Bezirksgericht Zürich

Suchtbehandlung statt Knast für gewaltbereiten Barmann

Seine Delikte erklärt sich der Verurteilte mit seiner Kokainsucht. (Symbolbild)

Seine Delikte erklärt sich der Verurteilte mit seiner Kokainsucht. (Symbolbild)

Ein heute Barmann aus Dietikon rastete völlig aus, schlug seine Freundin und drückte ihr eine Amaretto-Flasche gegen den Hals. Nun hat das Bezirksgericht den Türken verurteilt. Die Freiheitsstrafe wird zugunsten einer Suchtbehandlung aufgehoben.

Es war am 20. März 2013, als eine zweiköpfige Patrouille der Stadtpolizei Schlieren am Abend an die Hofackerstrasse in Dietikon ausrücken musste. Ein heute 40-jähriger Barmann war völlig ausgerastet und attackierte seine Freundin. Er verpasste der heute 25-jährigen Geschädigten mehrere heftige Ohrfeigen und drückte ihre eine Amaretto-Flasche gegen den Hals. Die Polizeibeamten trafen noch rechtzeitig ein und konnten den türkischen Kokainkonsumenten im Treppenhaus festnehmen. Allerdings schrie dieser lauthals herum und rief seiner Partnerin zu, dass er sie umbringen werde.

Polizeibeamte bedroht

Die Beamten konnten den Angreifer in Handschellen legen, jedoch nicht beruhigen. So trat er in die Türe des Polizeifahrzeugs hinein und spuckte einem der Polizisten ins Gesicht. Danach trat er gegen den zweiten Beamten und streifte diesen an der linken Wange. Während der Fahrt zum Verkehrsstützpunkt Urdorf wurde der Gefangene nicht müde, die beiden Ordnungshüter zu bedrohen. Sie würden alles zurückbekommen, erklärte er. Sobald er die Handfesseln nicht mehr trage, würde er sie kaputtmachen. Der Beschuldigte beruhigte sich erst wieder hinter Gittern.

Heute in der Suchtbehandlung

Gestern musste sich der weitgehend geständige Barmann wegen mehrfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Tätlichkeiten vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der sichtlich ernüchterte Beschuldigte führte dabei aus, dass er sich heute in einer stationären Suchtbehandlung befinde. Die meisten Delikte erklärte er sich mit seiner Kokainsucht. Allerdings habe auch die Geschädigte Drogen konsumiert und ihn provoziert, versuchte er seine Aggressionen zu rechtfertigen.

Die Staatsanwaltschaft hatte einen weiteren Vorfall vom Dezember 2011 eingeklagt. Schon damals hatte der Türke die Geschädigte geschlagen und gewürgt. Er liess erst los, als sie zu einem Messer griff und in seine Richtung stach. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie eine Busse von 1000 Franken. Zudem die Einweisung des Täters in eine bereits angelaufene stationäre Massnahme.

Therapie statt Knast

Der Verteidiger verlangte Teilfreisprüche und sprach von einer verrückten Liebesbeziehung, zu welcher auch die Geschädigte beigetragen habe. Eine milde Strafe sei angebracht, aber ebenso die stationäre Therapie.

Das Gericht sprach den vorbestraften Barmann in den meisten Punkten schuldig und setzte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten fest. Wobei der Strafvollzug zugunsten der Suchtbehandlung aufgeschoben wurde. Der Beschuldigte wurde verpflichtet, Schmerzensgelder zu zahlen. 1 200 Franken für seine Ex-Freundin sowie 300 Franken für den bespuckten Polizeibeamten. Zudem soll er für die beschädigte Autotüre der Stadt Schlieren einen Schadenersatz von 452 Franken entrichten.

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