«Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer» - und einen Frühling erst recht nicht. Wohl kehren derzeit die Schwalben und andere Zugvögel Schwarm für Schwarm zurück. Wirtlich zeigt sich die Region aber nicht. Woran es aber mangelt, sind Insekten. Das garstige Winterwetter lässt die Larven nicht schlüpfen, die Vögel hungern. Im Welschland wurden bereits mehr verletzte oder geschwächte Vögel registriert, als in den Vorjahren, wie die Nachrichtenagentur SDA kürzlich vermeldete.



An Insekten mangelt es auch im Limmattal. Dass hier aber geschwächte Tiere aufgefunden worden seien, sei ihm nicht bekannt, sagt Nino Kuhn, Präsident des Vogel- und Naturschutzvereins «Schwalbe» aus Schlieren. Das Problem seien aber nicht in erster Linie die erwachsenen Vögel. Die Allesfresser könnten ihren Bedarf auch mit pflanzlichem Futter decken, die Insektenfresser wieder in Richtung Süden fliegen, so Kuhn. Gefährlich werde es vielmehr für die Jungtiere, die in den nächsten Wochen schlüpfen werden.

Für Prognose noch zu früh

«Alle Insektenfresser müssen ihre Jungvögel mit eiweissreicher Nahrung füttern», so Kuhn. Fehlen die Insekten, werden die Jungen schwächlich und gehen schneller ein. «Manche Vögel werfen die schwachen Jungtiere auch aus dem Nest», sagt Kuhn. Bereits im letztjährigen Frühling habe man nach der anhaltenden Nässe in den Nistkästen viele Nester mit unausgebrüteten Gelegen und toten Jungvögeln entdeckt.

Der Insektenmangel sei beunruhigend, sagt auch Raffael Ayé, Projektleiter Artenförderung beim Schweizer Vogelschutz SVS/Birdlife Schweiz in Zürich. «Problematisch ist aber nicht primär die Witterung, sondern die Veränderung des Landschaftsbildes.» Insektenreiche Strukturen in der Landwirtschaft seien grundsätzlich rar geworden. Den akuten Mangel könnten die Tiere überbrücken: «Viele Vögel fliegen bei Wettereinbrüchen wieder ein paar Hundert Kilometer zurück in den Süden.»

Wie sich die kalte Witterung auf die Vogelpopulation auswirken wird, ist schwer abzuschätzen. «Für eine Prognose ist es noch viel zu früh», so Ayé. Vom Brüten abhalten lassen würden sich die Vögel wegen der kühlen Temperaturen nicht, so Ayé. «Die Vögel sind diesbezüglich primär lichtgesteuert; vom eingeschränkten Nahrungsangebot lassen sie sich erst in zweiter Linie steuern.» Einige Vogelarten legen mehr Eier, als sie Jungvögel hochziehen können, um Verluste im Gelege zu kompensieren. Der Tod schwächerer Jungvögel ist einkalkuliert. «Das ist die Natur. Und für die Natur gelten andere Regeln.»

Ausgehungerte Igel

Geradezu bedrohlich ist die Situation derzeit für die Igel, die aus dem Winterschlaf erwachen und kein Fressen finden. «Der Winter will kein Ende nehmen und die Igel sind schon wach und hocken schlotternd in ihren Schlupfwinkeln, jämmerlich abgemagert und kein Futter in Reichweite», schreibt der Verein «Pro Igel» in einer Mitteilung. Er rät deshalb als Notmassnahme dringend, Katzenfutter in den Garten zu stellen.