», meint Helga Burri.

Lederschuhe müssen es sein

Nicht alle Tänzerinnen und Tänzer wollen ihren Namen in der Zeitung lesen. Marie Therese Aschwanden und Alfred Menzi aus Dietikon ist das egal: «Wir waren letzte Woche schon mal mit einem Bild unseres Steingartens in der Zeitung», strahlt sie und er nickt. «Als meine Frau starb, musste ich wieder eine Beschäftigung haben.» Die beiden lernten sich beim Tanzen kennen. Eine Seniorin huscht aus dem Saal. «Ich muss die Schuhe wechseln, mit diesen kann ich nicht tanzen.» Klar, weiss Marie Therese Aschwanden: Lederschuhe müssen es sein.

Walzer, Polka, Foxtrott. Für den Tanz haben die Männer die Sonntagshosen mit den Bügelfalten und das elegante Hemd aus dem Schrank geholt. Helga Burri erinnert sich: «Früher, da hab ich auch Charleston und Rock'n'Roll getanzt.

Wir hatten dann so gerade Röcke an und Stögelischuhe.» «Ja, und einen Petticoat», ergänzt Marlene Schicker verschmitzt. Fritz meint, den Charleston, den könne heute kaum jemand mehr. Er hat das Tanzen mit 16 von seinem älteren Bruder gelernt und er geht noch heute zweimal pro Woche aufs Parkett. «Etwas muss ich ja machen - ich kann ja nicht jeden Tag auf den Üetliberg rauflaufen.»
Warm wird es den Tänzerinnen und Tänzern, auch ohne Rock'n'Roll und Charleston. Hans-Rudolf Merki, Leiter der Pro Senectute Ortsvertretung Dietikon, tanzt nur im Notfall.

Lieber organisiert er Anlässe wie diesen für Seniorinnen und Senioren. «Tanznachmittage sind ein Bedürfnis. Die älteren Leute schätzen die Geselligkeit», erzählt er. Nur mit der Musik, da hatte er Pech. Im letzten Moment musste er für Ersatz sorgen, weil der bisherige Alleinunterhalter aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Aber auch mit dem Duo Noldi Schuler lässt es sich flott das Tanzbein schwingen.