Dietikon
Süsses Geschäft: Mit Gummibärli erfolgreich in die Zukunft

Die F. Hunziker AG gilt als vorbildliches Familienunternehmen. Sie setzt auf alte Werte – sie investiert aber auch für die nächsten Generationen. Am Family Business Award schaffte es der Betrieb unter die ersten vier.

Bastian Heiniger
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Christoph Richterich vor der neuen Produktionsanlage. Das Unternehmen kann damit künftig noch mehr Gummibärli herstellen.

Christoph Richterich vor der neuen Produktionsanlage. Das Unternehmen kann damit künftig noch mehr Gummibärli herstellen.

Bastian Heiniger

Die F. Hunziker AG darf sich als ein Vorzeigeunternehmen rühmen: Letzte Woche hat es die Bonbon-Fabrik am Family Business Award von schweizweit 100 Mitbewerbern unter die ersten vier geschafft.

Der Familienbetrieb, der sonst eher im Hintergrund agiert, trat für einmal ins Rampenlicht: Er durfte sich am Finale in Bern präsentieren.

«Die Nominierung hat uns gefreut und stolz gemacht», meint Christoph Richterich, der Verwaltungsratspräsident. Bei den meisten Bewertungskriterien im Rennen um den Award, etwa der Innovation, sei das Unternehmen sehr fit. Allerdings wollen sie nicht stehen bleiben. Derzeit nimmt die F. Hunziker AG beispielsweise eine neue Produktionsanlage in Betrieb: Mit dieser Maschine werden 30 Prozent der Energie eingespart. Damit können sie jedoch auch mehr produzieren – das Unternehmen soll daher wachsen.

Auch in puncto Nachhaltigkeit könne man immer etwas optimieren, sagt Richterich. Das sei für sie als Unternehmen, das zu 100 Prozent in Familienbesitz ist, besonders wichtig. Denn der 1945 gegründete Betrieb soll auch künftigen Generationen erhalten bleiben.

Das Herzblut ist stärker

In dieser Hinsicht sieht Richterich auch einen Hauptunterschied zu börsenkotierten Firmen: Diese orientierten sich oft von Quartalsabschluss zu Quartalsabschluss. «Wir hingegen planen auch in die fernere Zukunft», sagt er. Werte der Familie würden auch im Unternehmen gelebt und weitergegeben.

«Wichtig ist, dass der Geist der einstigen Kleinunternehmung mitwachsen kann.» Dass die Eigentümer nahe an der operativen Leitung sind, stört Felix Obrist, den familienexternen CEO, nicht. Im Gegenteil: In einem Familienunternehmen sei das Herzblut, die Leidenschaft stärker. Als Geschäftsführer habe man ohnehin immer mit einem obersten Gremium zu tun.

Die Büros des Verwaltungsrates und des Geschäftsleiters liegen Tür an Tür. In Obrists Büro präsentieren sich die Produkte, welche der Betrieb herstellt: Gummibärli, Pastillen, Hustenbonbons, Getränkepulver. Viele davon stehen in den Verkaufsregalen der Migros. «Einer unserer wichtigsten Kunden», betont Richterich. Aber nicht der einzige. Die F. Hunziker AG produziert auch sogenannte «White Label» – Produkte, die andere Firmen unter eigenem Namen verkaufen.

Ein Bonbon für Fingernägel

Dass die F. Hunziker AG eine lange Familientradition bewahrt hat und auch weiterträgt, kommt der Belegschaft zugute: «Bei uns gibt es kein ‹hire and fire›, wie in anderen Unternehmen», sagt Richterich. Einige der 135 Mitarbeiter sind bereits seit der zweiten Führungsgeneration im Betrieb. Die Familie sei informiert über jeden Mitarbeiterwechsel, egal auf welcher Stufe.

Freilich müssten am Ende auch bei ihnen die Zahlen stimmen. Und damit das Unternehmen ebenfalls in Zukunft erfolgreich wirtschaftet, halten sie stets Ausschau nach Innovationen. Dazu wurde eigens ein Team geschaffen. Als Familienunternehmen können auch jederzeit ohne Aufwand neue Ideen einfliessen. Zum Beispiel: Kürzlich habe er im Urlaub in Amerika etwas Neues entdeckt. Ein Bonbon, das für Fingernägel und Haare gut sein soll. Richterich schoss davon ein Foto und schickte es nach Dietikon. In ebendiesem Bereich wolle man sich entwickeln: Produkte, die in Apotheken ohne Rezeptpflicht gekauft werden können. Beispielsweise Vitamingummibärli oder Bonbons, die Mundgeruch neutralisieren. Produkte mit einem Zusatznutzen seien im Trend. Und weil sie sich bei keinen Aktionären rechtfertigen müssen, kann das Unternehmen neue Ideen schnell umsetzen.

Neue Generation wächst nach

Obwohl sie im Verwaltungsrat zu dritt sind, setzt das Unternehmen ebenfalls auf einen externen Beirat. Dieser ist an den Verwaltungsratssitzung dabei und bringt eine objektive Aussensicht in die Familienangelegenheit. Mit drei Verwaltungsräten und einem externen Beirat seien sie gut aufgestellt, meint Richterich. Ein Nachteil vieler Familienbetriebe sei, wenn sie von einem Patron abhänge.

Fritz Hunziker, Patron der zweiten Generation, erkannte allerdings bereits früh, dass er nicht alle Fäden in seiner Hand behalten will. Er führte die nächste Generation Schritt für Schritt heran an das Unternehmen. Einmal pro Woche komme er noch immer vorbei. Nicht weil er sich ins Geschäft einmischen wolle, sondern, weil es ihn interessierte.
Und wie sieht es mit der vierten Generation aus? Diese sei noch ziemlich Jung, sagt Richterich. Insgesamt acht Enkel. Die Chancen ständen also gut, dass die Firma in der Familie bleibe.

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