Feldstrasse

Streit um Fahrbahnhaltestelle: Im Fall Urdorf entscheidet der Kantonsrat

Darum gehts: Die Kommission des Kantonsrats fordert hier eine Busbucht. Im Hintergrund die zweite (südliche) Haltestelle – die SVP will auch dort eine Busbucht.

Darum gehts: Die Kommission des Kantonsrats fordert hier eine Busbucht. Im Hintergrund die zweite (südliche) Haltestelle – die SVP will auch dort eine Busbucht.

Der Umbau der Feldstrasse in Urdorf liegt jetzt beim Kantonsrat, der die lange Planung über den Haufen werfen könnte. Die zuständige Kommission schlägt drei Varianten vor, zwei davon teurer als geplant. 2009 hatten die Urdorfer dem Projekt zugestimmt.

Sie war einst als vierspuriger Autobahnzubringer gedacht, ist aber stets eine übergrosse Quartierstrasse geblieben: die Feldstrasse in Urdorf. Sie soll daher nicht nur erneuert, sondern auf zwei Spuren verkleinert werden. Die gesamte Sanierung und Umgestaltung von Feldstrasse und Birmensdorferstrasse kostet 19,1 Millionen Franken. Daran beteiligt sich die Gemeinde mit 3,2 Millionen Franken.

Dem entsprechenden Kredit hat das Urdorfer Volk am 27. September 2009 zugestimmt, mit 1225 Ja- zu 1109 Nein-Stimmen, was einem Ja-Anteil von 52,5 Prozent entspricht. Keine Urdorfer Ortspartei war gegen das Projekt. Nach Verzögerungen biegt es nun auf die Zielgerade ein.

Bevor es aber losgeht bei der Feldstrasse, ist es noch nötig, dass der Kantonsrat einen der Teilkredite spricht. Dieser Objektkredit beträgt fast 4 Millionen Franken. Die Kantonsratskommission für Planung und Bau ist nun mit der Beratung fertig. Die 15 Kommissionsmitglieder waren sich uneins: Drei Varianten schlagen sie dem Parlament vor.

Mehrheitsantrag: eine Busbucht

Die Kommissionsmehrheit will, dass die Bushaltestelle Neumattstrasse auf der Nordseite der Feldstrasse mit einer Busbucht ausgestattet wird, was die Projektkosten um 70 000 Franken erhöhen würde.

Denn das Zürcher Tiefbauamt sieht in seinen – vom Regierungsrat unterstützen – Plänen für die Haltestellen bei der Neumattstrasse keine Busbuchten vor, sondern Fahrbahnhaltestellen auf der nördlichen und der südlichen Seite (auch Kaphaltestellen genannt), so wie es heute schon der Fall ist – was aber heute kaum jemanden stört, da die Strasse genug breit ist, damit Autos den Bus überholen können.

Rückweisungsantrag: zwei Buchten

Neben dem erwähnten Mehrheitsantrag gibt es einen Minderheitsantrag von SVP-Kantonsräten, darunter Pierre Dalcher aus Schlieren. Es ist ein Rückweisungsantrag. Das Projekt soll zurück zum Tiefbauamt, damit dieses nochmals neu plant, und zwar mit Busbuchten bei beiden Haltestellen. Der Antrag dürfte chancenlos sein – er findet selbst in der FDP keine Unterstützer. Die Gründe: Das Projekt würde sich dadurch nochmals verzögern, die Mehrkosten sind unbekannt, die ganze Strassenführung müsste komplett verschoben werden.

«Es geht bei diesem Antrag auch darum, ein Zeichen zu setzen. Die Autofahrer werden stets zur Kasse gebeten und subventionieren den öffentlichen Verkehr mit. Trotzdem sollen sie mit Fahrbahnhaltestellen immer mehr behindert werden. Wir von der SVP finden, dass das nicht geht», erklärt Kantonsrat Pierre Dalcher (SVP, Schlieren).

Er hofft, dass zumindest der Antrag der Kommissionsmehrheit, auf der nördlichen Seite eine Busbucht zu bauen, angenommen wird. «Im Prinzip kämpfe ich hier bloss darum, zumindest die Hälfte der Strassenkapazität zu erhalten. Wenn die Feldstrasse schon von vier auf zwei Spuren reduziert wird, soll die verbleibende nördliche Spur wenigstens nicht durch eine Fahrbahnhaltestelle behindert werden. Fahrbahnen sind zum Fahren da», so Dalcher. «Die Mehrkosten sind im Verhältnis zu den Gesamtkosten durchaus tragbar», sagt er. Der Abstimmung sieht er sportlich entgegen, es werde wohl knapp.

Die FDP ist grundsätzlich ebenfalls für Busbuchten, hat aber bei einem Projekt in Wetzikon die Busbucht abgelehnt, da sie Mehrkosten von über einer halben Million Franken nach sich gezogen hätte. «In Urdorf bewegen sich die Kosten in einem vertretbaren Rahmen. Mit wenig Aufwand lässt sich hier eine Busbucht erstellen, um die man noch froh sein wird, da mit dem Wachstum im Limmattal auch der Verkehr zunehmen wird», argumentiert Kommissionsmitglied Christian Müller (FDP, Steinmaur). «In der Vorberatung des Geschäfts hat unsere Fraktion dieser Haltung zugestimmt», so Müller weiter.

Regierungsantrag: keine Busbucht

Ab der politischen Mitte ist man für den Minderheitsantrag, der dem Antrag von Regierungsrat respektive Tiefbauamt gleich ist – also ohne Busbuchten. Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon), ebenfalls Mitglied der Kommission, sagt: «Die Busfrequenz dort ist so tief, dass Busse kein wirkliches Hindernis darstellen. Die zusätzliche Busbucht weist insofern ein grosses Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen auf.» Die CVP-Fraktion wird wie Wiederkehr gegen die zusätzliche Busbucht stimmen. Seine Prognose: «Es wird sicher ein knapper Entscheid. Schon der Kommissionsentscheid war hauchdünn.»

Mit ihm stimmen wird eine weitere Limmattaler Kantonsrätin. Sonja Gehrig (GLP, Urdorf) favorisiert ebenfalls den Minderheitsantrag, der die günstigste Variante mit den Fahrbahnhaltestellen fordert: «Entscheidet sich der Kantonsrat für die zusätzliche Busbucht, wäre das völlig inkonsequent. Es würde allen unseren Sparmassnahmen zuwiderlaufen.»
Das wichtigste Argument für die Fahrbahnhaltestellen ist für Gehrig die Sicherheit, da es nahe der Feldstrasse mehrere Schulhäuser und Kindergärten gibt. «Für Fussgänger, und damit für die Schulkinder, sind Fahrbahnhaltestellen sicherer. Wenn der Bus hält und die Sicht auf die Fussgänger vor ihm verdeckt, muss es ausgeschlossen sein, dass Autos den Bus überholen können. Das ist nur mit Fahrbahnhaltestellen der Fall.» Ganz allgemein lobt Gehrig das Gesamtkonzept des Regierungsrats als «gut durchdacht».

Bis zur Abstimmung dauert es noch eine Weile. Das Geschäft befindet sich auf der Traktandenliste des Kantonsrats zurzeit auf Position 131.

Der Streit um Fahrbahnhaltestellen geht am eigentlichen Problem vorbei, sagt unser (autofahrender) Lokalredaktor. Hier geht's zum Kommentar.

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