Dietikon
Tag und Nacht für saubere Züge der Bremgarten-Dietikon-Bahn unterwegs

Über 10 000 Alu-Getränkedosen, 12 000 PET-Flaschen und Berge von Zeitungen blieben letztes Jahr in den Zügen und auf den Bahnhöfen der Bremgarten-Dietikon-Bahn liegen, Tendenz steigend.

Jörg Baumann
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Denise Kohler (links) hält mit ihren Mitarbeitern Amanda Eisenring, Christian Hofer und Helene Stierli die Züge und Bahnhöfe sauber. Walter Oettli (rechts) ist Leiter Infrastruktur bei der BDWM.BA

Denise Kohler (links) hält mit ihren Mitarbeitern Amanda Eisenring, Christian Hofer und Helene Stierli die Züge und Bahnhöfe sauber. Walter Oettli (rechts) ist Leiter Infrastruktur bei der BDWM.BA

Rund um die Uhr sorgt der Reinigungsdienst der BDWM Transport AG für saubere Züge und Bahnhöfe: «Wir sind voll ausgelastet», erklärt Leiterin Denise Kohler bei einem Augenschein vor Ort.

«Die meisten Reisenden entsorgen den Abfall korrekt in den Körben», meint Kohler. Tag und Nacht ist sie mit einem Team von sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterwegs. Eine Minderheit halte sich jedoch nicht an die Hausordnung und lässt den Güsel dort liegen, wo es gerade passt. «Der Gang zum Abfallkorb ist einigen offenbar zu lang. Hier fehlt die Kinderstube», konstatiert Kohlers Chef Walter Oettli, Leiter Infrastruktur der BDWM Transport AG. «Die Abfallentsorgung ist teuer. Sie kostet 325 000 Franken im Jahr», sagt er. Am meisten Güsel hinterlassen die Reisenden auf den Bahnhöfen Wohlen und Dietikon.

Erziehen durch Aufräumen

Was tun mit Leuten, die den Abfall partout nicht korrekt entsorgen wollen? Denise Kohler hat kapituliert: «Am besten sagt man nichts. Ein Kommentar kommt nämlich gar nicht gut an.» Walter Oettli verweist auf die Hausordnung, die eigentlich klar formuliert wäre. «Aber die beste Hausordnung nützt nichts, wenn sie nicht befolgt wird. Am besten würden sie damit fahren, mit gutem Beispiel voranzugehen. «Die Züge und Bahnhöfe müssen stets sauber sein. Das wirkt erziehend.»

Er habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Reisenden «eine Hemmung verspüren, den Abfall einfach liegen zu lassen, wenn sie in einem sauberen Zug sitzen», sagt Oettli. «Bussen nützen nichts, eine reine Alibiübung», glaubt er. Demonstrativ zeigt er den Abfallsündern manchmal den Weg zum Kehrichtkübel. «Das bringt etwas», sagt Oettli. Ihm kommt zustatten, dass er die Figur eines Kranzschwingers hat. Wenn Oettli etwas zu einem Jungen sagt, der den Anstand zu Hause gelassen hat, dann glaubt man ihm auch, dass er es ernst meint und keinen Witz macht.

Etwas stimmt Reinigungsdienstleiterin Kohler optimistisch, auch wenn die Abfallberge jedes Jahr anwachsen: «Viele Zugreisende schätzen unsere Dienstleistung und dass sie in einem sauberen Zug sitzen dürfen.» Kürzlich habe ihr eine ältere Dame eine Zehnernote in die Hand gedrückt. «Das sei ein Trinkgeld für die gute Arbeit, die unser Team jeden Tag leiste», berichtet Kohler.

Natürlich sei der Dienst für ihre Equipe nicht immer einfach, besonders in der Nacht. «Aber zum Glück haben wir bis jetzt Konfrontationen mit betrunkenen Jugendlichen immer vermeiden können. Das Natel haben wir griffbereit, um Hilfe zu holen, wenn das einmal nötig wäre.»

Weniger Sachbeschädigungen

Partygänger, die in der Nacht mit dem Zug unterwegs sind, gehörten heute zum Alltag, erklärt Oettli. «Das Resultat unserer 24-Stunden-Gesellschaft. Früher gab es eine Polizeistunde, heute gilt das leider alles nicht mehr. Damit müssen wir uns abfinden.»

Es ist Oettli anzusehen, dass ihm das schwerfällt. Ein Glück: Sachbeschädigungen in den Zügen haben abgenommen. Der Vorfall nach einem Cupspiel zwischen den Grasshoppers Zürich und dem FC Wohlen, bei dem übermütige Fans einen Triebwagen verwüsteten, blieb ein Einzelfall. «Sprayereien gibt es eher selten», bemerkt Denise Kohler.

Sie beginnt den Tag mit ihrem Team regelmässig mit zehn Minuten Gymnastik. «Eine gute Sache», findet Oettli. «Das Team bekommt so den Kopf frei und kann sich optimal auf die Arbeit vorbereiten.»