Schlieren

Tätowierer Alessandro Schirone: «Das ist ein Heimspiel für uns»

Die Tätowierer Alessandro Schirone (links), Rober Villanueva (Mitte) und Shop-Manager Alessandro Fili (rechts).

Die Tätowierer Alessandro Schirone (links), Rober Villanueva (Mitte) und Shop-Manager Alessandro Fili (rechts).

Das Schlieremer Tattoostudio Nero Ink um Inhaber Alessandro Schirone nimmt wieder an der Ink-Days-Convention in Regensdorf teil. Im Interview erzählt er unter anderem, welche Motive das Studio schon hundertfach gestochen hat

Seit vier Jahren tummeln sich um diese Jahreszeit mehr und mehr Tätowierer und Tattooliebhaber in Regensdorf. Denn die internationale Tattoo-Convention «Ink Days Zürich» öffnet ihre Türen. Von heute Freitag, 5. April, bis zum Sonntag, 7. April, wird das Mövenpick-Hotel in Regensdorf wieder zur Attraktion für Körperkunst-Liebhaber. Über 100 namhafte nationale und internationale Artisten zeigen ihre Werke. Darunter auch der Schweizer Alessandro Schirone. Der 40-Jährige betreibt das «Nero Ink» in Schlieren. Zusammen mit anderen Tätowierern aus seinem Studio wird er an allen drei Convention-Tagen Gäste tätowieren.

In Regensdorf hat seine Karriere erst so richtig angefangen. Es habe etwas Melancholisches, denn jedes Jahr kehrt Schirone zu dem Ort zurück, wo er vor 14 Jahren seine Prüfung als Verkaufskoordinator abgeschlossen hat.

Wie ist es für Sie, wieder an den Ort zu kommen, wo alles begonnen hat?

Alessandro Schirone: Vor 14 Jahren habe ich meine Abschlussprüfung abgelegt und jetzt sitze ich genau dort nur ein paar Meter weiter. Ich kann mich genau an meine Nervosität erinnern. Und jetzt sitze ich dort als Tätowierer – also ein Quereinstieg in eine ganz andere Branche. Das war schon immer mein Traum.

Dann haben Sie also alles aufgegeben, um Tätowierer zu werden?

Ja. Das war ein grosser Schritt. An meinem Platz habe ich immer noch meine Krawatte hängen. Es waren schliesslich viele Jahre in dem Beruf. Zum Schluss hin hatte ich einen Fuss im Tattoostudio und den anderen im Aussendienst. Ich bin mit Anzug ins Studio gekommen, habe mich umgezogen, tätowiert und bin dann wieder zurück in den Anzug geschlüpft und zu den Kunden gefahren, um sie zu beraten.

Wie lange gibt es das «Nero Ink» in Schlieren schon?

Am 1. April hatten wir unser vierjähriges Jubiläum. Vorher waren wir in Neuenhof.

Wieso gehen Sie an die Convention?

Das ist für uns ein Heimspiel. Ausserdem ist das natürlich sehr wichtig für uns. Wobei ich sagen muss, dass sich das Ganze mit den Jahren doch sehr verändert hat.

Inwiefern?

Die Szene ist sich ein Stück weit am Kommerzialisieren. Es geht nur noch ums Gewinnen, darum, besser dazustehen. Der Spass steht nicht mehr an erster Stelle. Es ist wie bei den Sozialen Medien: das ständige Verlangen nach mehr, mehr Followern, mehr Likes.

Das ist eine Art Konkurrenzkampf. Wie sieht es da im Limmattal aus?

Mittlerweile haben wir immer mehr neue Studios im Limmattal. Die Szene ist am Wachsen. In Schlieren gibt es mittlerweile vier Studios. Langsam fängt es an, enger zu werden.

Macht man sich da Gedanken?

Nein, wenn der Kunde gut behandelt wird, kommt er wieder – also habe ich keine Bedenken.

Lassen sich viele Limmattaler tätowieren?

Relativ viele, ja.

Gibt es ein Tattoo, das die Leutehier vermehrt haben?

Das ist schwierig zu sagen. Es gab eine Zeit, da war das Maori-Tattoo vom Schauspieler «The Rock» jeden Tag Thema. Heute kommen viele Leute mit Instagram-Bildern, es läuft viel online.

Was sind das für Bilder?

Eine Zeit lang kamen viele Frauen mit Blumenbildern, weil das bei den sogenannten Influencern in war. Davor war der Rosenkranz sehr gefragt. Das ändert sich wirklich ständig. Aber es ist schon so, dass manche Motive vermehrt verlangt werden.

Gibt es Motive, die Sie nicht tätowieren?

Grundsätzlich tätowieren wir das, was der Kunde will – rassistische Symbole sind aber ein klares No-Go. Es gibt auch Motive, die wir ungern stechen, weil wir sie schon mindestens 150-mal gestochen haben.

Zum Beispiel?

Die unendliche 8. Das Tattoo hat sicher jeder Tätowierer mal gestochen – wenn der Kunde das aber will, dann stechen wir auch das.

Tattoos liegen immer mehr im Trend.

Ja, das stimmt. Als ich mit dem Tätowieren angefangen habe, konnte man zehn Jungs in eine Reihe stellen. Zwei davon waren wenig tätowiert und drei vielleicht etwas mehr. Heute sind es um die acht mit grösseren Tattoos und vielleicht einer mit kleineren. Man merkt auch den Trend der einzelnen Altersgruppen.

Inwiefern?

Jedes Alter hat seinen eigenen Stil. Leute um die 40 Jahre haben Tribals und Arschgeweih. Die jetzige Generation trägt Innovativeres. Das Bedürfnis nach etwas Speziellem ist viel grösser.

Was ist denn speziell?

Zum Beispiel sind heutzutage Cover-ups sehr gefragt. Viele von denen, die sich vor sieben oder acht Jahren tätowiert haben, kommen und lassen sich das Tattoo mit einem neuen Motiv überstechen.

Gesichtstattoos sind im Aufmarsch. Merken Sie das?

Ja, man sieht es vermehrt. Aber bei uns im Studio ist das noch nicht so wirklich gefragt. Ich denke, dass diejenigen, die sich ein Gesichtstattoo stechen lassen, dies eher im Underground machen. Das ist noch nicht wirklich Mainstream.

Was ist denn Mainstream?

Es hängt sehr viel vom Internet ab. Was auf den sozialen Medien läuft, interessiert die Leute. Tattoos, die die Instagram-Stars haben, sind sehr gefragt. So ist es mit den römischen Zahlen, ägyptischen Symbolen und so weiter.

Apropos Instagram-Star: Ex-Bachelorette Adela Smajic lässt sich an der Convention tätowieren. Haben Sie auch schon Promis tätowiert?

Ja, das sind Kunden wie alle anderen und genauso behandeln wir sie auch.

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