Die Bevölkerung wächst – weltweit, aber auch im Limmattal. Das bringt Herausforderungen mit sich. Für Wirtschaft, Politik und die Gesellschaft. Das zeigte sich am Donnerstag auch in der ehemaligen NZZ-Druckerei in Schlieren. Dort ging zum dritten Mal der Tag der Wirtschaft über die Bühne. Geladen hatte die Stadt Schlieren. Gekommen waren rund 250 Gäste. Darunter auch Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr und Mitglied der Konzernleitung, Balz Halter, Verwaltungsratspräsident der Halter AG sowie der Limmatstadt AG, und Daniel Kalt, UBS-Chefökonom und Regional Chief Investment Officer Schweiz.

Aus unterschiedlichen Perspektiven näherten sich die drei Referenten dem Thema des Nachmittages, «Grenzen des Wachstums». Halter richtete den Blick auf die Limmatstadt, jenes Gebiet zwischen Zürich und Baden, das sich durch eine strategisch wichtige Lage auszeichnet. «Die Limmatstadt ist eine Drehscheibe. Sie ist gut erreichbar. Das ist eine grosse Chance», so Halter. Hier finde Wachstum innerhalb eines funktionalen Raumes statt. Mit der Limmatstadt AG wolle man einen Beitrag zur Positionierung und Imagesteigerung der Region leisten. Sie soll als selbstbewusste und attraktive Stadt wahrgenommen werden. «Wir wollen nicht als Agglomeration wahrgenommen werden oder als Erweiterung von Zürich», sagte Halter.

Die Region weise eine hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik auf. «Die Limmatstadt hat zudem ihre landschaftlichen Qualitäten. Von überall her sind diese in 10 Gehminuten zu erreichen», so Halter. Das Limmattal zeichne sich durch eine Vielfalt, durch Kontraste und durch seine Einzigartigkeit aus. Die Limmattalbahn fungiere dabei als Rückgrat der weiteren Stadtentwicklung.

In diesem Umfeld, so Halter, habe sich die Limmatstadt AG das Ziel gesetzt, die Limmatstadt als Marke zu setzen. «Dazu bedarf es der Vernetzung von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft über Grenzen hinweg», hielt er fest. Zudem wolle man Projekte initiieren. Eines ist etwa ein digitales Modell der Limmatstadt. Damit soll man sich künftig ein Bild davon machen, was Wachstum bedeuten könnte. «Ich sehe Wachstum nicht als Gefahr an, sondern immer als Chance», so Halter.

Freizeitverkehr nimmt stark zu

Ähnlich sahen das auch die beiden anderen Referenten, wobei Pilloud berufsbedingt die ganze Schweiz im Blickfeld hat. Die SBB stünden vor der Herausforderung, dass sich die Ansprüche gewandelt haben, sagte sie. Jeder wolle möglichst schnell von A nach B, und das oft zur selben Zeit wie alle anderen. «Unser Ziel ist es, die Spitzen zur Hauptverkehrszeit zu glätten», so Pilloud. Unter anderem stehe man im Kontakt mit Hochschulen, um die Möglichkeiten auszuloten, den Studienbeginn nach hinten zu verschieben.

Auch Sparbillette sollen Anreize schaffen, nicht dann den Zug zu nehmen, wenn dies alle tun. Eine Studie habe gezeigt, dass etwa 60 Prozent der Fahrgäste zu Nebenverkehrszeiten pendeln könnten. «Nur 40 Prozent müssen wirklich in der Hauptverkehrszeit den Zug benützen, etwa weil sie im Schichtbetrieb arbeiten», sagte Pilloud. Zudem zeige sich, dass der Freizeitverkehr in den letzten Jahren stark angestiegen sei. Sie forderte deshalb auch ein Umdenken in der Gesellschaft.

Kalt wiederum nahm eine weltweite Perspektive ein und richtete den Blick ins Jahr 2050. Er geht davon aus, dass das Pro-Kopf-Einkommen im ähnlichen Rahmen wie bis anhin steigen und es zwischen den Industrie- und Schwellenländern zu einer weiteren Annäherung kommen wird. «Treiber dieser Entwicklung sind die Innovation und das Produktivitätswachstum», so Kalt. Auch die Schweiz werde weiter wachsen, zeigte er sich überzeugt. Dies alles spiele sich vor dem Hintergrund von drei Megatrends ab, des Bevölkerungswachstums, der Alterung und der Urbanisierung.

Dass all die vielen Zahlen und Szenarien auch gut verdaut werden konnten, dafür sorgte das Duo Lapsus mit seinen Auftritten. Denn bei den ganzen Prognosen sollte der Humor nicht auf der Strecke bleiben.