Spiel des Lebens
Süsses Trostpflaster: Mit zwei gebrochenen Rippen über die Ziellinie

Die Leichtathletin Arlette Meier-Hunger erinnert sich an einen aufopferungsvollen Wettkampf. Beim 3000 Meter Steeple liess sie sich auch von einem schweren Sturz nicht aufhalten.

Raphael Biermayr (Aufzeichnung)
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Arlette Meier-Hunger (auf der LiZ-Redaktion) mit einer Abbildung des Schweizer Leichtathletik-Teams 2010.

Arlette Meier-Hunger (auf der LiZ-Redaktion) mit einer Abbildung des Schweizer Leichtathletik-Teams 2010.

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Ich war in Belgrad das zweite Mal an der Team-EM für die Schweiz - eine ziemliche Ehre. Ich hatte mich über 3000 Meter Steeple qualifiziert. Vom Teamchef hiess es: Lauft, werft und springt für die Mannschaft, holt alles aus euch heraus. Es war ein schnelles Rennen, nichts Taktisches.

Spiel des Lebens

In der Rubrik «Spiel des Lebens» erzählen Persönlichkeiten aus der regionalen Sportszene von ihrem denkwürdigsten Wettkampf. Heute:Arlette Meier-Hunger (38), Leichtathletin des LC Regensdorf aus Dietikon.

Für mich gab es nichts anderes als Aufstehen und Weiterrennen. Ich war ja die Einzige, die für die Schweiz Punkte machen konnte. Andernfalls hätte es einen Nuller gegeben. Ich war natürlich aus dem Rhythmus, aber irgendwie ging es doch. Ich weiss nicht mehr, wie viele mich überholten, vielleichte eine bis zwei. Im Ziel war ich Fünfte. Ich sass auf den Boden. Danach konnte ich nicht mehr aufstehen. Ich hatte solche Schmerzen, es ging nicht mehr. Das Knie schmerzte so sehr, ich konnte es nicht mehr beugen und auch nicht draufstehen. Ausserdem hatte ich Mühe mit dem Atmen. Erst ein, zwei Wochen später erfuhr ich, dass zwei Rippen gebrochen waren.

Man hatte keine Bahre da, also musste man mich auf beiden Seiten überhängend raustragen. Man hat mich irgendwo durch die Katakomben getragen und auf einen Schragen gelegt. Ich war enttäuscht über alles, obwohl ich nicht so schlecht gelaufen war. Die Zeit war immer noch sehr gut. Es wäre ohne den Sturz wahrscheinlich eine Bestzeit für mich geworden. Mit Schmerzen war ich anschliessend beim Physio und beim Arzt. Die diagnostizierten eine Knieprellung.

Ganz am Schluss gab es eine Teamsitzung. Dort erhielt ich ein kleines Trostpflaster. Der Teamchef ehrte mich als tapferste Athletin, weil ich trotz der Blessuren noch Fünfte geworden war, und überreichte mir Schokolade. Das war herzig.