Dietikon
Tagsüber Banker, abends Breakdancer: «Es ist eine Gewohnheitssache»

Leonardo Tirabassi steht morgen im Vorprogramm von The Dance auf der Hallenstadion-Bühne.

Pascal Gut
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Für seine Leidenschaft tut er viel: Der 27-jährige Leonardo Tirabassi aus Dietikon übt für seinen morgigen Auftritt im Zürcher Hallenstadion.

Für seine Leidenschaft tut er viel: Der 27-jährige Leonardo Tirabassi aus Dietikon übt für seinen morgigen Auftritt im Zürcher Hallenstadion.

Pascal Gut

Wenn morgen Abend einige der talentiertesten Tänzerinnen und Tänzer der Schweiz auf der Bühne des Zürcher Hallenstadions herumwirbeln, ist auch ein Dietiker unter ihnen. Der 27-jährige Leonardo Tirabassi ist einer von 20 Tänzern, die sich für den Einzug ins grosse Finale der Tanzveranstaltung The Dance qualifiziert haben. In zwei Teams werden sie morgen als Vorgruppen der weltbesten Urban Dance Crews gegeneinander antreten. Bevor es so weit ist, haben er und seine Teamkollegen zwei Wochen lang mit dem erfahrenen Choreografen Björn «Buz» Meier trainiert.

«Ich kenne Buz schon seit längerem», erzählt Leonardo. Die Gelegenheit, mit ihm als Choreografen arbeiten zu können, sei denn auch einer der Gründe gewesen, wieso er sich für die Tanzveranstaltung habe qualifizieren wollen. Und: «Ich bin natürlich sehr gespannt darauf, wie es sein wird, im Hallenstadion auf so einer grossen Bühne zu tanzen.»

Schon im Alter von 13 Jahren hat Tirabassi, der in Windisch im Kanton Aargau aufgewachsen ist, mit Breakdance angefangen. «In der Jugi gab es einige Jungs, die Breakdance machten, und das hat mir wahnsinnig gut gefallen», sagt er. Bald schon begann er, Kurse zu besuchen und ein- bis zweimal pro Woche zu trainieren.

«Mein Ziel ist es einfach, immer besser zu werden und möglichst lange tanzen zu können.» Leonardo Tirabassi, Hobbytänzer aus Dietikon

«Mein Ziel ist es einfach, immer besser zu werden und möglichst lange tanzen zu können.» Leonardo Tirabassi, Hobbytänzer aus Dietikon

Zur Verfügung gestellt

Während andere in seinem Alter mit der Zeit wieder mit Breakdance aufhörten oder ein anderes Hobby für sich entdeckten, wuchs seine Begeisterung stetig weiter. Im Jahr 2009 gründete er schliesslich mit befreundeten Tänzern seine eigene Crew, die sich D.Point.C nennt. «Danach wurde alles viel intensiver», erzählt er. «Wir nahmen an Wettbewerben teil und trainierten gemeinsam, so viel wir konnten.»

Nicht der Wettkampf treibt ihn an

Inzwischen besucht die Gruppe beinahe jedes Wochenende Wettbewerbe und Anlässe in der Schweiz und im Ausland. Auch abseits der Bühne sind die Crewmitglieder eng miteinander befreundet. «Zusammen haben wir schon viel erlebt, sind in verschiedenen Ländern aufgetreten und konnten dabei unterschiedliche Kulturen kennen lernen», sagt Tirabassi. «Dabei waren so viele Highlights, dass ich nicht sagen könnte, welches am besten war.» Mit sichtlicher Begeisterung erzählt er von der kommenden Jubiläumsveranstaltung, dem DPC Jam, den seine Crew am 14. Oktober anlässlich ihres achtjährigen Bestehens im Zürcher Gemeinschaftszentrum Heuried organisiert. Ausländische wie auch Schweizer Tänzer werden dort für Stimmung sorgen.

Obwohl Tirabassi am liebsten in Tanzwettkämpfen, sogenannten Battles, gegen andere Tänzer antritt, steht für ihn nicht das Gewinnen im Vordergrund. «Ich sehe jeden Battle als wertvolle Erfahrung, die mich weiterbringt, egal, ob ich gewinne oder verliere», sagt er. Was ihn antreibe, seien weder Siege noch Preise. «Mein Ziel ist es einfach, immer besser zu werden und möglichst lange tanzen zu können.»

Nach seiner kaufmännischen Lehre studierte der Dietiker an der Fachhochschule Wirtschaft und arbeitet jetzt in einem Vollzeitpensum als Projektmanager in einer Bank. Ein leidenschaftlicher Breakdancer, der Banker ist? Das möge wohl auf den ersten Blick ein wenig überraschen, gibt er zu, aber eigentlich sieht er nichts Besonderes darin. Zahlen und Wirtschaft hätten ihn immer schon interessiert.

Trotz Vollzeitjob, täglichem Training und Wettbewerben an den Wochenenden findet Leonardo immer noch genug Zeit für Familie und Freundin. «Es ist eine Gewohnheitssache», sagt er. «Andere arbeiten auch 100 Prozent und gehen abends noch ins Fitnessstudio.»

«Das will ich wieder tun»

Dann muss Tirabassi los, noch einmal ins tägliche Training mit seinen Teamkollegen, mit denen er morgen auf der Hallenstadion-Bühne auftreten wird. Die bunt zusammengewürfelte Truppe trainiert in der Tanzschule Salsarica an der Pfingstweidstrasse in Zürich, in den Räumen einer ehemaligen Bananenreiferei. Unter den Tänzern und Tänzerinnen herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Auch hier scheint nicht der Gedanke ans Siegen im Vordergrund zu stehen, sondern die Freude am Tanzen und daran, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Genau das sei es, sagt Tirabassi, was er auch an jüngere Tänzer weitergeben wolle. Deshalb habe er eine Weile lang auch selbst Kinder und Jugendliche trainiert. Im Moment fehlt ihm dafür die Zeit. Aber: «In Zukunft möchte ich das unbedingt wieder tun.»