Seniorenrat
Streit um Altersheim-Tariferhöhung in Dietikon brachte Senioren zusammen

Der Seniorenrat kämpfte anfangs gegen die Tariferhöhung des Altersheim, heute bietet er viele Dienste an.

Bastian Heiniger
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Die vom Seniorenrat organisierte Fotoausstellung war im letzten Jahr ein Erfolg. Der Höhepunkt dieses Jahres steht am Freitagabend und Samstag an.

Die vom Seniorenrat organisierte Fotoausstellung war im letzten Jahr ein Erfolg. Der Höhepunkt dieses Jahres steht am Freitagabend und Samstag an.

Florian Niedermann

Anfangs sollte der Seniorenrat als politische Stimme der Senioren agieren, heute ist er viel mehr: Er organisiert Vorträge, Lesezirkel, Computerkurse, Mittagstische und bietet mit «Senioren helfen Senioren» alltägliche Unterstützung an. Eine politische Stimme zu sein, ist heute indes nicht mehr das oberste Ziel. «Wir sind politisch und konfessionell neutral», sagt die Präsidentin Elsbeth Preisig. Der Rat vertrete jedoch die ältere Generation gegenüber der Behörden und der Öffentlichkeit.

Der 90-jährige Max Wiederkehr erinnert sich an die Gründung im Oktober 1994. Damals wurden im Alters- und Pflegezentrum Ruggacker die Tarife erhöht. Die Senioren fühlten sich übergangen, weil sich niemand dagegen wehrte. Also gründeten sie den Seniorenrat und hielten Einsprache. Diese wurde vom Bezirksrat zwar abgewiesen, doch ihre Idee war geboren.

Die treibende Kraft war Robert Müller, der damals eine Wandergruppe organisierte. Zwischen 40 bis 60 Leute gingen einmal im Monat gemeinsam auf Wanderschaft. In dieser Gruppe entstand schliesslich die Diskussion, dass die älteren Einwohner kein Sprachrohr hätten. Das sollte sich ändern. Also sass der harte Kern zusammen und wählte verteilt auf die Quartiere ein paar Mitglieder aus – sechs Frauen und sieben Männer vertraten fortan die Senioren in Dietikon. Wiederkehr war bei der Gründung dabei und amtete für zwei Jahre als Präsident.

Dietikon noch immer ein Dorf

Als erstes erstellte der Rat ein Inventar, worin sie das Angebot für Senioren festhielten. «Dieses war schon damals gut», sagt Wiederkehr. Aber: Sie wollten ja nicht noch mehr Unterhaltung bieten, sondern konkrete Hilfe leisten. Und so gleisten sie ein Projekt auf: Senioren helfen Senioren. Dieser Hilfsdienst sei nun zu «einer grossen Geschichte» geworden, sagt er. Damals aber hätten sie sich erst an die verschiedenen Projekte herantasten müssen. Verändert habe sich unterdessen vieles im Dorf. Wiederkehr sagt nicht Stadt, wenn er von Dietikon spricht. Er erinnert sich noch gut, als es lediglich 8000 Einwohner gab. «Es ist schon komisch, wenn ich heute am Bahnhof sehe, dass Polizisten Wache stehen müssen.» Doch so wie Dietikon über die Jahre gewachsen ist, haben auch die Aktivitäten des Rats stets zugenommen. «Ein Verdienst davon ist es, dass sich heute die meisten Senioren kennen und sich geistig vertreten fühlen.»

Wiederkehr ist zwar schon lange nicht mehr im Rat aktiv, einige Angebote nutzt er jedoch gerne: etwa den Hilfsdienst. Ab und an kommt jemand vorbei und mäht ihm den Rasen.

Körperlich und geistig agil bleiben

Auch Elsbeth Preisig findet, dass heute nicht zuletzt dank des Seniorenrates ein gutes Angebot für die älteren Einwohner bestehe. Die Pensionärin wurde im Juli 2011 zum Mitglied. Als sie damals angefragt wurde, dachte sie erst, dass sie eigentlich zu jung sei. Trotzdem machte sie mit. Und seit 2013 amtet die 67-Jährige sogar als Präsidentin. Der Hauptverdienst des Seniorenrates sieht sie darin, dass dank der Anlässe die Pensionäre Beschäftigung finden, wodurch sie körperlich und geistig agil bleiben. Stolz ist sie ebenfalls auf das letztjährige Fotoprojekt: Während eines Jahres schossen die Teilnehmer Bilder vom Limmattal. Im Stadthaus durften sie ihre Werke dann ausstellen. Dieser Anlass sei auf grossen Widerhall gestossen, sagt Elsbeth Preisig. Beliebt sei momentan der neue Computerkurs.

Der diesjährige Höhepunkt ereigne sich allerdings diese Woche: Heute Abend die Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen und am Samstag findet ein Workshop zum neuen Altersleitbild statt. Die Stadt will dabei zusammen mit dem Seniorenrat und anderen Institutionen herausfinden, was für die älteren Menschen noch verbessert werden kann. Preisig ist es ein Anliegen, dass die Arbeit mit Senioren besser koordiniert wird. Verbessern soll sich vor allem die Übersicht der Organisationen, die einen Dienst für Senioren anbieten. Allerdings wolle sie auch nicht vorgreifen: «Die Themen sollen dann beim Brainstorming im Workshop besprochen werden.»