Dietikon
Stromverbrauch: Mehr Kontrolle für die Konsumenten

Innerhalb von 20 Jahren will die EKZ alle Stromzähler des Kantons durch «Smart Meter» ersetzen. Mit dieser Technologie kann der Stromverbrauch jederzeit online eingesehen werden. Aber sie kostet auch Arbeitsplätze.

Florian Niedermann
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Ein Fachmonteur demonstriert die Installation eines «Smart Meter» an einer Stromzählerwand der EKZ in Dietikon.

Ein Fachmonteur demonstriert die Installation eines «Smart Meter» an einer Stromzählerwand der EKZ in Dietikon.

Florian Niedermann

Dieser Moment kommt jedes Jahr so sicher wie das Amen in der Kirche: Ein Angestellter der EKZ klingelt an der Tür, um am Stromzähler den Verbrauch abzulesen. Wenig später flattert eine Rechnung ins Haus, auf der die verbrauchten Kilowattstunden und der zu entrichtende Betrag aufgelistet sind.

Doch diese Szene gehört schon bald der Vergangenheit an: Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) rüsten immer mehr Häuser auf sogenannte «Smart Meter» – schlaue Stromzähler – um. Damit kann der Stromanbieter künftig den Verbrauch jedes einzelnen Haushalts zentralisiert ablesen. Die nötigen Daten werden über das Stromnetz an ein Rechenzentrum der EKZ gesendet. Bis im Jahr 2033 sollen alle Stromzähler im Kanton ersetzt und jährlich rund 6000 neue Wohneinheiten mit «Smart Metern» ausgestattet werden.

Den Konsumenten bietet die neue Technologie den Vorteil, ihren Stromverbrauch über einen persönlichen Account auf der Online-Plattform «myEKZ» jederzeit einsehen und mit früheren Messungen vergleichen zu können. «Wer will, kann so Energiesparpotenziale erkennen und das eigene Verbrauchsverhalten anpassen», sagt Roman Gmür, Leiter Smart Metering bei der EKZ-Tochter Enpuls. Und natürlich lässt sich auch die Stromrechnung auf «myEKZ» auf digitalem Weg begleichen. Das neue System bietet ausserdem gerade im Hinblick auf die bevorstehende schrittweise Liberalisierung des Schweizer Strommarkts grosse Vorteile für die Konsumenten: «Bei Anbieterwechseln entfallen die Kosten für das Zählen des Stromstandes, was sich sonst auf die Gebühren niederschlagen könnte», so Gmür.

100 Teilzeitstellen fallen weg

Natürlich lohnt es sich auch für die Zürcher Elektrizitätswerke, auf die neuen Geräte umzurüsten. Ein «Smart Meter» kostet laut Gmür zwar «einen tiefen dreistelligen Betrag». Weil damit aber das Ablesen des Stromverbrauchs vor Ort wegfällt, können laut Medienmitteilung der EKZ etwa «Arbeitsprozesse effizienter gestaltet» werden. Die Frage, wie viele Arbeitsplätze dies kosten wird, kann Gmür nicht beantworten. «Derzeit benötigen wir zirka 100 Teilzeitpensen für das Ablesen aller Zähler im Kanton. Diese werden nach der Umrüstung nicht mehr benötigt», räumt er ein. Es würden aber auch neue Arbeitsplätze geschaffen, um den Betrieb des neuen Systems bewältigen zu können, so Gmür. Neben der Effizienzsteigerung sei ein weiterer Vorteil des «Smart Metering», dass es den EKZ ermögliche, «kostenoptimierte Produkte» anzubieten, und sich «auf künftige Anforderungen» – wie die Marktliberalisierung – vorbereiten zu können.

Obwohl die Elektrizitätswerke bis heute bereits 27 000 der smarten Stromzähler installiert haben, ist die Funktion des Datentransfers ins Rechenzentrum erst bei 1800 Stück freigeschaltet. Der Grund: Die EKZ haben sich für einen schrittweisen Wechsel auf das «Smart Metering» entschieden. Nur Stromzähler älterer Generationen, die ihre Lebenserwartung erreicht haben, werden durch die neue Technologie ersetzt. Noch funktionstüchtige Geräte sollen aber so lange wie möglich in Betrieb bleiben.

Hohe Netzdichte ist nötig

Erst wenn der Anteil der «Smart Meter» in einem bestimmten Einzugsgebiet gross genug ist, oder wenn darin viele Umzüge zu erwarten sind, installieren die EKZ in der Trafostation des Quartiers sogenannte Konzentratoren, die für den Datentransfer vom einzelnen «Smart Meter» zum Rechenzentrum nötig sind. Würde man diese Teil-Datennetzwerke in Betrieb nehmen, bevor sie die erforderliche Dichte an «Smart Meters» aufweisen, so könnte die Datenübertragung zu schwach sein, erklärt Gmür.«Klar hätten wir das ganze System auf einmal in Betrieb nehmen können», sagt er. Dies hätte gegenüber der schrittweisen Einführung aber grosse Nachteile mit sich gebracht: so etwa höhere kurzfristige Investitionskosten, die Verschwendung noch funktionstüchtiger Zähler und weniger zeitliche Flexibilität beim Geräteaustausch. (fni)