Stadtratswahl Dietikon
SVP schlägt Roger Bachmann fürs Stadtpräsidium vor

Mit Roger Brunner soll ein Bisheriger und mit Stephan Wittwer ein neuer Kandidat für den Stadtrat kandidieren. Die FDP äussert sich wohlwollend über Bachmann.

Gabriele Heigl
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Roger Brunner, Roger Bachmann und Stephan Wittwer (von links) wollen für die SVP ins Rennen um die Stadtratswahl gehen.

Roger Brunner, Roger Bachmann und Stephan Wittwer (von links) wollen für die SVP ins Rennen um die Stadtratswahl gehen.

Alex Spichale

Heisst der nächste Präsident der Stadt Dietikon Roger Bachmann? Derzeit ist nur mit Mühe ein Szenario denkbar, in welchem es anders kommt am 4. März 2018, dem Tag der Gesamterneuerungswahl. Spätestens seit Stadtpräsident Otto Müller (FDP) am 20. Juni bekannt gab, dass er nicht wieder antreten wird, stieg die Temperatur in der Gerüchteküche. Nachdem sich der Vorstand der SVP-Ortspartei zunächst zurückhaltend über mögliche Kandidaten für Stadtrat und Präsidium geäussert hatte, nannte sie am Mittwoch Namen. Präsident Rochus Burtscher schrieb in einer Medienmitteilung, dass sich nach intensiver Diskussion der SVP-Fraktion drei Kandidaten für den Stadtrat herauskristallisiert hätten: Roger Bachmann (bisher), Roger Brunner (bisher) und Stephan Wittwer (neu).

«Der logische Kandidat»

«Als neuen Stadtpräsidenten schlagen wir Roger Bachmann unserer Mitgliederversammlung vor. Er ist ein profilierter und bestens geeigneter Kandidat, der die Stadt Dietikon in ihrer Entwicklung weiterbringen kann und wird», so die Mitteilung weiter. Gut verankert und hoch kompetent sei er und weit über alle Lager hinweg akzeptiert. Burtscher: «Am 4. September wird die Mitgliederversammlung der SVP Dietikon die Möglichkeit haben, den Vorschlag der Grossratsfraktion zu diskutieren und darüber zu bestimmen.» Alles andere als eine Zustimmung zu den Kandidatenvorschlägen wäre allerdings eine sehr grosse Überraschung. In einem ersten Interview äusserte sich Roger Bachmann am Mittwoch zu seiner Kandidatur.

Roger Bachmann Der Dietiker Stadtrat geht mit grosser Wahrscheinlichkeit als Präsidiumskandidat der SVP in die Stadtratswahl im März 2018.

Roger Bachmann Der Dietiker Stadtrat geht mit grosser Wahrscheinlichkeit als Präsidiumskandidat der SVP in die Stadtratswahl im März 2018.

Alex Spichale

Wohlwollende Zustimmung kam schon aus den Reihen der FDP-Ortspartei. Bereits nach dem Verzichtsentscheid von Müller hatte Präsident Werner Hogg angekündigt, dass die FDP einen möglichen SVP-Kandidaten für das Stadtpräsidium unterstützen werde, ein FDP-Kandidat hätte aufgrund der Wähleranteile gegenüber einem SVP-Kandidaten keine Erfolgsaussichten. Einen völlig ungeeigneten SVP-Kandidaten werde die FDP allerdings nicht unterstützen, bekräftigte Hogg damals. Am Mittwoch meinte er auf die Frage, wie seine Partei den Kandidaten Bachmann beurteilt: «Seine Kandidatur ist keine Überraschung, wir haben sie erwartet. Bachmann ist der logische Präsidentschaftskandidat und entspricht den Massstäben der FDP nach Eignung.» Die Unterstützung von Bachmanns Kandidatur müsse aber noch im Vorstand diskutiert werden; auch parteiübergreifende Gespräche zwischen den bürgerlichen Parteien werde es noch geben.

«Kein Grund für Ressortwechsel»

Stadtrat Roger Brunner signalisierte seiner Fraktion zwar, dass er Interesse daran hätte, nochmals anzutreten, seine Kollegen sollten es ihm aber sagen, wenn sie seinen Wiederantritt nicht befürworteten. «Offensichtlich war man aber mit meiner Arbeit zufrieden, denn am Ende sprach sich die Fraktion einstimmig für meine erneute Kandidatur aus», freut sich Brunner. «Die Parteikollegen meinten: ‹Jawoll Brunnerli, muesch nomal›», erläutert er lachend. Er sei froh, dass sich Bachmann zur Präsidiumskandidatur bereit erklärte. «Das ist ein Kandidat, der das im Griff hat.» Auf sein eigenes Ressort, die Infrastruktur, angesprochen, meint er, dass er keinen Grund zum Wechsel sehe, aber zunächst müsse er gewählt werden. Auch der Neuling im Trio hatte der Fraktion gegenüber sein Interesse bekundet.

«Er ist ein profilierter und bestens geeigneter Kandidat, der die Stadt Dietikon in ihrer Entwicklung weiterbringen kann und wird.»

Die SVP-Ortspartei über ihren Kandidaten Roger Bachmann

Fraktionspräsident und Medienbeauftragter der SVP-Ortspartei, Stephan Wittwer, möchte gerne die Seiten von der Legislative zur Exekutive wechseln. Er selbst nennt es einen Wechsel der «Fronten». Auf die Frage, ob er keine Angst vor der Verantwortung habe, meint er: «Ich traue mir die Aufgabe zu, wenngleich ich natürlich Respekt vor ihr habe.» Und er hat sich sogar schon etwas vorgenommen, wenn es mit dem Parteivotum und der Wahl klappt: «Im Bewusstsein der neuen Aufgaben möchte ich mithelfen, diese Fronten zwischen Gemeinde- und Stadtrat aufzuweichen.» Zu einem Wunschressort äussert er sich nicht. «Ich stehe für alle Ressorts parat», meint er.

Jetzt gibt es vier Kandidaten

Damit haben zwei Parteien ihre Stadtratskandidaten genannt. Ende Juni haben die Grünen mit dem langjährigen Gemeinderat Lucas Neff den Anfang gemacht. Er hatte bereits 2014 als Stadtrat kandidiert und den Sitz nur ganz knapp verpasst. Nun will er es noch einmal versuchen. Durch die Wechsel – neben Präsident Müller wird auch Jean-Pierre Balbiani (SVP) nicht mehr antreten – rechnen sich die Grünen gute Chancen auf den Sitz aus.

Noch nicht äussern wollte sich die SP, ob sie wieder mit Esther Tonini (Hochbau) und die CVP, ob sie noch einmal mit Rolf Schaeren (Finanzen) ins Rennen geht. Entscheidungen werden erst nach den Sommerferien erwartet. Das gilt auch für die FDP, deren Findungskommission Ende August die möglichen Kandidaten nennen wird, die dann der Parteiversammlung vorgeschlagen werden. Ob die EVP wieder mit Heinz Illi (Sicherheit und Gesundheit) antreten wird, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen.

Nachgefragt bei Roger Bachmann: «Ich weiss, was auf der präsidialen Ebene auf mich zukommt»

Eigentlich kann man doch jetzt schon zur Wahl ins Stadtpräsidium gratulieren, oder nicht?

Roger Bachmann: Das sehe ich überhaupt nicht so. Ich sage immer: Wahltag ist Zahltag. Bis zum März kann noch viel passieren. Es wird kein Durchmarsch.

Kam ausser Ihnen noch jemand in die engere Wahl?

Es fand schon eine Ausmarchung statt; am Ende kamen die genannten Namen heraus.

Haben Sie Interesse bekundet, oder hat man die Kandidatur an Sie herangetragen?

Ich bin im Vorfeld darauf angesprochen worden, dass man meine Kandidatur gerne sehen würde. Dieser Rückhalt ist natürlich entscheidend. Aber ich musste das auch für mich persönlich austarieren. Das Amt bringt nicht nur Würde, sondern auch Bürde. Diesen Herausforderungen würde ich mich allerdings sehr gerne stellen. Zuvor hatte ich aber auch Fragen an die Fraktion.

Welche Art Fragen?

Etwa die nach dem zeitlichen Horizont. Ich müsste mit einem Amtsantritt meinen jetzigen Job als Leiter der Abteilung Finanzen in der Gemeinde Dällikon aufgeben. Deswegen will ich schon für eine längere Zeitachse planen. Die Fraktion hat mir signalisiert, dass sie das genauso sieht.

Sie sitzen zum Zeitpunkt der Wahl vier Jahre im Stadtrat. Fühlen Sie sich schon fit für das Präsidium?

Ich hätte schon Mühe damit, ohne als Stadtrat gearbeitet zu haben, sozusagen aus dem Stand heraus, das Präsidium zu übernehmen. Nun bin ich aber schon lange in der Gemeindepolitik aktiv, sass vor meiner Stadtratszeit im Gemeinderat, war Präsident der Rechnungsprüfungskommission und des Gemeinderats. Ich weiss, was auf der exekutiven und präsidialen Ebene auf mich zukommt, und wie die Verwaltung funktioniert. Das Amt wird also nicht mit grossen Überraschungen für mich behaftet sein. Also ja, ich fühle mich fit für das Präsidium.

Bereiten Sie sich in der nächsten Zeit schon vor, oder kommt diese Frage zu früh?

Nein, das ist eine durchaus berechtigte Frage. Derzeit liegt mein Fokus noch voll auf dem Tagesgeschäft als Sozialvorstand. Aber ich könnte für die Aufgabe auf einem gewissen Hintergrundwissen aufbauen.

Was sagt die Familie zu Ihrer Kandidatur?

Meine Frau und meine Kinder stehen hinter mir, anders ginge das auch nicht. Sich mit ihnen zu beraten und sie zu fragen, ob sie meine Entscheidung mittragen würden, war mein erster Schritt.