Frau Bereuter, Leuen-Waldegg ist das kommende Boom-Quartier von Uitikon. Die Gemeinde wird relativ stark wachsen. Bereitet Ihnen das, neben den Chancen, die es bietet, auch Kummer?

Susanne Bereuter: Das 70 000 Quadratmeter grosse Gebiet ist seit den frühen 1960er-Jahren eingezontes Bauland. Die Erkenntnis, dass bei der Entwicklung die Bevölkerung unserer Gemeinde um 800 bis 1000 Personen zunehmen wird, ist also nicht neu, insbesondere auch nicht für die Gemeindeverwaltung. Wenn der Gestaltungsplan durchkommt, haben wir gute Grundlagen dafür, dass ein tolles und lebendiges neues Quartier entsteht von hochstehender Qualität. Ich bin überzeugt, das wird kein Kummerquartier, sondern eine Bereicherung für die ganze Gemeinde werden. Es werden wegen der Planung Begegnungszonen und zentrale Orte entstehen. Das tut immer gut. Natürlich, wenn ein so grosses Gebiet zur Überbauung ansteht, gibt es viel Baulärm und Verkehr. Aber wenn einmal gebaut ist, wird das eine ganz tolle Sache.

Ist Uitikon auf die Bevölkerungszunahme von mehreren hundert Personen vorbereitet?

Die Gemeindeverwaltung hat eine gewisse Vorlaufszeit, weil wir ja sehen, welche Baugesuche wann eingehen. Mit dem Baugesuch hat man eine Vorstellung, wie lange es bis zum Bezug der neuen Wohneinheiten in etwa noch dauert. Diese Vorlaufzeit genügt, um flankierend genügend Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Ich sehe hier keine Probleme.

Hat zum Beispiel die Schule genügend Kapazitäten wegen neuer Schüler?

Wir haben diese Fragen immer wieder eruiert. Das Schulhaus Mettlen wurde gerade neu gebaut und verfügt noch über Kapazität. Die Schülerzahlen sind derzeit jedoch rückgängig, insbesondere in der Oberstufe. Bei der Raumkapazität der Schule sehen wir keine Probleme. Wir gehen davon aus, dass es mit dem neuen Quartier nicht anders sein wird.

Der Gestaltungsplan, der die Art der Bebauung regelt und öffentliche Plätze definiert, wird relativ streng ausformuliert. Sind die Uitiker bereit, im ganzen Gebiet Minergie-P-Standard zu befürworten oder massive Sonnenenergienutzung zu genehmigen?

Der Minergie-P-Standard ist vorgeschrieben, ich bin zuversichtlich, dass die Uitiker Bevölkerung das unterstützen wird. Im Gegenteil: Man würde es uns vorwerfen, wenn wir nicht eine solche Vorschrift drin hätten. Es soll ein nachhaltiges und zukunftsgerichtetes Quartier werden. Es ist das Gebot der Stunde, dass man bei Neubauten auf diese Weise baut und wenig Energie verbraucht. Wir liessen uns auch beraten, weil die Grundeigentümer fragten, ob Minergie nicht reiche. Man riet uns zu Minergie-P. Dies beinhaltet insbesondere auch die konsequente Vermeidung von Wärmebrücken. Das ist aufwendig im Bau, kostet mehr, aber zahlt sich bei der Energie ganz klar aus.

Was sind Ihre Erfahrungen mit den Einheimischen bezüglich dieser Fragen?

An mich kamen nie Fragen aus der Bevölkerung, ob dies übertrieben sei.

Sie stehen an vorderster Front bei diesem Geschäft. Wie stark beeinflusst es Ihren Alltag?

(Lacht.) Es ist sehr zeitintensiv, zeitaufwendig, speziell in dieser Endphase. Ich stelle aber fest, dass mein Blick geschärft wird, wenn ich mich in anderen Quartieren bewege, auch in anderen Ortschaften. Ich schaue genau hin, wie ist es erbaut, wie erschlossen, ich vergleiche den Altbestand an Liegenschaften mit Neuüberbauungen. Ich mache gedankliche Bezüge zu unserem Quartier Leuen-Waldegg. Deshalb begleitet mich das Projekt auf Schritt und Tritt.

Was ist das für ein Gefühl, an einem solch wichtigen Geschäft mitzuarbeiten und es mitzugestalten? Sie kommen ja nicht vom Baufach, sondern sind Juristin.

Mir und allen von der Planungskommission ist bewusst, dass wir eine grosse Verantwortung tragen. Wir haben ja Fachleute, die uns beraten. Das ist ganz wichtig. Und wir haben unzählige, sehr intensive und lange Sitzungen gehabt gerade darum, weil alle in der Kommission verstehen wollten, was nun gerade entschieden wird. Das war aufwendig, hatte aber ganz klar einen positiven Einfluss auf die Qualität. Als Anwältin habe ich den Vorteil, dass es für mich alltäglich ist, mich schnell in ganz neue Gebiete einarbeiten zu müssen. Ausserdem mache ich viel Baurecht, das hilft sehr.

Wie ist die Stimmung in Uitikon? Das Vorhaben muss doch bestimmt zu reden geben.

Ich werde selten darauf angesprochen. Wenn, dann hauptsächlich in Bezug auf den zeitlichen Horizont. Das ist nicht erstaunlich, weil es eine ausserordentlich technische Materie ist. Zudem, seit ich Bauvorstand bin, habe ich die Einwohner an den Gemeindeversammlungen immer wieder über den aktuellen Stand der Dinge aufdatiert.

Wann wird das Vorhaben realisiert?

Wenn das Geschäft an der Gemeindeversammlung vom 22. Mai verabschiedet wird, folgt auf dem Fuss die Festsetzung des Quartierplans durch den Gemeinderat. Danach muss der Kanton die formelle Genehmigung erteilen. Wenn keine Rechtsmittel erhoben werden, könnte 2014 mit dem Bau der Erschliessungsanlagen begonnen werden. Für Hochbauten wäre der Baubeginn dann ab Anfang 2015 denkbar, sodass Ende 2016 die ersten Fertigstellungen erfolgen könnten. Sollte jemand Rechtsmittel ergreifen, könnte sich die Sache durchaus nochmals um zwei Jahre verzögern.

Die Kulturlandinitiative schien Ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. War das Projekt gefährdet?

Nein, zu keinem Zeitpunkt. Sie machte uns insofern ein Problem, als dass wir an der westlichen Grenze des Baugebiets zur Grenzbereinigung eine Fläche von rund 1400 Quadratmetern auf einer Länge von ein paar hundert Metern zur Grenzbereinigung eingezont hätten. Nach der Initiative kam vom Kanton ein kategorisches Njet. Das gab nochmals kleine Verschiebungen, die aber ein paar Monate Arbeit gekostet haben, weil wieder alle Planungsgrundlagen angepasst werden mussten..

Wie gut ist das Einvernehmen der Landeigentümer mit den Verantwortlichen aus Gemeinderat und Verwaltung?

Weil sich die unüberbauten Flächen auf lediglich drei grosse Grundeigentümer aufteilen, konnten wir mit diesen einen regen Austausch pflegen. Dieser erwies sich allen Parteien als dienlich.

Das neue Quartier Leuen-Waldegg wird Vorbildcharakter aufweisen für künftige Überbauungen an anderen Orten. Es könnte ein Bijou werden. Einverstanden?

Wenn wir das erreichen, können wir alle sehr stolz sein. Es ist aber klar, das ist nur mit den Gestaltungsplanvorschriften möglich. Würde man nach normaler Bauordnung bauen, wäre das Risiko sehr hoch, dass ein unkoordinierter Wildwuchs entstünde. Wichtig ist, nur der Gestaltungsplan gibt uns ein Instrument in die Hand, damit wir von den Bauherrschaften ortsbaulich und architektonisch hervorragende Lösungen verlangen können. Wenn der Gestaltungsplan nicht wäre, würde nach 238 PBG, Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich, eine ‹befriedigende Lösung genügen›, was ungefähr einer Schulnote 4 entsprechen würde. Mit dem Gestaltungsplan können wir aber eine 5, wenn nicht gar eine 5,5 verlangen. Das ist ein Riesenunterschied.

Was wünschen Sie sich vom und für das Projekt persönlich?

Mein Traum ist ein lebendiges, attraktives neues Quartier, das für die ganze Uitiker Bevölkerung anziehend wirkt und zur Belebung der ganzen Gemeinde führt. Das Areal ist dafür ideal gelegen und hat das Potenzial, zum Bindeglied zwischen den Quartieren Uitikon, Waldegg und Ringlikon zu werden.

Morgen Montag, 13. Mai, findet in der Bibliothek, Aula Schwerzgrueb, ein Informationsanlass zum Thema öffentlicher Gestaltungsplan Leuen-Waldegg statt. Er dauert von 18.30 bis 20 Uhr. Fachplaner und Behördenvertreter stehen für Fragen zur Verfügung.