Kommentar

Surrealer Kampf um den Gral

Martin Christen vom Verein Freunde Bruno-Weber-Park mit einem Gemälde des Künstlers, im Bruno-Weber-Park in Dietikon. Gemäss dem Urteil des Aargauer Obergerichts werden die Bilder von Bruno Weber aus den Räumlichkeiten der Bruno Weber Stiftung an die Witwe von Bruno Weber ausgehändigt.

Martin Christen vom Verein Freunde Bruno-Weber-Park mit einem Gemälde des Künstlers, im Bruno-Weber-Park in Dietikon. Gemäss dem Urteil des Aargauer Obergerichts werden die Bilder von Bruno Weber aus den Räumlichkeiten der Bruno Weber Stiftung an die Witwe von Bruno Weber ausgehändigt.

Die Szenen, die am Montagmorgen im Wassergartensaal des Bruno-Weber-Parks über die Bühne gingen, hatten etwas Surreales. So wie viele der Werke des Dietiker Künstlers, nur nicht so pittoresk. Vertreter der Bruno-Weber-Stiftung wurden durch ein Gerichtsurteil gezwungen, Tausende von Weber-Werken der Eigentümerin, der Witwe Maria Anna Weber, zugänglich zu machen, nachdem sie sich in der letzten Woche noch geweigert hatten.

Kaum waren die Flügeltüren zum Gemälde-Gral geöffnet, machten sich die Weber-Unterstützer im Beisein eines Rechtsbeistands an die Arbeit und transportierten alle Werke mit Lieferwagen zu einem geheimen Ort – nicht ohne dabei von Stiftungsvertretern gefilmt zu werden. Diese kämpften, noch während die Bilder – wohl für immer – das Depot verliessen, gegen die Windmühlen eines Gerichtsurteils, eine Haltung, die von Verkennung der Tatsachen, ja von Verzweiflung zeugt. Mit dem Bildersturm ist ein weiterer Tiefpunkt in der Geschichte um die Auseinandersetzungen zwischen der Stiftung auf der einen und der Witwe und des sie unterstützenden Vereins «Freunde Bruno Weber Park» auf der anderen Seite erreicht. Jedem, der Zeuge dieses Schauspiels wurde, ist klar, dass eine Einigung zwischen den involvierten Gruppen in dieser Besetzung eine Illusion ist.

Was wohl Bruno Weber von dem Ganzen gehalten hätte? Vielleicht hätte er das Geschehen künstlerisch verarbeitet: Mit Figuren, die sich mit grimmigen Gesichtern und bis an die Zähne bewaffnet gegenüber stehen – und sich dadurch der Lächerlichkeit preisgeben.

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