Darauf lässt zumindest eine Stellungnahme der Spitaldirektion zu einer Interpellation schliessen, die der Schlieremer FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich am Montag an den Regierungsrat gerichtet hat.

Geistlich wollte wissen, wie die Exekutive die Chancen für die Realisierbarkeit eines Modulbaus sieht, den Kanton und Spitalleitung als temporäre Rochadefläche während der dringend notwendigen Gesamterneuerung des Unispitals errichten wollen.

Die Baudirektion reichte bereits Anfang April 2012 bei der Stadt Zürich ein entsprechendes Baugesuch ein. Die Stadt hat sich bisher aber noch nicht entschieden. Grund dafür könnte die schlechte Stimmung zwischen Stadt und Kanton sein, vermutete der «Tages-Anzeiger» in der Ausgabe von gestern. Das städtische Hochbauamt argumentiert hingegen, dass es sich um ein komplexes Projekt handle, das in einem denkmalgeschützten Park realisiert werden soll.

Geistlich wollte mit seiner Interpellation in Erfahrung bringen, ob der Regierungsrat an seinem Standortentscheid für die infrastrukturelle Weiterentwicklung auf Hochschulgebiet Zürich Zentrum festhalte, wie er gedenke, den Stadtrat in eine «unwiderrufliche politische Verantwortung» zu nehmen und welche alternativen Szenarien und Standorte zur Verfügung stehen würden. Gut unterrichteten Quellen zufolge zeichnet sich in dieser Sache ein ernsthafter Konflikt zwischen Kanton und Stadt ab.

Weitere Auslagerung ist möglich

In einer Stellungnahme gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärte Rita Ziegler, die Direktorin des Unispitals, dass im Fall eines Scheiterns des Modulbau-Projekts kein Alternativplan bestehe und man überprüfen müsste, ob «weitere Teile des Spitals» nach Schlieren ausgelagert werden sollen. So will man den nötigen Platz schaffen, um das Spital sanieren zu können.

Bereits jetzt belegen Forschungsgruppen des Universitätsspitals zwei Stockwerke im Gebäude an der Wagistrasse 14. In sieben Stockwerke des Hochhaus-Neubaus an der Wagistrasse 12 im Schlieremer Bio-Technopark ziehen diesen Herbst weitere Forschungsbereiche des Universitätsspitals sowie Institute der Universität Zürich. Der Life-Science-Cluster beheimatet nicht nur Jungunternehmungen und Spin-offs der ETH und Universität, sondern auch akademische Forschungslabors des Universitätsspitals sowie ein ambulantes Tomografiezentrum.

Insgesamt handelt es sich um Forschende aus acht Kliniken und Instituten mit rund 130 Mitarbeitenden, wie das Unispital auf Anfragen mitteilt. 2014 werden voraussichtlich 40 weitere Mitarbeitende aus den Forschungsbereichen Neurologie, innere Medizin und Kardiologie dort platziert. Kommt der temporäre Modul-Neubau beim Spital tatsächlich nicht oder verspätet zustande, so würde man mit der Sanierung unter Zeitdruck geraten: Bereits auf Ende 2015 wurde etwa die Schliessung des Nukleartraktes verordnet, weil der Brandschutz mangelhaft war.

Geschäftsleitung wäre erfreut

Zu einer Kontaktaufnahme mit der Geschäftsleitung des Bio-Technoparks im Zusammenhang mit der möglichen Ansiedlung weiterer Forschungsgruppen kam es bisher noch nicht, wie das Spital erklärt. In Schlieren wäre man über ein Scheitern des temporären Modulbaus nicht unglücklich, wie Mario Jenni, Geschäftsführer des Bio-Technoparks sagt: «Wir würden die Ansiedlung weiterer akademischer Forschungsgruppen sehr begrüssen.» Entscheide sich das Unispital für den Bio-Technopark als Ausweichstandort, so wäre das eine grosse Chance für den Austausch zwischen Forschung und Life-Science-Unternehmen, erklärt er.

Voraussetzung wäre, dass die weiteren auszulagernden Teile des Spitals mittelfristig in bereits bestehenden Gebäuden Platz finden. Denn: Der Bio-Technopark ist gut ausgelastet. Das zweite Hochhaus sei bereits in Planung, erklärt Jenni: «Es wird aber voraussichtlich erst 2017 bezugsbereit sein.»